Thomas Gransow
Sibylle Witting
 

Paris und Versailles
 

La Colonne de la Grande Armée
(Siegessäule auf der Place Vendôme)



 
 

Text 1
Victor Hugo: A la Colonne

Plusieurs pétitionnaires demandent que la Chambre intervienne pour faire transporter les cendres de Napoléon sous la colonne de la place Vendôme. Après une courte délibération, la Chambre passe à l'ordre du jour. (Chambre des Députés. - Séance du 7 octobre 1830.)

Oh! quand il bâtissait, de sa main colossale,
Pour son trône, appuyé sur l'Europe vassale,
     Ce pilier souverain,
Ce bronze, devant qui tout n'est que poudre et sable, 
Sublime monument, deux fois impérissable,
     Fait de gloire et d'airain;

Quand il le bâtissait, pour qu'un jour dans la ville 
Ou la guerre étrangère ou la guerre civile 
     Ybrisassent leur char,
Et pour qu'il fit pâlir sur nos places publiques 
Les frêles héritiers de vos noms magnifiques,
     Alexandre et César!

C’était un beau spectacle! - Il parcourait la terre 
Avec ses vétérans, nation militaire
     Dont il savait les noms;
Les rois fuyaient; les rois n’étaient point de sa taille;
Et, vainqueur, il allait par les champs de bataille 
     Glanant tous leurs canons.

Et puis, il revenait avec la grande armée, 
Encombrant de butin sa France bien-aimée,
     Son Louvre de granit,
Et les Parisiens poussaient des cris de joie, 
Comme font les aiglons, alors qu'avec sa proie 
     L’aigle rentre à son nid!

Et lui, poussant du pied tout ce métal sonore, 
Il courait à la cuve où bouillonnait encore 
     Le monument promis.
Le moule en était fait d'une de ses pensées. 
Dans la fournaise ardente il jetait à brassées 
     Les canons ennemis!

Puis il s'en revenait gagner quelque bataille. 
Il dépouillait encore à travers la mitraille 
     Maints affûts dispersées;
Et, rapportant ce bronze à la Rome française, 
Il disait aux fondeurs penchés sur la fournaise:
     - En avez-vous assez?

C’était son oeuvre à lui! - Les feux du polygone, 
Et la bombe, et le sabre, et l'or de la dragonne 
     Furent ses premiers jeux.
Général, pour hochets il prit les Pyramides; 
Empereur, il voulut, dans ses voeux moins timides,
     Quelque chose de mieux.

Il fit cette colonne! - Avec sa main romaine 
Il tordit et mêla dans l’oeuvre surhumaine 
     Tout un siècle fameux,
Les Alpes se courbant sous sa marche tonnante,
Le Nil, le Rhin, le Tibre, Austerlitz rayonnante,
     Eylau froid et brumeux!

Car c'est lui qui, pareil à l'antique Encelade, 
Du trône universel essaya l'escalade,
     Qui vingt ans entassa,
Remuant terre et cieux avec une parole,
Wagram sur Marengo, Champaubert sur Arcole, 
     Pélion sur Ossa!

Oh! quand par un beau jour, sur la place Vendôme, 
Homme dont tout un peuple adorait le fantôme,
     Tu vins grave et serein,
Et que tu découvris ton oeuvre magnifique, 
Tranquille, et contenant d'un geste pacifique 
     Tes quatre aigles d'airain;

A cette heure où les tiens t'entouraient par cent mille; 
Où, comme se pressaient autour de Paul-Émile 
     Tous les petits romains,
Nous, enfants de six ans, rangés sur ton passage, 
Cherchant dans ton cortège un père au fier visage,
     Nous te battions des mains;

Oh! qui t’eût dit alors, à ce faîte sublime, 
Tandis que tu rêvais sur le trophée opime 
     Un avenir si beau,
Qu'un jour à cet affront il te faudrait descendre 
Que trois cents avocats oseraient à ta cendre 
     Chicaner ce tombeau!

(Victor Hugo: Oeuvres poétiques I. Paris: Gallimard 1954. S. 825ff. - Zit. n.: Mona Wodsak (Hrsg.): Poetischer Paris-Führer. 2. Aufl. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1996. S. 52 - 56.)
 
 

Text 2
Kommentar
Victor Hugos Gedicht "A la Colonne"

Das Gedicht stammt aus dem Frühwerk Hugos und ist von überschwenglicher Bewunderung Napoleons I. geprägt. Der Dichter nimmt dabei die Vendôme-Säule [...] als Ausgangspunkt, um das Andenken des Kaisers zu feiern. Die Entstehungsgeschichte der Säule wird beim Leser als bekannt vorausgesetzt: Nach der Dreikaiserschlacht von Austerlitz, in der Napoleon 1805 die Österreicher und Russen geschlagen hatte, ließ er (als Verehrer der Antike nach dem Vorbild der Trajanssäule in Rom) aus den rund 1200 erbeuteten Kanonen den Bronzemantel für eine 44 Meter hohe Säule gießen, die auf ihren Reliefs Szenen der Schlacht zeigt und zur Ehre der glorreichen französischen Armee und ihres Heerführers errichtet wurde (vgl. Strophen 1, 5-6, 8.). Gekrönt war sie ursprünglich von einer Statue Napoleons als Cäsar mit Toga und Lorbeerkranz. Nach seinem Sturz wurde sie zuerst durch eine Statue von Henri IV ersetzt, diese dann durch eine überdimensionale Lilie, das Emblem des bourbonischen Königshauses. Der 1830 an die Macht gekommene "Bürgerkönig" Louis-Philippe schmückte die Säule wieder mit einer Statue Bonapartes, diesmal als Korporal.

Die beiden letzten Verse der zweiten Strophe beziehen sich auf den russischen Zar Alexander I. ("Erbe" des Namens von Alexander dem Großen) und den deutschen Kaiser Franz II. (= Franz I. von Österreich; die Titel "Kaiser" und "Zar" entstanden aus lat. Caesar). Beidebezwang Napoleon in der schon erwähnten Schlacht bei Austerlitz, Alexander zwei Jahre später nochmals bei Preußisch-Eylau, als Franz I. von Österreich bereits die deutsche Kaiserkrone niedergelegt hatte. Auch dieser Sieg gehört zu den großen Erfolgen Napoleons (siehe Strophe 8, Vers 6) und führte zu beträchtlichen Gebietsabtretungen und Reparationszahlungen an Frankreich. Doch damit nicht genug: In schneller Abfolge werden im Gedicht eine Reihe weiterer Heldentaten Napoleons angeführt: Daß er "zum Spielzeug Pyramiden" nahm (Strophe 7, Vers 4), spielt an auf die Ägypten-Expedition (1798 - 1799) und seinen Sieg bei den Pyramiden von Gizeh. 1796 hatte er, seinen Soldaten voranstürmend, sie in Italien über die Brücke von Arcola zum Sieg geführt; in Wagram bei Wien besiegte Napoleon 1809 den österreichischen Erzherzog Karl, bei Marengo in Piemont 1800 ebenfalls die Österreicher, bei Champaubert 1814 die Russen und Preußen (vgl. zu alledem Strophe 9, Vers 5). Nach seinen Feldzügen kehrte der "Adler" (Napoleon wird hier mit dem mächtigen Wappenvogel gleichgesetzt, den seine Armeen als Feldzeichen führten) immer wieder zurück zum "Louvre" (Strophe 4, Vers 6 und 3), dem Palast der Herrscher Frankreichs. Napoleon hatte selbst zu dessen Ausgestaltung beitragen: Er ließ die Place du Carrousel vergrößern (die später unter Haussmann noch einmal umgestaltet wurde), den kleinen Triumphbogen errichten und den Bau der Nordgalerie beginnen. (Im Salon Carré des Louvre fand 1810 seine Trauung mit Marie Luise von Österreich statt, der Tochter von Franz I.)

Noch weiter überhöht wird die Gestalt Napoleons durch den Vergleich mit einem Giganten der griechischen Mythologie: Enkelados türmte Gebirge übereinander (unter anderem die gewaltigen griechischen Berge Pelion und Ossa), um den Götterhimmel des Weltenherrschers Zeus zu erstürmen (siehe Strophe 9, Vers 1 - 4, 6).

Hugo, der sich hier darüber empört, daß dem Andenken des großen Heerführers nicht genug Ehre angetan werde, durfte ein Jahrzehnt später Napoleons Rehabilitierung erleben: Seine sterblichen Überreste wurden 1840 nach Frankreich überführt und mit großem Pomp im Invalidendom beigesetzt. Die Vendôme-Säule wurde 1871 von den Kommunarden zertrümmert, nach der Restaurierung schmückte man sie wieder mit einer Nachbildung der ursprünglichen Statue Napoleons. 

(Mona Wodsak (Hrsg.): Poetischer Paris-Führer. 2. Aufl. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1996. S. 166 - 168.)
 
 

Text 3
Stichwort zur Kunstgeschichte: Siegessäule

Klassisches Vorbild für die Siegessäule ist die Trajanssäule in Rom. Die im Jahre 113 eingeweihte Säule wurde wahrscheinlich zunächst als Gedächtnis- und Weihdenkmal errichtet (auf einer Münze ist sie abgebildet mit einem Adler als oberem Abschluß). Sie besteht aus neunzehn Blöcken carrarischen Marmors von je 3,50 Meter Durchmesser und steht auf einem hohen Säulenfuß. Alle Seiten dieses Sockels sind mit einer prächtigen Dekoration geschmückt, die alle möglichen Waffenarten, hier und da verstreut und in scheinbarem Durcheinander übereinanderliegend, darstellt. Das sehr flache Relief und die außerordentliche Sorgfalt, mit der alle Gegenstände wiedergegeben sind, als ob sie auf den Marmor gestickt seien, lassen diese vier Paneele wie weite, um den großen Marmorwürfel drapierte Behänge erscheinen.

Auf der zum Forum gerichteten Fassade halten zwei Siegesgöttinnen eine beschriftete Tafel. Die Inschrift, über deren Deutung die Meinungen auseinander gehen, besagt, daß die Höhe der Säule die gleiche ist wie die des Hügelsattels, der an dieser Stelle den Quirinal mit dem kapitolinischen Hügel verband (100 Fuß, d. h. 29,78 Meter, einschließlich Basis und Kapitell; 39,86 m, wenn man die Höhe des Säulenfußes und den Träger der Statue mitrechnet).

Wie in den Fasti Ostiensi berichtet wird, weihte Trajan dieses Denkmal am 12. Mai des Jahres 113 ein; wahrscheinlich war zu diesem Zeitpunkt die ganze Reliefdekoration, die nach Aufrichtung der Säule vervollständigt wurde, beendet. Der Säulenschaft mit seinem spiralförmig nach oben ansteigendem Reliefband (vgl. Parthenon-Fries)  schildert nicht nur das historische Geschehen der Eroberung Dakiens, sondern zeigt auch den von Trajan geführten Kampf, durch den er das Recht auf Vergöttlichung erwarb - einen Kampf, in dessen Verlauf er seinen Mut, sein strategisches Geschick, aber auch für einen Herrscher sittliche Qualitäten bewies: Frömmigkeit gegenüber den Göttern, Gerechtigkeit und Wohlwollen gegenüber den Bürgern und Soldaten, Milde gegenüber den Besiegten. Die Hauptthemen des langen Bilderfrieses wurden ebenso sehr und mehr noch ihres Wertes als Beispiel denn ihres historischen Interesses wegen ausgewählt.

Die auf der Spitze aufgestellte Bronzestatue des Kaisers erscheint auf einer Münze des VI. trajanischen Konsulats: Gepanzert, mit dem Mantel, der, nach hinten über die Schulter fallend, um den mit heroischer Geste vorgestreckten rechten Arm gewickelt ist. Eine Wendeltreppe im Innern, die man aus den großen Marmortrommeln herausgehauen hatte, machte den Zugang zur Spitze der Säule möglich. Beim Tode Trajans wurde die Säule sein Totendenkmal: Das Innere des Säulenfußes wurde zur Grabkammer umgestaltet, um die goldene Urne mit der Asche des Kaisers aufzunehmen.

Nachdem sowohl die Urne wie die Statue verschwunden waren, blieb die Säule ohne ihre Krönung bis zum Jahre 1587, als Papst Sixtus V. auf ihrer Spitze die Bronzestatue des Apostelfürsten Petrus aufstellen ließ.

(Text zusammengestellt nach Bruno Bizzi: Das Modell von Rom und die Trajanssäule. Rom: Editrice Campo Marzo 1988. [S. 10.] und Henri Sterlin (Hrsg.): Architektur der Welt. Bd. 3: Gilbert Picard: Imperium Romanum. Berlin: Taschen o. J. S. 181f. Abb. in: Leonard von Matt, Franco Barelli: Rom. Kunst und Kultur der ,Ewigen Stadt’ in mehr als 1.000 Bildern. 5. Aufl. Köln: DuMont 1985. S. 76.)


 
 
Text 4
Geschichte der Aufstellung

As first consul, then as emperor, Napoleon envisioned Paris as the new Rome, surpassing the imperial splendour of antiquity. Architectural monuments proclaiming the martial power of the Empire accented vistas opened by the new urban plan. The triumphal arches, the columns, and even the elephant fountain at the Bastille, all subordinated sculpture to the architectonic grandeur of the ensemble. [...]

Napoleon was unquestionably sincere in his stance, but the corrupting influence of unlimited power eroded the austerity of the soldier-cum-emperor, and he was gradually persuaded to permit his own effigy to cap the column on the Place Vendôme. The original intention, formulated by Lucien Bonaparte in 1800, dedicated a column for the Department of the Seine to the soldiers slain for the homeland. But, in the spring of 1803, the first consul modified the focus, foreshadowing his own aspirations. "He decided that a column should be made on the model of the Trajan Column ... and that its shaft should be embellished with one hundred and eight figures of the departments, in a spiral reaching, up to offer a crown to Charlemagne, and that this monument should be in cast iron." The statue of Charlemagne came from the tomb at Aix-la-Chapelle. The analogy between the Carolingian emperor and the Corsican consul escaped no one.

The victory at Austerlitz in 1805 prompted yet another switch in plans. Austrian cannons captured on the battlefield would provide sufficient bronze, much nobler than iron, to erect a monument to the Grand Army. With ambiguous magnanimity, the new emperor sent the statue of Charlemagne back to Aix, perhaps deliberately creating a void on the column? Whatever his ulterior motives, he conceded shortly after, on 25 September 1806, and authorized Antoine Chaudet to execute a bronze Napoleon for the column's summit. The sculptor equated the emperor with Caesar, draped à l’antique and holding a winged Victory. The Empire assimilated the neo-classical movement into its own style. References to antiquity gave visual continuity to the ideals of the Revolution while associating Napoleon with the imperial Tradition. Moreover, the sculptural vocabulary of classicism suited the architectural prototypes of the New Rome - better Caesar than Charlemagne. Meanwhile the emperor wavered, refusing to allow the statue to be displayed until he made up his mind. Finally on 15 August 1810, the Column of the Grand Army, complete with his effigy, was inaugurated to mark Napoleon's forty-first birthday.

On the return from the Russian campaign, he had confided to General de Caulaincourt: "I do not want idols, not even statues out-of-doors .... It is to my great discontent, that Denon, without consulting me, had mine placed on the Vendôme Column. It is most probable that I will modify this Arrangement, even though the amount of publicity that it has already received might make the change inconvenient .... If I fail in my ventures, it is preferable that there should not be any [statues] exposed to the criticism of the world. I do not want homages of flattery, and, like Louis XIV, a statue exposed to public derision."

(June Hargrove: The Statues of Paris. Antwerpen: Mercatorfonds 1989. S. 43f.)
 
 

Text 5
Die Geschichte der Vendômesäule

1699   Aufstellung des Reiterstandbildes Louis’ XIV von François Girardon auf der Place Louis-le-Grand

1792   10. August: Im Namen der Freiheit ersetzen die Pariser das Reiterstandbild durch eine Freiheitsstatue mit phrygischer Mütze 

1810   15. August: Einweihung der Vendômesäule an Napoleons 41. Geburtstag
1814   18. April: Abnahme der Statue Napoleons und Hissen des Lilien-Banners der Bourbonen
1833   28. Juli: Aufstellung einer neuen Statue Napoleons in Uniform von Emile Seurre auf der Spitze der Vendômesäule 
1863   9. November (18. Brumaire!): Austausch der Statue Napoleons von Seurre gegen eine Kopie der Statue von Antoine Chaudet aus dem Jahre 1810, die Napoleon wieder als römischen Imperator zeigt
1871   16. Mai: Sturz der Vendômesäule als "Symbol brutaler Gewalt und falschem Ruhm"
1875   27. Dezember: Wiederaufrichtung der Säule mit der Statue Chaudets
(Zusammengestellt nach: June Hargrove: The Statues of Paris. Antwerpen: Mercatorfonds 1989.)

 
 
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