Thomas Gransow
 

Rom und der Vatikan
 

Historisches Zentrum
 
 

Piazza Cenci


Abb. 1: Das Ghetto (2. Hälfte des 19. Jahrhunderts.
In: Vladimiro Settimelli (Hrsg.): Rom. Tübingen: Wasmuth 1983. Nr. 12.



 
 
 
 

Text 1
Un giro del Palazzo Cenci

Il Palazzo Cenci è forma da un comples di fabbricati di varie epoche, congiunti insieme e articolati in quattro principali corpi di fabbrica, che hanno sostituito, a partire dal secolo XVI, le case dei Crescenzi. L'altura su cui sorge è formata dalle rovine dei lato ricurvo del Circo Flaminio, costruito nel 221 a. C. dal censore C. Flaminio (le gradinate si esten-devano fino a contatto con il Portico di Ottavia e col Teatro di Marcello, presso il quale erano i carceres). È interessante fare il giro del palazzo. 

Dalla via di S. Maria de' Calderari si volta a destra nella via dell'Arco de' Cenci, cosid-detta dal voltone che si presenta di fronte (con arco ribassato, ornato con una ghiera di stucco finemente lavorata) e che immette nella piazza Cenci. L'arco fa parte di un palaz-zetto del Cinquecento, di gusto sangallesco (pian terreno e portale con bugne a cuscino, piano superiore con bugnatura piana e finestre architravate), che svolge le sue facciate lungo il vicolo de' Cenci (che si segue a destra e poi a sinistra) e si presenta, a sinistra, con la facciata principale, N. 56, del tardo Cinquecento, sulla piazza Cenci. Dall'alto e semplice portale si passa in un suggestivo cortiletto (serliana con colonne doriche che formano portico su due lati; loggiato d'ordine ionico al piano superiore). Sulla destra, l'altro imbocco dell'Arco dei Cenci e quindi, ad angolo retto, un lato del secolo XVII del palazzo (sull'asse della piazza, arcata d'ingresso con scala in vista e loggia in alto), che si segue per voltare subito a sinistra, nella via Monte Cenci, in salita, a svolte e sotto alte muraglie, e sboccare al sommo del Monte Cenci. È questa una raccolta piazzetta, dove, a sinistra, è la principale e più solenne facciata del palazzo (secolo XVI; con portale a bugnato a destra), che si alza formando torre e si collega ad angolo retto con altra facciata. Di fronte, la modesta cappella gentilizia di S. Tommaso, eretta nel secolo XII da un vescovo Cenci, riedificata nel 1559 da Cristoforo Cenci, compiuta e abbellita nel 1575 da Francesco Cenci per seppellirvi, secondo la tradizione popolare, i figli Giacomo e Beatrice, di cui tramava la morte. Furono invece questi ad ucciderlo: i parricidi furono decapitati, nella piazzetta prospiciente il Ponte S. Angelo, l'11 settembre 1599; a ogni anniversario, si celebra nella cappella una messa in suffragio.

Si prende la strada in discesa a sinistra della capella e si sbocca in via del Progresso, larga quanto una piazza e dove è una fontana con elegante tazza su vasca polilobata, di Giacomo Della Porta (1591). L’edificio che fa angolo retto rientrante, è il Palazzo Cenci Bolognetti (del secolo XVI, con grande e semplice portale; nell'interno, bella scala a chiocciola), seguendo il lato maggiore del quale si completa il giro, arrivando all'angolo di via di S. Maria de' Calderari.

(Guida d’Italia. Roma e dintorni. 7. ed. Milano: TCI 1977. S. 247f.)
 
 

Text 2
Die Cenci-Legende

[K]ein anderes Verbrechen [hat] in der Erinnerung der römischen Bevölkerung derart tiefe Spuren hinterlassen wie jene schreckliche Bluttat vor gut vierhundert Jahren, als Beatrice Cenci und ihre Brüder beschlossen, ihren Vater umzubringen.

Das alte Geschlecht der Cenci hatte in der Nähe des Gettos, in einem düsteren Palazzetto an der nach ihm benannten Piazza dei Cenci (Haus Nummer 56) seinen Wohnsitz. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts war auch dieses Adelsgeschlecht, wie so viele andere, gänzlich heruntergekommen. Das Haupt der Sippe, Cristoforo Cenci, fungierte damals als Generalschatzmeister der Apostolischen Kammer in Sankt Peter, eine Stellung, die er dazu benützte, um sich unrechtmäßig zu bereichern. Dem Tode nah und geplagt von seinem Gewissen verzichtete er 1562 auf seine Ämter und heiratete seine Mätresse Beatrice Arias. Der Sohn dieses Paares, der 1549 geborene Francesco, fiel schon früh auf wegen seines gewalttätigen Wesens. Als junger Mann zwei Mal wegen Bluttaten eingekerkert, erhielt er gegen Zahlung großer Geldsummen seine Freiheit wieder. 1572 wurde er wegen Misshandlung des Dienstpersonals für sechs Monate aus dem Kirchenstaat verbannt. Die zahlreichen Kinder, die Francesco Cenci aus einer frühzeitig eingegangenen Ehe hatte, erbten fast alle die Untugenden ihres gewalttätigen Vaters. Als Francesco 1593 nach dem Tod seiner ersten Frau mit einer gewissen Lucrezia Petroni eine neue Ehe einging, dachte er nicht im Entferntesten daran, sein ausschweifendes Leben zu ändern. Ein im darauf folgenden Jahr gegen ihn angestrengter Prozess wegen mit Sodomie verbundener Gewalttaten endete mit einem Loskauf von 100.000 Scudi.

Durch die Zahlung einer so gewaltigen Geldsumme gerät Francesco in finanzielle Schwierigkeiten, so dass er seinen kleinen Palazzo in Rom nicht mehr halten kann. Deshalb zieht er sich 1597 mit seiner Frau, seinem Sohn Bernardo und der 1577 geborenen Tochter Beatrice nach Rocca Petrella, auf ein abgewirtschaftetes an der Straße von Rieti nach Avezzano gelegenes Schloss zurück. Die anderen Söhne bleiben in Rom. Der älteste, Giacomo, hat gegen den Willen seines Vaters geheiratet, und ist deshalb von diesem enterbt worden. Worauf Giacomo prompt eine Urkunde von 13.000 Scudi fälscht - zum Schaden seines Vaters. Nicht weniger verkommen sind auch zwei andere Söhne; der eine fällt 1595 in einem Duell; der andere wird 1598 im Zusammenhang mit irgendwelchen Liebeshändeln in Trastevere ermordet.

Entsetzliche Zustände herrschen aber auch auf dem abgelegenen Felsenschloss in Petrella. Francesco Cenci wird immer mehr zum zügellosen Wüstling. Seine Familie und die wenigen Dienstboten behandelt der Familientyrann wie Gefangene. Im Herbst 1598 gelingt Bernardo mit Hilfe des Kastellans Olimpio Calvetti die Flucht. Francescos Wut ist unbeschreiblich. Und sie steigt noch, als er erfährt, dass seine inzwischen 21-jährige Tochter mit Calvetti ein Liebesverhältnis unterhält. Der Kastellan wird fortgejagt, Beatrice grausam misshandelt und wie ihre Stiefmutter streng bewacht. Trotzdem gelingt es Beatrice, sich auch weiterhin nicht nur mit ihrem Liebhaber, sondern auch mit ihren nach Rache dürstenden Brüdern Giacomo und Bernardo zu treffen. Bei einem dieser heimlichen Zusammenkünfte entsteht der Plan, den Vater umzubringen. Lucrezia Petroni, die Stiefmutter, stimmt dem Vorhaben zu. Am 9. September 1598 wird Francesco Cenci in eine Falle gelockt und von Calvetti und einem gedungenen Meuchelmörder erschlagen. Die Täter versuchen den Mord zu vertuschen, indem sie einen Fenstersturz vortäuschen. Doch die Behörden schöpfen Verdacht und machen allen Familienangehörigen den Prozess. Schon vor Beginn der Verhandlungen entbrennt weit über Rom hinaus eine heftige Auseinandersetzung über Schuld und Unschuld der Verdächtigten. Die gerichtliche Untersuchung erstreckt sich auf alle Tatbeteiligten. Die liebreizende Beatrice behauptet, ihr Vater hätte sich ihr mit inzestuösen Absichten genähert. Adel und Pöbel, Männer und Frauen, junge und Alte, alle sind sie ausnahmslos eingenommen von Beatrices Schönheit, von ihrem schwärmerisch-schwermütigen Blick, von ihren rotblonden Haaren und dem turbanartigen weißen Kopfputz (Guido Reni hat sie in diesem Aufzug in einem hinreißenden Gemälde verewigt); eine Beteiligung an der furchtbaren Tat traut ihr niemand zu.

Dennoch nehmen die Dinge nicht nur für ihre Stiefmutter und, die beiden Brüder, sondern für alle Angeklagten die schlimmstmögliche Wendung. Lucrezia verlegt sich zunächst aufs Leugnen, dann flüchtet sie sich in Schweigen. Giacomo wälzt alle Schuld auf die anderen ab. Beatrice gibt sich sarkastisch und bestreitet die Tat. Bernardo schließlich gesteht, wie der teuflische Plan ausgeheckt und ausgeführt wurde.

Sämtliche Angeklagten werden für schuldig befunden. Auf Mord steht die Todesstrafe. Gutachter gibt es keine. Diese Rolle übernahm damals die öffentliche Meinung. Und die spricht eindeutig zu Gunsten der Angeklagten. War Francesco Cenci vielleicht kein mostro, kein Ungeheuer?! War er kein stadtbekanntes Scheusal?! Hat er sich seinen Angehörigen gegenüber nicht wie eine Bestie verhalten?! Hat den unersättlichen Lüstling nicht endlich die gerechte Strafe ereilt? Soll er jetzt nach seinem Tod gar als Edelmann gelten?

Die letzte Entscheidung in dieser heiklen Sache liegt beim Papst. Klemens VIII. ist über den Lebenswandel des Ermordeten informiert. Er neigt dazu, Milde walten zu lassen - die Cencis haben die Tat wohl geplant, ausgeführt jedoch wurde sie vom Kastellan und einem anonym gebliebenen Meuchelmörder; beide haben sich der Gerechtigkeit durch Flucht entzogen.

Doch dann besinnt der Papst sich eines anderen. Denn unweit von Rom, in Subiaco, wo der heilige Benedikt vor fast 1200 Jahren seine fromme Ordensregel niederschrieb, hat ein gewisser Paolo Santa Croce seine Mutter umgebracht, weil diese ihm die Erbschaft verweigerte. Angesichts dieses neuen grausigen Mordes meint der Papst, ein Exempel statuieren zu müssen. Unter den gegebenen Umständen heißt das: Keine Gnade für die Cencis!

Ob die mit einem Todesurteil verbundene Konfiskation der Güter bei dieser Entscheidung eine Rolle gespielt hat, ist umstritten. Ludwig von Pastor bemerkt dazu nur, dass diese Maßnahme »im Einklang stand mit dem Strafgesetz jener Zeit«. Die Frage, ob die Zeit dafür reif war, ein solches Gesetz zu hinterfragen, stellt er nicht.

Lucrezia und Beatrice werden zum Tod durch das Schwert verurteilt. Giacomo soll mit Zangen gezwickt, mit einem Beil erschlagen und gevierteilt werden. Bernardo wird wegen seines jugendlichen Alters zu lebenslänglicher Galeerenstrafe begnadigt, mit der Auflage, der Vollstreckung der Todesurteile seiner Mutter und der Geschwister beizuwohnen.

Die Hinrichtung erfolgt am 11. September 1599 auf der Richtstätte bei der Engelsbrücke. Ganz Rom ist bei der Exekution anwesend. Wie Augenzeugen berichten, ging Beatrice Cenci gelassen in den Tod. Wie sie auf die Sympathiekundgebungen der Schaulustigen reagierte, ist nicht überliefert, wohl aber, dass sie eine Reihe frommer Vermächtnisse hinterließ.

In unmittelbarer Nähe des Cenci-Palastes steht die Kirche San Tommaso. Sie wurde im 12. Jahrhundert von einem Bischof aus dem Geschlecht der Cenci erbaut; in der Folge diente sie mehreren Angehörigen dieses Hauses als Begräbnisstätte. Eine der Grabstätten hatte Francesco für sich selber vorgesehen. Dort wurde sein Sohn und Mörder Giacomo beigesetzt. Die Leiche des Vaters hatte man in Rocca Petrella begraben. Beatrice fand ihrem Wunsch entsprechend in der auf dem Gianicolo gelegenen Kirche San Pietro in Montorio ihre letzte Ruhestätte. Inzwischen sind ihre sterblichen Überreste verschollen. Niemand weiß, wer sie weggeschafft hat. In der Kirche San Tommaso wird noch heute alljährlich am 11. September eine Seelenmesse für die unglückliche Cenci-Familie gelesen.

(Josef Imbach: Kirchenfürsten, Künstler, Kurtisanen. Rom - Geschichten aus einer Stadt. Düsseldorf: Patmos 2003. S. 41 - 45.)
 


 
 
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