Thomas Gransow
Sibylle Witting
 

Paris und Versailles
 

L'Arc de Triomphe du Carrousel



 
 
 

Text 1
L’Arc de Triomphe du Carrousel

Seit dem Brand des Tuilerien-Palastes von 187I steht der Arc de Triomphe du Carrousel ein wenig verloren in der enormen Weite der Gärten des Louvre und der Tuilerien. Andererseits gestattet uns grade diese Situation eine Annäherung, die jede Einzelheit sichtbar macht.

Nachdem er sich zum Kaiser hatte krönen lassen, träumte Napoleon von einem monumentalen Paris, das die Erfolge seiner Armeen und Eroberungen widerspiegele. Natürlich wiesen ihn seine Architekten Percier und Fontaine auf einen Weg, der ihrer Vorliebe entsprach: leidenschaftlich für die Antike eingenommen, zögerten sie nicht, dem Kaiser die Geburt eines neuen Rom an den Ufern der Seine zu suggerieren. Bereits sie erkannten, daß die alten, damals noch existierenden Häuser zwischen Louvre und Tuilerien hätten verschwinden müssen. Sie verursachten Störungen im architektonischen Linienspiel der Palastanlagen. Eine unpopuläre Maßnahme! Konnte man indessen nicht auf der Rückseite des Tuilerien-Palastes, wo der Kaiser die Parade seiner Garden abnahm, einen Triumphbogen, würdig seiner Waffentaten und Siege, errichten? Wohlverstanden orientierten sie sich am Vorbild des Roms der Kaiserzeit! Fontaine wurde beauftragt, an Ort und Stelle die Möglichkeit zur Errichtung eines Siegesbogens nach Art jenes der Septimius Severus zu prüfen. Er fand keinen besseren Platz.

Bei Napoleon schleppte sich nichts lange hin. Ein Monat war kaum verflossen, als der Architekt ihm seine Pläne vorlegte. Ende des Jahres defilierte die Garde, von Friedland heimkehrend, unter seiner Wölbung einher. Es stellte das erste Siegeszeichen Napoleons dar. Der Mittelbogen wurde flankiert von zwei weiteren, niedereren und schmaleren. Acht Säulen aus rosenfarbenem Marmor stammten vom Schloß Meudon. Das Figurenwerk war keineswegs, wie üblich, nackt oder mit antikem Faltenwurf drapiert dargestellt: Wir befinden uns im Bannkreis soldatischer Anschauungen! Über den Säulen hat man Statuen, Sinnbilder der heroischen Armee aufgestellt, Pioniere, Kürassiere und andere Waffengattungen. Der Reliefschmuck folgt genau dem Detail der militärischen Ausrüstung, übrigens der Formgebung nach denn doch nicht allzu weit entfernt von den Falten und Drapierungen der Damen in antiker Gewandung.

Aber welch ein unerwarteter Blickfang! Das Monument bekrönte nichts anderes als die berühmte Pferde-Quadriga von San Marco in Venedig im Original! In einem triumphalen Geleitzug hatte man sie neben anderer Kriegsbeute nach Frankreich geschafft. Pferdegespanne - lebendige natürlich - zogen einen mit den Sinnbildern von Krieg und Frieden begleiteten Wagen, hoch überragt von einer Napoleonsfigur im Mantel des Imperators. Der Kaiser jedoch, der soeben erfuhr, daß er einen schweren Krieg in Spanien zu führen hatte, sandte eine erzürnte Botschaft: "Ich will, daß der Wagen, wenn man darin nichts besseres zu transportieren hat, leer bleibt."

Nach 1815 ließen die Österreicher wie die anderen Sieger die Kriegsbeute an ihre Herkunftsländer zurückgeben. Die Pferde nahmen wieder ihren Platz über der Vorhalle von San Marco ein.

(Bernard Champigneule: Paris - ein Führer. 2. Aufl. München: Prestel 1982. S. 55 - 58.)
 
 

Text 2
Triumphbogen

Der Triumphbogen ist eine Denkmalsform aus der römischen Antike, die sich über das Mittelalter, die Renaissance, das Barock bis ins 19. und 20. Jahrhundert nachgestaltet und abgeändert erhalten hat. In der Neuzeit zum wichtigen Typus von Staatsdenkmälern geworden, taucht der Triumphbogen häufig auch in Verbindung mit Reiterstandbildern oder Siegessäulen auf. Im republikanischen Rom entstanden, gehörte er in der Kaiserzeit zu der Form von Staatsmonumenten, die dem Imperator, meist nach einem siegreich geführten Feldzug gesetzt wurden. In feierlichem Einzug fuhr der Triumphator im Kostüm des Jupiter in einem vierspännigen Wagen, der Quadriga, in die Stadt ein. Das Bauwerk selbst besteht aus einem ein- oder dreibogigen Unterbau, gebildet aus Pfeiler und Halbtonne und der Attika darüber, die als Bekrönung Statuen, ein Quadriga oder auch ein Reiterstandbild trägt. Als „klassischer Typ“ des Triumphbogens kann auch der abgebildete Trajansbogen gelten, mit Halbsäulen neben dem Durchgang, Dreiviertelsäulen an den Ecken auf gemeinsamem Sockel, verbunden durch die dazwischen gesetzten Relieffelder. Neben der Darstellung des Triumphzuges am umlaufenden Bogenfries zieren die Bogenzwickel Flußgötter und Viktorien. Der Schlußstein der Archivolte trägt das Bildnis des Kaisers Trajan. Die übrigen Szenen illustrieren Wirken und Taten Trajans in Rom und den Provinzen. Meist gehören noch Waffenreliefs und Trophäen sowie Soldaten und Gefangene zu den Triumphalzeichen. In der Neuzeit wurden die Triumphbogen oder auch die ihnen zu Staatsfeierlichkeiten nachgebildeten sog. Ehrenpforten zu den Konzentrationspunkten politischer Festivitäten, so daß sie gewissermaßen den Rang nationaler „Weihestätten“. [...] Der Triumphbogen ist in der Neuzeit zum Inbegriff des Siegesdenkmals schlechthin geworden, zum Denkmal der Verherrlichung von Stärke und Überlegenheit eines Staates oder einer Nation. 

(Elisabeth Moortgat: Schinkels Triumphbogen. In: Jochen Boberg (Hrsg.): Schinkel II. Sonderheft des Museumspädagogischen Dienstes Berlin. Berlin o. J. S. 2 - 5.)
 
 

Abb. 1
Trajansbogen


(Elisabeth Moortgat: Schinkels Triumphbogen. In: Jochen Boberg (Hrsg.): Schinkel II. Sonderheft des Museumspädagogischen Dienstes Berlin. Berlin o. J. S. 3.)


 
 
 
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