Thomas Gransow
 

Rom und der Vatikan
 

Historisches Zentrum
 

Viale della Trinità dei Monti



 

Abb. 1: Giovanni Battista Piranesi: Veduta della Villa Medici. In: A. a. O., S. 90.



 

Text 1
Villa Medici

Villa Médicis bâti par Lippi pour le cardinal Ricci da Montepulciano, en 1544, fut acheté par le cardinal Alexandre de Médicis, le, futur Léon Xl, (le qui les Grand Ducs de Toscane en héritèrent. Napoléon l'acheta en 1801, et en 1803 l'Académie de France, fondée par Louis XIV en 1666, y fut transférée. C' est là que les jeunes artistes français ayant obtenu le "Prix de Rome" (peintres, sculpteurs, architectes, graveurs, musiciens) viennent se perfectionner pendant trois ans. C'est là qu' habita Vélasquez en 1630 et que Galilée fut relégué de 1630 à 1633 par le Saint-Office. [...]

La façade extérieure est nue; pour la façade intérieure, Lippi suivit les conseils de Michel-Ange. A l'intérieur, Musée de la villa. Le Parc, où l'on accède par une petite grille à gauche de la façade, est petit et joli. Il renferme de nombreux vestiges de statues antiques (parmi lesquelles la Tête de Méléagre de Scopas, peut-être l' original), des bustes modernes, un bosquet sauvage; du Belvédère, on jouit d'un panorama très étendu.

Vis-à-vis de la villa, admirablement encadrée de chênes verts, la célèbre fontaine, mille fois reproduite par les artistes.

(Le Guide Bleu: Rom et ses environs. Ed. p. le Touring Club Italien. Paris: Hachette 1949. S. 119f.)
 
 

Text 2
Ein Volltreffer

Am Neujahrsmorgen des Jahres 1656, jenem unvergessenen Datum, hatte Christine von Schweden, die ebenso streitbare wie launische Tochter Gustav Adolfs, sich in den Kopf gesetzt, das neue Jahr auf dem Castel Sant'Angelo zu begrüßen. 

Noch herrscht tiefste Dunkelheit, als sie an diesem 1. Januar 1656 mit ihren Begleitern dorthin aufbricht. Als das Grüpplein in die Engelsburg einzieht, ist es noch immer nicht hell geworden. Im Fackelschein glänzt das Metall der Geschütze auf der Bastion, was die eigenwillige Christine veranlasst, mit ihren Schießkünsten zu prahlen. Dass der eine oder andere der sie begleitenden Kavaliere mitleidig lächelt, kann man verstehen. Dass dieses Lächeln unvorhersehbare Folgen hat, ist beim Charakter dieser Frau vorauszuahnen. Christine, ganz grande dame und fest entschlossen, den Tatbeweis für ihre Äußerungen zu erbringen, befiehlt, die 2395 Pfund schwere Spinosa zu laden, jene besonders gewichtige Kanone, welche die päpstlichen Truppen seinerzeit vom Heer des Kronfeldherrn Karl von Bourbon auf dem Monte Mario erbeutet haben. Dann richtet Christine das Geschütz auf die auf dem gegenüberliegenden Pincio gelegene Villa Medici, wo der toskanische Botschafter sich von der Silvesterparty erholt.

Heute beherbergt die Villa Medici die französische Akademie der Künste. Gegründet wurde die Akademie im 17. Jahrhundert vom Sonnenkönig Ludwig XIV., um talentierten Malern die Möglichkeit zu geben, in Rom ihre Kunstfertigkeit zu vervollkommnen. Jean-Auguste-Dominique Ingres war zeitweilig Direktor dieser Akademie; Nicolas Poussin, Jean-Honoré Fragonard und François Boucher gehörten zu ihren Absolventen. Später wurden hier auch Musiker aufgenommen, was unter anderem Hector Berlioz und Claude Debussy zugute kam. Ihren heutigen Namen erhielt die Villa erst 1576, als Kardinal Ferdinando di Medici sie erwarb.

Als Christine in Rom weilt, dient das Gebäude der toskanischen Botschaft als Sitz. Und als sie in der Morgenfrühe dieses fatalen 1. Januar 1656, nun nicht mehr grande dame, sondern ganz und gar Feldherrin, das geladene Geschütz auf die Villa richtet, wird es nur noch wenige Augenblicke dauern, bis der Botschafter entsetzt aus dem Schlaf fährt.

Denn Christine landet einen Volltreffer. Eine irreparable Delle zeugt seither von den Schießkünsten der abgedankten schwedischen Königin, deren Konversion zum Katholizismus den Papst mit immenser Genugtuung erfüllte - und die anschließend wegen ihres kapriziösen Verhaltens zu einer schweren Belastung für die Kirche wurde.

Heute krönt die Kanonenkugel, die zu Beginn des Jahres 1656 eine ernste diplomatische Krise auslöste, den Brunnen auf der vor der Villa Medici gelegenen Piazza.

(Josef Imbach: Kirchenfürsten, Künstler, Kurtisanen. Rom - Geschichten aus einer Stadt. Düsseldorf: Patmos 2003. S.67f.)
 
 

Abb. 2: Brunnen vor der Villa Medici (1900).
In: Bilder aus Italien. Nördlingen: Greno 1985. S. 86.
 
 

Text 3 
Ein Gespräch

DER KLEINE MÖNCH: Erlauben Sie, daß ich von mir rede. Ich bin als Sohn von Bauern in der Campagna aufgewachsen. Es sind einfache Leute. Sie wissen alles über den Ölbaum, aber sonst recht wenig. Die Phasen der Venus beobachtend, kann ich nun meine Eltern vor mir sehen, wie sie mit meiner Schwester am Herd sitzen und ihre Käsespeise essen. Ich sehe die Balken über ihnen, die der Rauch von Jahrhunderten geschwärzt hat, und ich sehe genau ihre alten abgearbeiteten Hände und den kleinen Löffel darin. Es geht ihnen nicht gut, aber selbst in ihrem Unglück liegt eine gewisse Ordnung verborgen. Da sind diese verschiedenen Kreisläufe, von dem des Bodenaufwischens über den der Jahreszeiten im Ölfeld zu dem der Steuerzahlung. Es ist regelmäßig, was auf sie herabstößt an Unfällen. Der Rücken meines Vaters wird zusammengedrückt nicht auf einmal, sondern mit jedem Frühjahr im Ölfeld mehr, so wie auch die Geburten, die meine Mutter immer geschlechtsloser gemacht haben, in ganz bestimmten Abständen erfolgten. Sie schöpfen die Kraft, ihre Körbe schweißtriefend den steinigen Pfad hinauf zuschleppen, Kinder zu gebären, ja zu essen, aus dem Gefühl der Stetigkeit und Notwendigkeit, das der Anblick des Bodens, der jedes Jahr von neuem grünenden Bäume, der kleinen Kirche und das Anhören der sonntäglichen Bibeltexte ihnen verleihen können. Es ist ihnen versichert worden, daß das Auge der Gottheit auf ihnen liegt, forschend, ja beinahe angstvoll; daß das ganze Welttheater um sie aufgebaut ist, damit sie, die Agierenden, in ihren großen oder kleinen Rollen sich bewähren können. Was würden meine Leute sagen, wenn sie von mir erführen, daß sie sich auf einem kleinen Steinklumpen befinden, der sich unaufhörlich drehend im leeren Raum um ein anderes Gestirn bewegt, einer unter sehr vielen, ein ziemlich unbedeutender! Wozu ist jetzt noch solche Geduld, solches Einverständnis in ihr Elend nötig oder gut? Wozu ist die Heilige Schrift noch gut, die alles erklärt und als notwendig begründet hat, den Schweiß, die Geduld, den Hunger, die Unterwerfung, und die jetzt voll von Irrtümern befunden wird? Nein, ich sehe ihre Blicke scheu werden, ich sehe sie die Löffel auf die Herdplatte senken, ich sehe, wie sie sich verraten und betrogen fühlen. Es liegt also kein Auge auf uns, sagen sie. Wir müssen nach uns selber sehen, ungelehrt, alt und verbraucht, wie wir sind? Niemand hat uns eine Rolle zugedacht außer dieser irdischen, jämmerlichen auf einem winzigen Gestirn, das ganz unselbständig ist, um das sich nichts dreht? Kein Sinn liegt in unserm Elend, Hunger ist eben Nichtgegessenhaben, keine Kraftprobe; Anstrengung ist eben Sichbücken und Schleppen, kein Verdienst. Verstehen Sie da, daß ich aus dem Dekret der Heiligen Kongregation ein edles mütterliches Mitleid, eine große Seelengüte herauslese?

GALILEI: Seelengüte! Wahrscheinlich meinen Sie nur, es ist nichts da, der Wein ist weggetrunken, ihre Lippen vertrocknen, mögen sie die Soutane küssen! Warum ist denn nichts da? Warum ist die Ordnung in diesem Land nur die Ordnung einer leeren Lade und die Notwendigkeit nur die, sich zu Tode zu arbeiten? Zwischen strotzenden Weinbergen, am Rand der Weizenfelder! Ihre Campagnabauern bezahlen die Kriege, die der Stellvertreter des milden Jesus in Spanien und Deutschland führt. Warum stellt er die Erde in den Mittelpunkt des Universums? Damit der Stuhl Petri im Mittelpunkt der Erde stehen kann! Um das letztere handelt es sich. Sie haben recht, es handelt sich nicht um die Planeten, sondern um die Campagnabauern. Und kommen Sie mir nicht mit der Schönheit von Phänomenen, die das Alter vergoldet hat! [...] Tugenden sind nicht an Elend geknüpft, mein Lieber. Wären Ihre Leute wohlhabend und glücklich, könnten sie die Tugenden der Wohlhabenheit und des Glücks entwickeln. jetzt stammen diese Tugenden Erschöpfter von erschöpften Ackern, und ich lehne sie ab. Herr, meine neuen Wasserpumpen können da mehr Wunder tun als ihre lächerliche übermenschliche Plackerei. - "Seid fruchtbar und mehret euch", denn die Acker sind unfruchtbar, und die Kriege dezimieren euch. Soll ich Ihre Leute anlügen?

DER KLEINE MÖNCH in großer Bewegung: Es sind die allerhöchsten Beweggründe, die uns schweigen machen müssen, es ist der Seelenfrieden Unglücklicher!

GALILEI: Wollen Sie eine Cellini-Uhr sehen, die Kardinal Bellarmins Kutscher heute morgen hier abgegeben hat? Mein Lieber, als Belohnung dafür, daß ich zum Beispiel Ihren guten Eltern den Seelenfrieden lasse, offeriert mir die Behörde den Wein, den sie keltern im Schweiße ihres Antlitzes, das bekanntlich nach Gottes Ebenbild geschaffen ist. Würde ich mich zum Schweigen bereit finden, wären es zweifellos recht niedrige Beweggründe: Wohlleben, keine Verfolgung etc.

DER KLEINE MÖNCH: Herr Galilei, ich bin Priester. 

GALILEI: Sie sind auch Physiker. Und Sie sehen, die Venus hat Phasen. Da, sieh hinaus! Er zeigt durch das Fenster. Siehst du dort den kleinen Priap an der Quelle neben dem Lorbeer? Der Gott der Gärten, der Vögel und der Diebe, der bäurische obszöne Zweitausendjährige! Er hat weniger gelogen. Nichts davon, schön, ich bin ebenfalls ein Sohn der Kirche. Aber kennen Sie die achte Satire des Horaz? Ich lese ihn eben wieder in diesen Tagen, er verleiht einiges Gleichgewicht. Er greift nach einem kleinen Buch. Er läßt eben diesen Priap sprechen, eine kleine Statue, die in den Esquilinischen Gärten aufgestellt war. Folgendermaßen beginnt es:
"Ein Feigenklotz, ein wenig nützes Holz
War ich, als einst der Zimmermann, unschlüssig 
Ob einen Priap machen oder einen Schemel
Sich für den Gott entschied ..."
Meinen Sie, Horaz hätte sich etwa den Schemel verbieten und einen Tisch in das Gedicht setzen lassen? Herr, mein Schönheitssinn wird verletzt, wenn die Venus in meinem Weltbild ohne Phasen ist! Wir können nicht Maschinerien für das Hochpumpen von Flußwasser erfinden, wenn wir die größte Maschinerie, die uns vor Augen liegt, die der Himmelskörper, nicht studieren sollen. Die Winkelsumme im Dreieck kann nicht nach den Bedürfnissen der Kurie abgeändert werden. Die Bahnen fliegender Körper kann ich nicht so berechnen, daß auch die Ritte der Hexen auf Besenstielen erklärt werden.

DER KLEINE MÖNCH: Und Sie meinen nicht, daß die Wahrheit, wenn es Wahrheit ist, sich durchsetzt, auch ohne uns?

GALILEI: Nein, nein, nein. Es setzt sich nur so viel Wahrheit durch als wir durchsetzen; der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein. 

(Bertolt Brecht: Leben des Galilei. Schauspiel. 8. Szene.)


 
 
 
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