Thomas Gransow
Sibylle Witting
 

Paris und Versailles
 

Passage des Panoramas



 
 
 

Text 1
Die Passage

   Eine durchaus profane und keineswegs nobilitierte Bauaufgabe waren im 19. Jahrhundert die Handelsbauten. Damit sind nicht jene gemeint, in denen sich das Handelskapital repräsentierte wie in Börsen oder Handelskammern, sondern die, in denen die Warenzirkulation tatsächlich erfolgte. Man könnte in diesem Zusammenhang die Geschichte der Einzelhandelsläden oder etwa die des Schaufensters erörtern, wichtiger ist für Paris jedoch die Herausbildung von zwei neuartigen Bautypen, die sich über ganz Europa verbreiten sollten: die Passage und das moderne Warenhaus.

   Während das schon seit vielen Jahren angekündigte Passagenfragment von Walter Benjamin immer noch nicht erschienen ist, liegt das von Johann Friedrich Geist verfaßte Passagenbuch nun schon in einer dritten erweiterten Auflage vor. In diesem Werk wird der Gegenstand definiert, typologisch geordnet und in seinen baugeschichtlichen und allgemein kulturhistorischen Aspekten gründlich abgehandelt. Geist hat mehrere Faktoren benannt, die zur Entstehung und frühen Verbreitung des Bautyps gerade in Paris geführt haben. Die Straßen in ihrem veralteten Zustand und mit ihrem regen Verkehr machten es für den Fußgänger immer gefährlicher, in ihnen zu verkehren, da sie bis auf wenige Ausnahmen keine Trottoirs hatten, ein Zustand, der seit Jahrhunderten beklagt worden ist. Mit der [...] in Frankreich ruckartigen Herausbildung der neuen demokratischen Öffentlichkeit in den letzten Jahren des Ancien Régime entstand zugleich ein Bedarf an öffentlichem, störungsfreiem Raum. Gleichzeitig bedurfte die durch die liberalistische Gesetzgebung geförderte Luxusindustrie eines Ortes, wo ihre Waren angeboten werden konnten - und die Straßen boten sich wegen der genannten Verkehrsverhältnisse dazu kaum an. Es kam hinzu, daß durch die Enteignung des innerstädtischen Besitzes von Adel und Klerus gerade im Inneren der neuen Blockbebauung Möglichkeiten für derart lukrative Nutzungen gegeben waren. 

   Den Prototyp der Passagen stellen die von 1786 bis 1788 erbauten „Galeries de Bois“ im Palais Royal dar, die 1828 abgerissen und durch die Kolonnade ersetzt wurden, die bis heute besteht. In einem für Fußgänger reservierten Bereich lagen sie im Zentrum des damaligen öffentlichen Lebens. In den vom Duc d'Orléans vermieteten Räumlichkeiten, in den angrenzenden Läden, Spielsalons, Lokalen für politische Geheimclubs und Bordellen trafen sich Angehörige aller Schichten, und man hat hier zu Recht das Zentrum der französischen Revolution gesehen. Die durch Oberlicht erhellte Passage bot also einen Raum zum ungestörten Beschreiten, wobei man die Auslagen der in den „Seitenschiffen“ untergebrachten Geschäfte begutachten konnte. Mochte es im Palais Royal noch recht ungestüm zugegangen sein, so wird mit der geradezu inflationären Entwicklung des Bautyps die Passage zum bevorzugten Aufenthaltsort des Flaneurs, der, von dem „ennui“ als dem „mal du siècle“ geplagt, hier seine ungefährdete Zerstreuung sucht, wobei er - und diesen Typ gab es nach Benjamin - als Ausdruck seines Widerstandes gegen die Hektik der Stadt eine Schildkröte spazieren führt. [...]

   Der Typus der Prachtpassage, wie er uns heute noch in der „Galleria Vittorio Emanuele“ in Mailand oder der römischen „Galleria Colonna“ entgegentritt, die aus der zweiten Jahrhunderthälfte stammen, war in Gestalt der „Galerie d'Orléans“, die anstelle der „Galeries de Bois“ noch unter der Restauration in den Jahren 1828 bis 1830 entstand und die erst 1935 abgerissen wurde, ebenfalls vorgegeben. Schon hier war die Passage zu einem Ort des exklusiven „window-shopping“ für die gehobenen Schichten geworden [...]. Urbane Kommunikation findet nicht mehr statt: der Freiraum bleibt leer, und die vereinzelten zahlungskräftigen Konsumenten beschränken sich auf das Studium der Auslagen. Die Passage als Handelsort verkümmerte, indem sie obsolet oder exklusiv wurde, und erst in den letzten Jahren hat sie als Umschlagplatz wieder an Bedeutung gewonnen, weil sie den sich individualisierenden Bedürfnissen der Konsumenten so wie ein Flohmarkt entgegenkommt. Es wäre zu fragen, wie dieser Bautyp für zukünftige kommunikativ-urbane Planungskonzepte revitalisiert werden kann.

(Dieter Kimpel: Paris. Führer durch die Stadtbaugeschichte. München: Hirmer 1982. S. 346 - 349.)
 
 

Text 2
Passage des Panoramas (1820)

   Lassen Sie uns einen Blick auf die entzückenden Strohhüte von Madame Lapostole werfen, und einen langen Blick, mit den ebenso entzückenden Personen wechseln, die sie verkaufen.

   Der Laden von Herrn Basin, Goldschmied, bietet nichts Besonderes, wir gehen deshalb schnell weiter, zu Mère de Famille, zu Madame Mineur, danach zu einem Handschuhmacher, daran schließt sich das Magasin des Mamelucken an, und daran die berühmte Chaumière Allemande, wo man gleichzeitig Modes und Parfums verkauft. Danach gelangt man an den düsteren Durchgang, der zum „Théâtre des Varietés“ führt, und streift im Vorbeigehen den bescheidenen Laden eines Lorgnettenhändlers an der Ecke. Nun stehen wir vor dem prächtigen Geschäft von Marquis, wo die Schokolade sämtliche Metamorphosen erfährt. Verweilen wir einen Augenblick, um die köstlichen Düfte von Kaffee und Trüffeln zu inhalieren, die dem interessanten Delikatessengeschäft an der Ecke der Panoramas entströmen...
 

 

Abb. 1 : Anonym : Le Passage des Panoramas (1810). Paris, Musée Carnavalet

   Nach Marquis kommen noch ein Schneider, ein Wäschegeschäft und dann ein Tapetenhändler. Beim letzteren können wir die herrlichsten Vorhänge und Kaminschirme bewundern, auf denen entweder historische Sujets oder die Waffentaten unserer tapferen Krieger abgebildet sind. (Seit dem Frieden und der Entdeckung der Lithographie träumt man in Paris nur noch von Sieg und Lorbeeren. Man tröstet sich mit den Fiktionen des Verlustes der Realität.)

   Lassen sie uns nun einen Blick auf die Filiale der Kaffeemaschinen Morize werfen. Eine herrliche Erfindung, dank der man den köstlichen Mokka bereiten kann, ohne daß er sein Aroma verliert. Wir überlassen das daneben liegende Estaminet den Rauchern und machen eine kurze Pause bei dem Musikverleger Frère. 

   Suchen Sie Liebe, Triebe, Amours, Troubadours, hier gibt es sie in Massen. Jetzt ge-langen wir an das „Petit Théâtre“ des Monsieur Comte.

   Was laufen hier für lärmende Rangen umher? Still, das sind die Künstler! Der „Père noble“ beißt eben in einen Apfel, das kleine Mädchen dort ist die „grande coquette“, und der würdige Finanzmagnat reicht ihr ein Stück Kuchen. [...]

   Wie kommt es nur, daß die alten Quinquet-Lampen an dieser Stelle den herrlich leuchtenden Gaskandelabern noch nicht den Platz geräumt haben? Nun steigt einem der Duft des Kakaos aus den Laboratorien der Firma Marquis in die Nase. Jetzt können wir die entzückenden, aber ein wenig teuren Sonnenschirme seines Nachbarn bewundern. Daneben ein Schmuckgeschäft, das unsere Aufmerksamkeit einen Augenblick fesselt. Daneben liegt noch ein Wäschegeschäft in Öl. Interessanter sind schon die Auslagen des Alabasterhändlers. Und daneben ist die Konditorei Félix. wo wir eine kleine Pause machen wollen... 

(Montigny: Le Provincial à Paris (1820). Zit. n.: Wolfgang Lauter: Passagen. Neuausga-be. Dortmund: Harenberg 1996. S. 106f.)
 
 

Text 3
Passage des Panoramas (1825)

Nous voici ensuite sur le boulevard Montmartre où le passage des Panoramas est un centre de vie mondaine. Qui en énumérera les charmes, qui décrira les mille fantaisies de ses boutiques offertes à l'incurable flânerie parisienne? Susse, le papetier à la mode, y voisine avec la confiserie A la duchesse de Courlande; „le beau magasin de thés, tenu par Marquis, où le chocolat subit tant de métamorphoses“, est proche d'un marchand de papiers peints; à côté d'un estaminet, Grères exhibe de langoureuses romances ou les partitions à succès de l’Opéra, des Italiens et de l’opéra-comique. Tout ce qui se rattache à la toilette est également représenté dans ce passager où les enfants non plus ne sont pas oubliés, car il s'y trouve pour eux des jouets et le théâtre de M. Comte. Une autre notabilité de cet endroit est le pâtissier Félix: „Aller chez Félix est du meilleur ton“; nos élégants, avant de courir au Bois, vont y prendre un verre de madère... Anglais et Anglaises envahissent aussi son petit salon. Mais les panoramas qui avaient servi à baptiser ce passage ont disparu en 1831, parce qu'ils n’étaient plus de mode. Ce boulevard se rattache au centre de la vie capitaliste qu'est la Bourse, par la rue Vivienne, alors à l’apogée de sa gloire et que sillonnent les équipages en même temps qu'une foule d'acheteurs assiège ses brillante magasins. L’Hôtel des Princes, vers l’extrémité septentrionale de la tue de Richelieu, reçoit les riches étrangers. Sur ce bou-levard nous sommes à la limite de la vie mondaine.“ 

(Marcel Poëte: Une vie de cité, Paris, de sa naissance à nos jours. Paris 1925. Zit. n.: Jean-Claude Delorme, AnneMarie Dubois: Passages couverts parisiens. Paris: Pari-gramme 1996. S. 113f.)) 
 
 

Text 4
Passage des Panoramas

Depuis le description enchanteresse de Marcel Poëte, l’activité du passage des Panoramas n'a pas faibli. Cette vogue durable s'explique par le fait qu'il cumule plusieurs avantages, que beaucoup de passages n'ont pas su conserver. Sa situation, d'abord, à proximité des boulevards. Moins brillante aujourd'hui que sous la Restauration, ceux-ci sont arpentés en semaine par les milliers d’employés du quartier et restent très fréquentés le week-end par les promeneurs et les dîneurs. Ensuite, comme c’était déjà le cas lors de la création du passager plusieurs théâtres proposent toujours leurs spectacles dans les environs immédiats. Enfin, le prolongement, de l'autre côté du boulevard Montmartre par le passage Jouffroy, qui héberge le musée Grévin, en fait une déambulation abritée et un raccourci intéressant.

   Les Panoramas sont aujourd'hui constitués de six galeries. En plus du passage proprement dit, les autres branches, dessinées par Jean-Louis Grisart, datent de 1834, c’est-à-dire après le prolongement de la rue Vivienne jusqu'au boulevard et le complet lotissement de l'ancien hôtel Rivié: il s'agit des galeries des Variétés et Saint-Marc, encore décorées de miroirs trompeurs sur leurs véritables dimensions, mais guère commerçantes, des galeries Montmartre, Feydeau et de la Bourse, qui sont plus des tronçons de raccordement aux rues adjacentes que des lieux d'animation. L’ensemble forme un rectangle d'habitation en coeur d’îlot, et à la faveur d'une porte entrouverte, on peut découvrir les escaliers sombres et étroits qui desservent les Appartements des étages.
Le passage des Panoramas, pour sa portion originelle, est l'un des premiers passages couverts parisiens: le promeneur sentira d'ailleurs la différence d’échelle en gagnant Jouffroy. Il fut ouvert en 1799 entre deux rotondes où James Thayer projetait des pano-ramas, un spectacle alors très en vogue.

Le passage fut bâti sur l'emplacement du jardin de l’hôtel de Montmorency. Le financier Thomas Rivié avait commandé à l'architecte Lassurance un hôtel, qu'il revendit en 1723 au maréchal Charles-Francois de Montmorency. Un vaste jardin avec un pavillon chinois dominait le boulevard Montmartre.

Devenu bien national à la Révolution, l’hôtel fut acquis en partie par William Thayer, armateur américain que le gouvernement français venait d'indemniser après la perte de ses navires en 1798. Thayer, associé à Robert Fulton, importa de Londres la nouvelle attraction qu’était le panorama, inventé par John Barker en 1792. Il fit monter une première rotonde dans le jardin de l’hôtel en 1799. Il fallut bientôt ouvrir une seconde salle pour faire face au flot de visiteurs, comparable à celui qui, plus tard, remplirait les salles de cinéma. C'est pour faciliter l’accès à ces salles que Thayer ouvrit un passage, bordé de luxueuses boutiques, à travers l'ancien hôtel de Montmorency ; il reliait la tue Saint-Marc au boulevard Montmartre et la porte monumentale de l’hôtel lui servit d’entrée. Il adopta le nom des Deux Panoramas, dont la vogue ne se démentit pas jus-qu'en 1831. Les rotondes furent alors démolies sans que le passage perde ni ses dispositions d'origine ni ses attraits. C'est dans le passage des Panoramas que se fit en 1817 le premier essai de l’éclairage au gaz, inventé par Lebon.

   Chaque boutique communique avec une pièce en étage percée d'une fenêtre rectangulaire garnie de refends. Certaines boutiques ont gardé leurs boiseries et des éléments de pavage devant leur seuil, surtout entre le boulevard et la galerie des Variétés. [...]

   Le passage des Panoramas a su garder une ambiance agréable, en partie grâce à cer-taines jolies boutiques: au no. 47, à l'angle de la galerie des Variétés, le graveur alsa-cien Stern fournit, depuis le début du XIXe siècle, des cartes de Visite, présentées dans un décor de tentures de cuir et de boiseries chaleureuses.

Au no. 17 de la galerie des Variétés s'ouvre l’entrée des artistes du „Théâtre des Variétées“ ; plus loin, au no. 57 du passage proprement dit, le salon de thé „L'Arbre à Cannelle“ a remplacé la boutique du chocolatier Marquis, dont subsistent le plafond à caissons et quelques éléments décoratifs, comme les colonnes en bois de l’entrée ou les miroirs. On trouve aussi dans la Galerie de nombreux philatélistes. Et en fin de soirée, pourquoi ne pas aller écouter les „chansons de la francophonie“ au Croquenote (no. 22).

(Jean-Claude Delorme, Anne-Marie Dubois: Passages couverts parisiens. Paris: Parigramme 1996. S. 114 - 118.)
 
 

Text 5
Passage Choiseul (1832/42)

Von den Nichtstuern vor allem bevorzugt ist der „Passage des Panoramas“ neben dem „Théâtre des Variétées“. Zu jeder Stunde des Tages kann man versichert sein, daß hier reger Andrang herrscht [...] Auch in dem „Passage Choiseul“ versammeln sich zahlreiche Flaneure, die sich hier einfinden, um die schönen Frauen an sich vorüberziehen zu lassen; man vermag zwar nicht anzugeben, aus welchen mysteriösen Zufällen heraus sich hier mehr davon als anderswo aufhalten, aber ich kenne jemanden, der nur deshalb hier für gewöhnlich anzutreffen ist. Hierhin verlegt er seine Verabredungen, hier frühstückt er und nimmt auch im Café de Choiseul sein Abendessen ein, hier entwirft er die Artikel für seine Zeitung, raucht er seine Zigarren und hier wartet er auch auf die schönen Frauen am Ausgang der „Opéra italien“. Da Eitelkeit und Gefallsucht aus allem ihre Nahrung ziehen, finden viele der weiblichen Habitués dieses Theaters ein besonderes Vergnügen daran, diese Passage zu durchqueren, nachdem sie ihren Kutschern zuvor Anweisung gegeben haben, sie entweder in der Rue de Petits-Champs oder in der Rue Choiseul zu erwarten. Auch lieben sie es, sich dem aus Flaneuren zusammengesetzten Publikum dieser Passage in Aufmachungen zu zeigen, die ausdrücklich für diese Promenade angefertigt wurden, in einen Plaid oder einen kurzen, phantastischen Umhang gehüllt oder mit einem Halstuch, das pittoresk um den Kopf geschlungen ist und das funkelnde Brillanten schmücken. Was die Dandys anlangt, mit ihren dunklen Anzügen, ihren weißen Krawatten und dem Paletot über einer Schulter, so glauben diese nichts Anmutigeres tun zu können, als nach Verlassen der Vorstellung in der „Opéra italien“ sich in dem „Passage Choiseul“ eine Zigarre zu kaufen und sich so in ihrer Salonklei-dung dem Zeitvertreib eines Pferdeknechtes hinzugeben.

(Charles de Forster: Quinze ans à Paris (1832 - 1842). Zit. n.: Johannes Willms: Paris. Hauptstadt Europas 1789 - 1914. München 1988. S. 228.)
 


Abb. 2: 
Modell der Galerie d’Orléans (1829)

Abb. 2: Modell der Galerie d’Orléans (1829). 
In: Jean-Claude Delorme, Anne-Marie Dubois: Passages couverts parisiens. Paris: Pari-gramme 1996. S. 53.
 
 

Text 6
Galérie Orléans (1840)

Wendest du dich aus dem Hofe mehr nach Süden und dem Haupteingang und eigentlichen Palaste zu, dann trittst du in die neue, blendende Galerie Orléans. Sie bildet die vierte Seite des großen Rechtecks und schneidet einen kleinen, gepflasterten, ebenfalls von Kaufläden umgebenen Hof von dem eben beschriebenen größeren ab. Sie ist die glänzendste von allen Galerien, festlich von Gas erleuchtet, von einem gläsernen Dache überwölbt; Marmor ist ihr Fußboden, Säulenhallen schließen die Aussicht nach ihren beiden Enden; hinter Kristallscheiben prangen die Waren des Kaufmanns, der hier einige Fuß breit Raum mit Tausenden jährlich bezahlt; überall Bronze, Spiegel, messingene Leisten und goldene Buchstaben; kein fashionabler Salon kann reinlicher, zierlicher und lichtreicher sein. Überhaupt sind diese Galerien Paris eigentümlich. Jede von ihnen ist ein Ansatz zu einem Palais Royal, Organisationsversuche, die erst durch das Palais Royal vollständig verwirklicht wurden. Paris, die Stadt der Geselligkeit und als solche von dichtgedrängter Bauart, bahnte sich Verbindungswege mitten durch Hausmassen und Höfe, deckte sie mit Glas, häufte Waren und Läden und alle Lebensgenüsse darin auf, erhellte sie zauberisch, und jede dieser Galerien ward ein Ganzes, eine Welt. Auch die Galerien haben jede ihr Kaffeehaus, ihre Speisewirte, Friseure, Zuckerbäcker, ja ihre Theater. Dort ist der Mensch nahe und immer näher an den Menschen gerückt, der Austausch ist augenblicklich und ununterbrochen, die Gewerbe vollständig versammelt, begrüßen sich als engverbundene Nachbarn. Jede Galerie ist ein Gesellschaftssaal, sie ist ein echtes Kind der sozialen Stadt, der Stadt sympathetischer Humanität. Die berühmtesten Galerien oder Passagen sind, wenn ich keine auslasse: Colbert, des Panoramas, de l'Opéra, Viso-Dodat, Vendôme, Choiseul, Vivienne, du Saumon, Orléans. Im ganzen mag sich ihre Zahl auf ungefähr zweihundert belaufen.

(Victor Hehn: Reisebilder aus Italien und Frankreich. Stuttgart: Cotta 1906. S. 373f.)
 
 

Text 7
Galéries de Bois

So schien von zwei Seiten eine übelriechende, abstoßende Borde die empfindlichen Leute vom Besuch der Galerien abzuhalten; aber die empfindlichen Leute Schreckten vor diesen scheußlichen Dingen ebenso wenig zurück wie in den Märchen die Prinzen vor den Drachen und den Hindernissen der bösen Fee. Durch die Galerien führte wie heute ein Durchgang, und wie heute begannen sie mit Säulenhalbbogen, die vor der Revolution begonnen und dann aus Geldmangel nicht weitergeführt worden waren. Die schöne steinerne Galerie, die zum Théâtre Français führt, bildete damals einen engen Durchgang von übermäßiger Höhe, der so schlecht bedeckt war, daß es oft hereinregnete. Sie hieß im Unterschied zu den hölzernen Galerien die gläserne Galerie. Diese Dächer waren überall in so schlechtem Zustand, daß das Haus Orléans in einen Prozeß mit einem berühmten Kaschmirhändler verwickelt wurde, dem eines Nachts ein großer Posten Ware verregnete. Der Kaufmann gewann den Prozeß. Bisweilen spannte man einfach zwei geteerte Leinwanddecken aus. Der Boden der gläsernen Galerie, wo Chevet den Grundstock zu seinem Vermögen legte, und der der hölzernen Galerie war der natürliche Boden von Paris, vermehrt um den Schmutz, den die Stiefel und Schuhe der Passanten herbeitrugen. Fortwährend stieß man auf Täler und Gebirge von verhärtetem Kot, den die Kaufleute unermüdlich zusammenfegten; man mußte an diese Art der Fortbewegung gewöhnt sein...

Zwanzig Jahre lang behauptete sich gegenüber, im Erdgeschoß des Palais, die Börse. Alles wurde hier gemacht, die öffentliche Meinung, der Ruf, politische und finanzielle Geschäfte.  Man gab sich vor und nach der Börse Stelldichein in den Galerien. Das Paris der Bankiers und Kaufleute füllte oft den Hof des Palais Royal und flutete, wenn es regnete, in die Galerien hinein, deren Akustik bewirkte, daß jedes Gelächter widerhallte, und daß man an dem einen Ende sofort wußte, worüber am anderen gestritten wurde.

Es gab hier Buchhändler, Dichtung, Politik und Prosa, Modemagazine und schließlich Freudenmädchen, die nur am Abend kamen. Es war das Paradies der Nachrichten und der Bücher, des jungen und des alten Ruhmes, der Verschwörungen der Tribüne und der Lügen der Buchhändler. Hier wurden die Neuerscheinungen dem Publikum verkauft, das sich darauf versteifte, sie nur hier zu kaufen. Hier sind an einem einzigen Abend mehrere tausend Exemplare irgendeiner der Schmähschriften Paul Louis Couriers oder jener „Abenteuer einer Königstochter“ abgesetzt worden, mit denen das Haus Orléans den Kampf gegen die Verfassung Ludwigs XVIII. begann...

Die Läden der Modistinnen waren mit unbeschreiblichen Hüten gefüllt, die weniger zum Verkauf als zur Schau auszuliegen schienen, hingen sie doch alle zu Hunderten an eisernen, oben wie Pilze geformten Spießen, waren mit ihren tausend Farben der Flaggenschmuck der Galerie. Zwanzig Jahre lang haben alle Spaziergänger sich gefragt, auf welchen Köpfen diese staubigen Hüte wohl ihre Tage beschlossen.

Arbeiterinnen, die im allgemeinen häßlich, aber ausgelassen waren, ahmten in den Rufen, die sie den Frauen nachriefen, die Sprache der Hallen nach. Eine Grisette, deren Zunge ebenso ungebunden wie ihre Augen angreiferisch waren, saß auf einem Schemel und bot den Damen einen hübschen Hut, den Herren irgend etwas nach Wahl an. Zu dem reichen und malerischen Wortschatz kamen noch die Modulationen, die Blicke und die Bemerkungen über die Vorübergehenden...

Die Pariser Bevölkerung fand sich gegen drei Uhr, zur Börsenstunde, ein. Dann begannen die jungen Leute, die nach Literatur hungrig waren und kein Geld besaßen, ihre kostenlose Lektüre. Die Angestellten, deren Aufgabe es war, die ausgestellten Güter zu bewachen, duldeten diese Sitte. Wenn es sich um einen Band von 200 Seiten handelte, wie etwa Smarra, Peter Schlemihl, Johann Sbogar oder Jocko, dann war er in zwei Sitzungen verschlungen. Damals gab es keine Lesekabinette, wenn man ein Buch lesen wollte, mußte man es kaufen; daher wurden auch Romane zu jener Zeit in einer Höhe abgesetzt, die heute märchenhaft erschiene. Man kann also in jenem, den wißbegierigen und armen jungen Menschen gemachten Almosen einen französischen Zug sehen. Mit Anbruch der Nacht erreichte die Anziehungskraft des Bazars ihren Höhepunkt. Aus allen anliegenden Gassen strömte eine Unmenge von Dirnen zusammen, die sich hier frei bewegen durften. Aus allen Teilen von Paris eilten die Freudenmädchen in das Palais. Die steinernen Galerien gehörten bevorzugten Häusern, die dank besonderer Abgabe das Recht hatten, zwischen so und soviel Säulengängen und davor im Garten Geschöpfe auszustellen, die wie Prinzessinnen gekleidet waren. Die hölzernen Galerien hingegen waren der Prostitution überwiesen, und das Palais bedeutete damals den Tempel des käuflichen Gewerbes schlechthin. Jede Frau konnte das Palais ungehindert mit ihrer Beute verlassen; daher traf sich abends in den hölzernen Galerien eine so beträchtliche Menge, daß man wie bei einer Prozession oder beim Maskenball im Schritt gehen mußte. Es störte niemand und ermöglichte die Prüfung. Die Frauen kleideten sich auf eine Weise, die nicht mehr existiert, sie waren bis zur Mitte des Rückens und auch auf der Brust sehr tief ausgeschnitten. Ihre seltsamen Frisuren, mit denen sie die Blicke auf sich zu lenken versuchten - die eine kam als Spanierin, die andere mit Locken wie ein Pudel, die dritte mit glatten Bändern - die Beine in den engen weißen Strümpfen und den irgendwie immer sichtbaren Waden, diese ganze anrüchige Poesie ist verloren gegangen. Der Freimut, mit dem gefragt und geantwortet wurde, der herkömmliche Zynismus, der mit dem Ort in Einklang stand, findet sich weder auf dem Maskenball der Oper noch auf den heute so berühmten Bällen wieder. Es war abscheulich und es war fröhlich. Das Fleisch der Schultern und der Brüste stach aus dem Dunkel der menschlichen Kleidung hervor und bewirkte den prachtvollsten Gegensatz...

(Honoré de Balzac: Verlorene Illusionen. Zürich: Diogenes 1977.  S. 252 - 256.)
 
 

Text 8
Eine Passage

Am Ende der Rue Guénégaud stößt man, wenn man von den Quais kommt, auf die Passage du Pont-Neuf, eine Art engen, dunklen Korridors, der von der Rue Mazarine nach der Rue de Seine führt. jene Passage ist dreißig Schritt lang und höchstens zwei Schritt breit; sie ist mit gelblichen, abgetretenen, aus dem Kitt geratenen Fliesen gepflastert, die stets eine bitter riechende Flüssigkeit ausschwitzen; das Glasdach mit den rechtwinklig geschnittenen Scheiben, das sie bedeckt, ist schwarz von Schmutz.

Wenn an schönen Sommertagen drückende Sonnenhitze auf die Straßen niederbrennt, fällt eine weißliche Helle durch die dreckigen Glasscheiben und schleppt sich elend die Passage entlang. An garstigen Wintertagen, an nebligen Morgen werfen die Scheiben nur Dunkelheit auf die glitschigen Fliesen, eine schmierige, gemeine Dunkelheit.

Zur Linken höhlen sich obskure, niedrige, baufällige Läden und dünsten kalten Kellerhauch aus. Dort hausen Buchtrödler, Spielzeugverkäufer, Schachtelmacher, deren staubgraue Auslagen verschwommen im Dunkel dämmern; die aus kleinen Quadraten bestehenden Schaufenster sprenkeln die Waren auf seltsame Weise mit grünlichen Reflexen; innen, hinter den Auslagen, bilden die von Finsternissen erfüllten Ladenräume unheimliche Löcher, in denen sich absonderliche Gestalten bewegen.

Zur Rechten erstreckt sich in der ganzen Länge der Passage eine Mauer, an die die Händler von gegenüber flache Schränke gestellt haben; namenlose Gegenstände, seit zwanzig Jahren dort vergessene Waren stehen auf schmalen, mit einer gräßlichen brau-nen Farbe getünchten Brettern zur Schau. In einem jener Schränke hat sich eine Höke-rin mit falschem Schmuck niedergelassen; sie verkauft dort Ringe zu fünfzehn Sous; sie sind mit zarter Hand auf ein blaues Samtbett gelegt worden, am Boden eines Mahagonikästchens.

Über den Glasscheiben steigt, schwarz und plump beworfen, wie mit Aussatz behaftet und ganz und gar von Rissen durchfurcht, die Mauer an.

Die Passage du Pont-Neuf ist keine Stätte für Spaziergänge. Man betritt sie, um einen Umweg zu vermeiden, um ein paar Minuten zu gewinnen. Sie wird von abgehetzten Leuten durchschritten, deren einzige Sorge es ist, schnell geradeaus weiterzukommen. Man sieht dort Lehrlinge mit Arbeitsschürzen, Heimarbeiterinnen, die das von ihnen Gefertigte austragen, Männer und Frauen mit Paketen unter den Armen; man sieht dort auch uralte Männer, die sich durch das freudlose Dämmerlicht schleppen, das durch das Glasdach fällt, und Scharen kleiner Kinder, die nach Schulschluss hier durchlaufen, um mit ihren klappernden Holzschuhen auf den Fliesen Lärm zu machen. Den ganzen Tag über herrscht ein trockenes, eiliges Geräusch von Schritten, die auf dem Stein mit aufreizender Unregelmäßigkeit hallen; keiner spricht, keiner bleibt stehen; jeder läuft seiner Beschäftigung nach, mit gesenktem Kopf hastig einherschreitend, ohne den Läden einen einzigen, flüchtigen Blick zu gönnen. Mit beunruhigter Miene schauen die Händler die Vorübergehenden an, die durch ein Wunder vor ihren Auslagen stehen bleiben.

Abends erhellen drei in schwere, viereckige Laternen geschlossene Gasflammen die Passage. Sie hängen vom Glasdach nieder, auf das sie Flecken fahlrötlicher Helle werfen, und lassen rings um sich her bleiche Lichtkreise fallen, die schwanken und dann und wann zu verschwinden scheinen. Die Passage nimmt das unheimliche Aussehen einer wahren Mördergrube an; große Schatten erstrecken sich über die Fliesen, feuchte Dünste kommen von der Straße her; man könnte von einem unterirdischen Gang sprechen, der unbestimmt von drei Trauerlampen erhellt wird. Die Händler begnügen sich mit den dürftigen Strahlen, die die Gasflammen in ihre Schaufenster schicken, als einziger Beleuchtung; ihre Läden beleuchten sie lediglich mit einer Schirmlampe, die sie auf eine Ecke ihres Ladentischs stellen, und dann können die Vorübergehenden erkennen, was sich hinten in jenen Löchern befindet, in denen tagsüber die Nacht wohnt. In der schwärzlichen Zeile der Schaufenster erstrahlen die Scheiben eines Schachtelmachers: zwei Schieferöllampen durchlöchern mit gelben Flammen das Dunkel. Und auf der andern Seite steht eine Kerze mitten in einer Glaskugel und wirft Lichtsterne in den Kasten mit den falschen Schmuckstücken. Die Händlerin, die Hände unter ihrem Schal verborgen, döst hinten in ihrem Schauschrank.

Vor einigen Jahren befand sich jener Händlerin gegenüber ein Laden, dessen flaschen-grünes Holzwerk aus sämtlichen Fugen Feuchtigkeit schwitzte. Das aus einem schmalen, langen Brett bestehende Ladenschild trug in schwarzen Buchstaben das Wort: Kurzwarenhandel, und auf einer der Türscheiben war in roten Lettern ein Frauenname zu lesen: Therese Raquin. Rechts und links davon sprangen tiefe, mit blauem Papier ausgeschlagene Schaufenster zurück.

Tagsüber konnte der Blick in einem sanften Halbdunkel nur die Auslage wahrnehmen.

Auf der einen Seite lag ein bißchen Wäsche: gefältelte Tüllhauben zu zwei oder drei Francs das Stück, Überärmel und Musselinkragen; ferner Strickwaren, Strümpfe, Socken und Hosenträger. jeder dieser Gegenstände war zerknittert und verschossen und hing kläglich an einem Eisendrahthaken. Auf diese Weise war das Schaufenster von oben bis unten mit weißlichem Gelump angefüllt, das im Dämmerdunkel einen unheimlichen Anblick bot. Die neuen Hauben bildeten mit ihrem glänzenden Weiß grelle Flecke auf dem blauen Papier, mit dem die Bretter verziert waren. Und die an einer Stange aufgehangenen bunten Socken fahle verschwommene setzten dunkle Farbtöne in die fa Vergilbtheit des Musselins.

Auf der anderen Seite staffelten sich in einem schmaleren Schaufenster dicke grüne Wollknäuel auf, schwarze, auf weißen Karton genähte Knöpfe; Schachteln in allen Farben und allen Größen, Haarnetze mit Stahlperlen waren über bläuliche Papierwülste gebreitet, Bündel von Stricknadeln, Stickmuster, Rollen Seidenband, eine Anhäufung glanzloser, verblichener Dinge, die an jener Stätte sicherlich schon seit fünf oder sechs Jahren schliefen. Alle Farben waren in diesem Schaukasten, in dem Staub und Feuchtigkeit moderten, zu einem schmutzigen Grau geworden.

Wenn im Sommer gegen Mittag die Sonne mit wilden Strahlen die Plätze und Straßen verbrannte, konnte man hinter den Hauben des anderen Schaufensters das blasse, ernste Profil einer jungen Frau wahrnehmen. Dieses Profil tauchte verschwommen aus dem Dunkel auf, das im Laden herrschte. An die niedrige, harte Stirn heftete sich eine lange, schmale, spitze Nase; die Lippen waren zwei dünne blaßrosa Striche, und das kurze, kräftige Kinn hing mit dem Hals durch eine geschmeidige, füllige Linie zusammen. Der Körper, der sich im Dunkel verlor, war nicht zu sehen; einzig das Profil erschien; es war von einer matten, durch ein schwarzes, weit offenes Auge durchbrochenen Weiße und wirkte wie erdrückt von dichtem, dunklem Haar. Stundenlang war es unbeweglich und still zwischen zwei Hauben zu sehen, auf denen die feuchten Stangen Roststreifen hinterlassen hatten.

Abends, wenn die Lampe angezündet war, sah man das Ladeninnere. Es war breiter als tief; am einen Ende befand sich ein kleiner Ladentisch; am anderen führte eine Wendeltreppe nach den Räumen im ersten Stock. An den Wänden standen Schaukästen, Schränke und Reihen grüner Kartons; vier Stühle und ein Tisch vervollständigten das Mobiliar. Der Raum wirkte nackt und eisig; die verpackten, in allen Winkeln zusammengezwängten Waren lagen nirgendwo mit dem fröhlichen Lärm der Farben umher.

Für gewöhnlich saßen zwei Frauen hinter dem Ladentisch, die junge mit dem ernsten Profil und eine alte Dame, die im Schlummer lächelte. Die letztere war etwa sechzig Jahre alt; ihr fettes, gelassenes Gesicht schimmerte weiß im Schein der Lampe. Auf einer Ecke des Ladentischs hockte ein dicker, getigerter Kater und sah ihrem Schlaf zu.

Weiter hinten saß auf einem Stuhl ein etwa dreißigjähriger Mann; er las oder sprach halblaut mit der jungen Frau. Er war klein, schmächtig und von schlaffer Haltung; mit seinem fad?blonden Haar, seinem spärlichen Bart und seinem mit Sommersprossen bedeckten Gesicht ähnelte er einem kranken, verhätschelten Kind.

Kurz vor zehn Uhr wachte die alte Dame auf. Der Laden wurde geschlossen, und die ganze Familie ging nach oben und legte sich schlafen. Der getigerte Kater folgte schnur-rend seinen Herren und rieb an jeder Stange des Treppengeländers den Kopf.
Oben die Wohnung bestand aus drei Räumen. Die Treppe führte in ein Eßzimmer, das gleichzeitig als Wohnzimmer diente. Links stand in einer Nische ein Kachelofen; ihm gegenüber erhob sich eine Anrichte; dann reihten sich an den Wänden entlang Stühle; ein runder Tisch ohne Decke nahm die Zimmermitte ein. Im Hintergrund, hinter einer verglasten Trennwand, befand sich eine dunkle Küche. An jeder Seite des Eßzimmers lag ein Schlafzimmer.

Nachdem die alte Dame Sohn und Schwiegertochter auf die Wangen geküßt hatte, zog sie sich in ihr Zimmer zurück. Der Kater schlief auf einem Küchenstuhl ein. Die Eheleute betraten ihr Schlafzimmer. Dieses hatte noch eine zweite Tür; sie ging auf eine Treppe hinaus, die durch einen dunklen, engen Gang zur Passage führte.

Der Ehemann, der stets im Fieber zitterte, legte sich zu Bett; währenddessen machte die junge Frau das Fenster auf und ließ die Jalousien herunter. Sie verweilte dort ein paar Minuten angesichts der großen, schwarzen, ungeschickt verputzten Mauer, die hoch aufragt und sich oberhalb der Passage erstreckt. Sie ließ über jene Mauer einen vagen Blick gleiten, und dann legte sie sich stumm, mit verächtlicher Gleichgültigkeit, ebenfalls zu Bett.

(Émile Zola: Thérèse Raquin. Stuttgart: Reclam 1988. S. 11 - 16.)


 
Zurück zu: Paris - Inhaltsverzeichnis