Dr. Dirk Dähnhardt
Thomas Gransow
 

Prag und der Hradschin
 

2.5. Die Neustadt (Nové Mesto)
 

Geschichte


Die Prager Neustadt gründete Karl IV. im Jahre 1348, wobei er eine Reihe kleiner älterer Siedlungen mit romanischen Kirchlein in ihr Gebiet einbezog. Die Hauptursache für dieses großzügige städtebau- liche Vorhaben lag in der Übervölkerung Prags. Karl IV. wollte der sich ständig entfaltenden Stadt neuen Raum schaffen und bei dieser Gelegenheit verschiedene lärmende Gewerbe- und Handwerks- betriebe aus der Umgebung der neu gegründeten Universität hierher verlegen. Die Neustadt nahm eine Fläche von etwa 350 ha ein, so daß sie in ihrer Ausdehnung die gesamte Altstadt mit der Kleinseite und Hrad?any weit übertraf. Sie wurde um drei zentrale Plätze angelegt und entwickelte sich rasch zu einem regen Produktions- und Handelszentrum. In bezug auf politische Bedeutung kam die Neustadt freilich niemals der Altstadt gleich. Im Unterschied zur Kleinseite und zur Altstadt lebte hier vorwiegend die ärmere tschechische Bevölkerung. Das zeigte sich auch in ihrer radikalen Einstellung während der Epoche der revolutionären Hussitenbewegung, wo die Neustadt, in der die Revolution ausgebrochen war (Erster Prager Fenstersturz aus dem Neustädter Rathaus), im radikalen Flügel verharrte. Damals gingen auch mehrere unter Karl IV. gegründete Klöster unter.

Bis zum Jahre 1784 behauptete die Neustadt ihre Unabhängigkeit, dann wurde sie jedoch mit den übrigen Prager Städten zu einem Ganzen zusammengeschlossen. Vom 18. Jahrhundert an wurde die Neustadt fortschreitend zu einem Handels- bzw. Geschäftszentrum; im 19. Jahrhundert mußten viele der gotischen, Renaissance- und Barock-Baudenkmäler neuen öffentlichen Bauten und Geschäfts- häusern weichen. Im Vergleich zur Altstadt und zur Kleinseite ist in der Neustadt eine relativ geringe Zahl alter Baudenkmäler erhalten geblieben.
 


 
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