Thomas Gransow
Wolf-Ulrich Malm 
 

Der Golf von Neapel
 

Problemskizze und Themen

„Vedi Napoli e poi muori“, lautet ein eine bekannte italienische Redensart, die auf jenes „Faszinosum von bildhaftem Symbolcharakter“ (so definiert die Brockhaus Enzyklopädie „moderne Mythen“) verweist, zu dem die Stadt Neapel und ihre Bewohner, der Vesuv, Capri und Sorrent in der Vergangenheit verklärt worden sind. Der Entstehung, Struktur und Funktion dieser Mythen soll im folgenden nachgegangen werden. Christoph Henning hat sich mit den Mythen des Tourismus auseinandergesetzt, seine Ausführungen verdeutlichen das Problem. 

 

Problemskizze
Christoph Henning
Die Mythen des Tourismus

Jede Kultur hat ihre imaginäre Geographie. Seit jeher berichten Märchen und Mythen von geheimnisvollen Wäldern, magischen Quellen, göttlichen Bergen, verderbenbringenden Schluchten. Der Olymp, die Inseln der Seligen, die elysäischen Gefilde, der Hades, die Hölle wurden als Orte der physischen Welt vorgestellt. Nur konnte man sie nicht bereisen. Nicht alle Orte waren jederzeit erreichbar.

Das hat sich geändert. Heute ist fast die gesamte Erdoberfläche zugänglich. Für Phantasiebereiche scheint kein Platz mehr zu sein. Der Olymp läßt sich besteigen, und man kann durch Augenschein feststellen, daß kein Gott  dort wohnt. Jenseits der Säulen des Herkules erstreckt sich der Atlantik, und wenn man lange genug weiterfährt, kommt man nach Amerika. Die Räume der Imagination scheinen verloren, die Welt entzaubert.

Dennoch existiert auch in der Moderne eine symbolische Geographie - eine Weltvorstellung, die von Projektionen, Wünschen und Phantasien geprägt ist und in der sich intensive Emotionen mit den Bildern geographischer Orte verbinden. Auf unseren mentalen Landkarten tummeln sich edle Wilde, blühen irdische Paradiese, strahlen Orte der Erlösung, wirken Plätze der Liebe, der Freiheit, des Todes. Wir nehmen die räumliche Welt nicht nur mit dem rationalen Blick wahr, sondern auch durch die Filter der Sehnsüchte, Ängste und Träume.

Die symbolische Geographie gehört zu den sozial geprägten Wahrnehmungsformen - zu den "Codes", mit denen wir die Welt interpretieren. Sie schlägt sich in allen Bereichen nieder, in denen kollektive Phantasien eine Rolle spielen: in der Werbung, im Film, in der Kunst, im Tourismus. Sie bringt einige der wichtigsten modernen Mythen zum Ausdruck. Es sind "Mythen des Nichtalltäglichen": Die imaginäre Geographie hat es nicht mit dem Vertrauten zu tun, sondern sie ist in einem fernen, unbestimmten Irgendwo angesiedelt.

Der Mythos von der unberührbaren Natur

Marlboro- und Müsli-Werbung, Reisezeitschriften und Dia-Shows, Spielfilme wie "Sieben Jahre in Tibet" und Dokumentarstreifen leben gleichermaßen von dem vielleicht einflußreichsten geographischen Mythos der Neuzeit: dem Mythos der unberührten Natur. Ob nun der Wilde Westen dargestellt wird oder die Sahara, der Himalaya oder die Provence, immer erscheinen weite, kaum besiedelte Landschaften, aus denen die Zeichen der technischen Zivilisation konsequent verbannt sind. Die Helden setzen sich - zu Pferde, zu Fuß oder auf schwankenden Booten - unmittelbar den Natur- kräften aus; allenfalls stehen ihnen urige Fortbewegungsmittel aus der Frühzeit der Technik zur Verfügung. Intakte Natur - so lautet die Botschaft - ist die Quelle des richtigen Lebens. Wenn die Sonne auf der nackten Haut brennt und der Wind durch die Haare streicht, finden Menschen zu sich selbst und ihren ureigensten Anlagen. Natur schafft Gesundheit, Energie und Selbstverwirklichung. Sie reinigt vom Dreck der Zivilisation.

Erscheint die Toskana auf den Hochglanzphotos von Reiseführern und -zeitschriften, so ziehen Schafherden durch grüne Wiesen, schimmern Olivenbäume silbern im Gegenlicht, stehen einsame Zypressen als stumme Wächter des Landes. Da ist kein Lastwagen unterwegs, da kommt kein Mähdrescher oder Traktor ins Bild. Auf rund achthundert Photos von acht gängigen Toskana-Führern (vom "APA Guide" über Polyglott zu DuMonts "Richtig Reisen") findet sich kein einziges Baugerüst, keine Fabrik, kein Wohnblock, kaum ein Neubau, kein Hochspannungsmast, kein Reklameschild. In allen Büchern zusammen werden Autos auf weniger als zehn Bildern sichtbar. Die einzige mit technischen Hilfsmitteln durchgeführte Arbeit ist der offenbar als "charakteristisch" empfundene Marmorabbau.

Nicht anders sieht es bei den meisten anderen Reiseregionen aus. Die Provence wird konsequent durch Lavendelfelder repräsentiert, Marokko durch Wüsten- und Berglandschaften. Der polnische Kunsthistoriker Jacek Wozniakowski hat das zugrundeliegende Prinzip, das so alt ist wie der moderne europäische Naturmythos, in seiner Analyse der pittoresken Sichtweise des 18. Jahrhunderts beschrieben: "In Landschaften höchsten Ranges soll es weder eine Spur des Menschen noch eine seiner Wirtschaft geben, es sei denn in Form von Ruinen." Heutige Reiseführer halten sich an diese Regel - nur für Schäfer, Fischer und Winzer machen sie davon Ausnahmen.
 
 

Der Mythos vom edlen Wilden

Menschen können und sollen in der touristischen Perspektive durchaus erscheinen, wenn sie im Zustand vorzivilisatorischer Unschuld verharren. Hier schlägt sich ein zweiter Mythos nieder, die Vorstellung vom edlen Wilden. Sie verband sich ursprünglich mit Südseeinsulanern und Bewohnern anderer exotischer Gegenden. Schon vor zweihundert Jahren fanden die ersten Alpentouristen aber auch bei Schweizer Bergbewohnern die sympathischen Züge unverdorbener Naturmenschen: Einfachheit und Bedürfnislosigkeit, Spontaneität und Lebensfreude, Vitalität und zwanglose Geselligkeit.

Ganz in dieser Tradition heißt es noch 1956 in einem Buch über Österreich: "Der Vorarlberger Bauer führt ein einfaches, glückliches Leben. Feste, Hochzeiten, Festtagsfeiern und der Genuß, sich mit den Nachbarn bei Gesang und Tanz zusammenzufinden, das sind die Freuden, welche die Monotonie der langen Stunden auf dem Felde unterbrechen."

Betrachtet man die Illustrationen heutiger touristischer Publikationen, so lächeln einem noch immer die fröhlichen Gesichter solcher schlichten und zufriedenen Menschen entgegen. Einheimische werden gern in Trachten und Kostümen dargestellt, das Feiern volkstümlicher Feste scheint eine ihrer Hauptbeschäftigungen. Der wettergegerbte, lebensfrohe Winzer oder Fischer gehört in jede Südeuropa-Reportage als zeitgenössischer Vertreter der naturverbundenen, seelisch ausgeglichenen Wilden, die unberührt blieben von Zivilisationsneurosen. Wenn in Reiseprospekten und -büchern berufliche Tätigkeiten gezeigt werden, so sind es fast ausnahmslos vorindustrielle Arbeiten: Neben den allgegenwärtigen Fischern und Fischhändlern erscheinen Marktverkäufer, Priester, Schäfer, Töpfer. Auf sämtlichen Photos der Provence-Ausgaben von Marco Polo, Polyglott, "Merian live!", des ADAC sowie des DuMont-Reisetaschenbuchs sieht man nur folgende Berufe: je zwei Fischverkäufer und Fischer, je einen Maler, Straßenmusikanten, Trüffelsucher, Winzer, Schäfer und Schneider.

Nun wäre es falsch, solche Wahrnehmungsmuster auf die angebliche Beschränktheit von Reisebuchverlagen zurückzuführen. Es handelt sich vielmehr um allgemein verbreitete Modelle mit einem gleichsam objektiven Gehalt: eben dem gesellschaftlich wirksamen Mythos des edlen Wilden, des einfachen, kommunikativen, spontanen Menschen außerhalb der modernen Zivilisation. Diese Bilder finden sich nicht nur in Reisebüchern, sondern auch in den Katalogen der Veranstalter, auf den Dias der Touristen, vor allem aber in den Wahrnehmungsformen und im Bewußtsein der Reisenden selbst. Der Kontakt mit dem griechischen Fischer oder dem nepalesischen Bauern bildet den immer wieder berichteten Höhepunkt vieler Reisen. Vor der naiven Stilisierung der Fremden als einfach, herzlich und spontan schützt kein politisches Bewußtsein und kein intellektueller Anspruch. "Ich hab' noch nie vorher so direkte und so offene und so herzliche und gleichzeitig so kluge Menschen auf einem Haufen erlebt wie in Kuba", schwärmt Jutta Ditfurth in einem Rundfunkinterview über ihre Reiseerlebnisse. Walter Jens läßt in der gleichen Serie den Liebling aller Reisephotographen auftreten: "Ich hab' doch so viel Spaß an der Ausdrucksweise: ‚Pesce, pesce, pesce!‘, wenn der Fischhändler da seine Fische verkauft." Die Rocksängerin Jule Neigel traf die edlen Wilden in Indonesien: "Man begreift, daß zwar dieses Elend sehr groß ist, also dieses materielle Elend, aber eben der seelische Reichtum es ein bißchen ausgleicht, was kein Ersatz ist, aber als Europäer sieht man einfach da Menschen mit einer Herzlichkeit, die man hier heutzutage nicht vergleichen kann."

Solche Wahrnehmungen knüpfen an die romantische Tradition des Reisens an, über die der Historiker Alain Corbin schreibt: "Der Reisende träumt davon, ins Alltagsleben der kleinen Fischer einzudringen. [...] Die neue Suche zielt auf ein Eintauchen in die Frische, die Unschuld, die Kraft, den strotzenden Lebenssaft dieser urtümlichen Menschen."
 
 

Der Mythos vom Paradies

Unberührte Natur und unverdorbene Einheimische haben eines gemein: Sie stehen in einem gleichsam unschuldigen Urzustand. Dieser Urzustand aber ist das Paradies. Einst bedurfte es eines tugendhaften Lebens und mancher Jahre im Fegefeuer, um dorthin zu gelangen. Heute geht's schneller: "Die Wege ins Paradies, fundierte Reisebegleiter und eine Fülle an Geheimtips finden Sie in unserer Reisebuchabteilung", verspricht eine süddeutsche Buchladenkette in ihrem Reiseführerprospekt. Mit der Paradiesvorstellung operiert die gesamte Reisebranche. Längst wird jede beliebige Destination in dieser Form vermarktet, bis hin zu den "tropischen Badeparadiesen" der Freizeitparks.

Doch der Paradiesmythos stellt sehr viel mehr dar als einen bloßen Werbetrick. Im Unterschied zu den Vorstellungen der unberührten Natur und des edlen Wilden ist er zudem kein spezifisch moderner Mythos. Religionswissenschaftler wie Mircea Eliade gestehen ihm universelle Geltung zu. Der Philosoph Helmut Pleßner schreibt, der Traum vom Paradies sei anthropologisch in der "offenen Antriebsstruktur" der Menschen fundiert. Paradiessuche steht am Anfang des modernen Reisens, sie trieb Entdecker und Kolonisatoren seit den Zeiten des Kolumbus.

Die inflationäre Paradies-Vermehrung, die wir gegenwärtig erleben, ist historisch nichts Neues. Schon im 18. Jahrhundert suchten Reisende den Garten Eden in Japan wie im Orient, in Amerika und Afrika - und selbstverständlich in der Südsee, dem Inbegriff des real existierenden Paradieses. Die Sehnsucht nach einer Welt, in der das Leiden und die Last des Daseins aufgehoben sind, bildet gewiß eines der zentralen Motive des gegenwärtigen Tourismus. Anders als in früheren Gesellschaften repräsentiert aber heute der Garten Eden nicht primär materielle Sorglosigkeit, sondern vielmehr die Abwesenheit sozialer Zwänge. Eben den Zustand außerhalb der Zivilisation, den wir auf malerische Fischerdörfer und einsame Palmenstrände projizieren.
 
 

Der Mythos der Authentizität

Religiöse Motive zeigen sich auch in der touristischen Kunstbetrachtung. Vordergründig geht es beim Besichtigen von Kunst um rein ästhetische Erfahrungen. Doch auch hier kommt ein Mythos ins Spiel: der Mythos des Authentischen. Obwohl selbst Fachleute oft gute Kopien kaum von Originalen unterscheiden können, klafft in der touristischen Wertschätzung ein Abgrund zwischen dem "Echten" und der bloßen Nachbildung. Ehrfürchtig verharren die Besucher vor einem originalen Rembrandt oder Raffael; ändert sich irgendwann die Zuschreibung - wird das Gemälde beispielsweise als Werkstattarbeit bestimmt -, so scheint dasselbe Bild keiner Betrachtung mehr wert.

Wesentlich ist dabei zudem eher der physische Kontakt mit dem authentischen Werk als seine intensive Wahrnehmung. Besucher der Uffizien halten sich durchschnittlich sechzig Minuten in dem florentinischen Museum auf - gewiß zuwenig für ein ästhetisches Verständnis, aber genug für einen magischen Berührungskontakt. Wie religiöse Pilger suchen Kunstreisende die physische Nähe des verehrten Objekts, wie Pilger tragen sie Souvenirs nach Hause, welche die Erinnerung an den "heiligen" Ort bewahren. An die Stelle des Kultbilds ist das autonome Kunstwerk getreten, an Stelle der Reliquien und Heiligengräber stehen die Sehenswürdigkeiten und Lebensstätten der großen Meister. Nicht anders läßt sich auch das merkwürdige Phänomen erklären, daß Geburts- und Aufenthaltsorte, ja sogar die Sterbehäuser und Gräber der berühmten Künstler zu Touristenattraktionen erster Ordnung wurden.

Aber auch am entgegengesetzten Pol touristischer Erfahrung - in synthetischen Urlaubswelten, in denen Authentizität keine Rolle zu spielen scheint und angeblich nur "künstliche" Erlebnisse produziert werden finden sich Elemente des Mythos. In einer brillanten Analyse hat der amerikanische Anthropologe Alexander Moore gezeigt, wie Disney World in Florida nordamerikanische Mythen inszeniert: den Kult der Gründerväter, die Idee der amerikanischen Kleinstadt, den Triumph der Technologie. Die räumliche Anordnung (beispielsweise in der Abfolge der verschiedenen Zugänge und der Ausrichtung auf ein Zentrum) und die symbolische Orientierung weisen Parallelen mit traditionellen Pilgerzentren auf, zugleich wiederholen sie die Idealform der barocken Residenz; nur heißt der Monarch hier Mickey Mouse.

"Die Touristen", schreibt der italienische Schriftsteller Gianni Celati, "haben ein eigenes Glaubenssystem entwickelt, eine sehr komplexe Mythologie." Touristen reisen in der physischen Welt, zugleich aber bewegen sie sich in imaginären Räumen voller symbolischer Bedeutungen. Gemessen an rationalen Maßstäben, sind ihre Wahrnehmungen oft grotesk verzerrt. Im touristischen Blick ist Venedig die Stadt der Vergänglichkeit und der Liebe und die Provence eine Region des sinnlichen Lebensgenusses und der Kunst. Der nüchternen Analyse halten solche Bilder gewiß nicht stand. Doch das ist nicht unbedingt ein Mangel. Aus dem fast unerschöpflichen Bildervorrat der imaginären Geogra- phie lebt ja auch die Kunst. Der Regisseur Jim Jarmusch hat in einem Interview das "Reisen auf der Landkarte der Imagination" als Quelle der Inspiration beschrieben: "Am Anfang war der Mythos dieser Orte. New Orleans, aus einer Kombination von Südstaatenliteratur, Filmen und Musik. Memphis mehr durch Musik allein. [...] Ich habe alles, was ich mir ausgemalt habe, auch gefunden. Das war eine aufregende Erfahrung: Es war in meinem Kopf, und jetzt ist es da."

Der Tourismus erfindet die Symbolik seiner Orte. Dabei stützt er sich auf tief verwurzelte kulturelle Muster. Fast immer sind die angeblichen Klischees der touristischen Wahrnehmung der sogenannten Hochkultur entlehnt. Sie entstanden zuerst in Romanen, Bildern, Filmen. Die touristischen Bilder entstammen dem kollektiven Fundus der ima- ginären Geographie - unserer nichtrationalen Sicht der Welt, die den Sehnsüchten und Ängsten, Phantasien und Mythen Raum gibt.

(Christoph Henning: Die Mythen des Tourismus. Imaginäre Geographie prägt das Bild der Reisenden von Ländern und Menschen. In: Die Zeit Nr. 27 vom 25. Juni 1998, S. 47f.)
 
 

Text 2
Mythische Landschaft

Bereits in der komplexen Welt der griechischen Mythologie hatten die Gestade des Golfs von Neapel einen festen Platz. Auf ihren frühen Entdeckungsfahrten kreuzten die sagenhaften Helden auch durch die tyrrhenischen Gewässer und beobachteten die unbekannten Gefilde wahrscheinlich mit gespannter Aufmerksamkeit. Die bizarre Kraterlandschaft mit der merkwürdigen Rauchentwicklung muss ihnen dabei besonders aufgefallen sein; aktive vulkanische Oberflächenformationen waren ihnen vermutlich fremd. Die aus der heißen Erde aufsteigenden Dämpfe schienen nichts Gutes zu verheißen. Hatten sie gar die Unterwelt erreicht, das Totenreich des Hades, wo in ihrer mythologischen Phantasie die Schatten der Toten herrschten? Jedenfalls kam den griechischen Heroen diese vulkanisch geprägte Golfküste gespenstisch und unmenschlich vor. Sie gaben ihr den Namen „brennende Erde“, Campi flegrei (dt. Phlegräische Felder), und machten sie zum Aufenthaltsort der Titanen, der finsteren Söhne und Töchter der Erdmutter Gäa. Den Eingang zur Unterwelt erkannten sie gar in dem dunklen Kratersee Lago d'Averno, den kein Vogel lebend überqueren konnte, weil er vom sagenhaften Fluß der Unterwelt (Styx) gespeist wurde und giftige Dämpfe aufsteigen ließ. Nach seinen Irrfahrten durch das Mittelmeer betrat der Troja?Kämpfer Äneas hier erstmals italischen Boden, um von der Prophetin Sibylle sein Schicksal zu erfahren. Und aus den Homerischen Schriften erfahren wir, dass auch die Sirenen, diese unwiderstehlichen Fabelwesen, die nach der geglückten Durchfahrt des Odysseus den Tod fanden, an den sagenumwobenen Gestaden des Golfs beheimatet waren. 
(Michael Machatschek: Golf von Neapel. Erlangen: Michael Müller Verlag 1999. S. 14.)
 
 

Text 3
Mythen des Golfes

AIs Hannibal 214 v. Chr. Puteoli belagert, um sich einen Hafen für den Nachschub von Afrika zu sichern, nutzt er die Gelegenheit, sich von Ortskundigen die Sehenswürdig-keiten der Umgebung zeigen zu lassen. 

«... all das, was in der Nachbarschaft 
Lagunen und Land an Wundern zu bieten haben, nimmt er [Hannibal] in Augenschein.
Die Vornehmen von Capua sind ihm zur Seite: Der erklärt, woher das an warmen Quellen reiche 
Baiae seine Namen habe, erläutert, daß ein Schiffsgenosse 
des Odysseus der Lagune ihren Namen gab. 
Der hier erzählt, daß der Lukrinersee einstmals 
Cocytus genannt worden sei, rühmt auch den mitten durch die Fluten des Meeres 
gebahnten Herkulesweg, mit dem die Wasserfläche zerteilt hat 
Amphitryons Sohn, Sieger im Kampf um span'sche Rinder. 
Der wiederum zeigt ihm den von den Völkern einst Styx genannten, heute mit and'rem Namen 
unter den friedlichen Lagunen vielgerühmten Avernersee: 
Er war damals noch durch düst'ren Wald, durch schwarze Schatten schauerlich 
und wurde gefürchtet von den Vögeln, spie er doch tödliches 
Gift aus und durchtränkte damit von unten her den Himmel; Unterweltsfurcht ließ ihn den Städten ringsum 
geheiligt sein, sicherte ihm barbarische Verehrung. 
Ein ihm benachbarter Sumpf ? die Sage geht, daß bis zu des Acherons Fluten 
den Weg er öffne ? läßt einen bodenlosen, mit einem Abgrund stehenden Wassers gefüllten Schlund 
sich weiten, öffnet einen schauerlichen Erdspalt,
und setzt zuweilen durch das ungewohnte Licht [das durch ihn einfällt] die Geister des Totenreiches in Verwirrung. 
Ganz in der Nähe aber, so berichten sie, hätten die finst'ren und ständig 
von Nebeln der Unterwelt bedrängten Behausungen 
der Kimmerier in bleichem Schatten dagelegen und die tiefe Nacht 
der Tartarus?Stadt. ? Dann werden ihm auch die von Schwefel und Feuer 
immerzu und von kochendem Pech dampfenden Gefilde [der Solfatara]
vorgeführt: Die Erde, aus der schwarzer Rauch hervorquillt, 
stöhnt hier und ist, weil bis ins innerste Mark verbrannt, auf Dauer heiß, 
wogt hin und her und haucht stygischen Atem in die Lüfte aus. 
In Wehen liegt der Feuergott, zischt furchterregend aus zitternden Höhlungen 
und gibt bisweilen, während er drum ringt, seine unterirdischen Wohnungen aufzubrechen 
oder aus ihrer Enge hervorzukommen, mit drohendem Ton unheilvoll 
ein Brüllen von sich, zermalmt die zerrissenen Eingeweide der Erde 
zwischen den Zähnen und erschüttert mit seinem Grollen die zerfreß'nen Berge. 
Man sagt, daß, durch die Wucht des Herkules niedergestreckt, hier die Giganten 
die auf sie geworf'ne Erde rütteln, daß es ihr keuchender Atem sei, 
der hier weithin die Felder verdorren lasse, und daß, sooft sie drohen, 
das über sie gelegte [Fels]gefüge aufzubrechen, der Himmel selbst erbleiche. 
In den Blick kommt auch die Insel Prochyte, der es zugefallen ist, den wilden Mimas [festzuhalten], 
in den Blick kommt in der Ferne Inaríme, welche den Iapetus niederhält, der schwarzwirblig 
raucht und Feuerflammen aus seinem trotz'gen 
Munde ausstößt. Falls es ihm irgendwann einmal vergönnt wär' zu entkommen, 
würde er wohl wieder die Kriege gegen Juppiter und gegen die Himmelsgötter erneuern wollen. 
Gezeigt werden ihm auch des Vesuves Höh'n und ganz oben auf dem Gipfel 
das von den Flammen abgeweidete Gestein, der ringsherum eingestürzte 
Berg und die mit des Aetna Geschicken wetteifernden Felsen. 
Auch Misenum besichtigt er, welches mit seinem Grabmal Trojas 
Namen bewahrt, sieht auch die von Herkules am Strand erbauten Rinderställe, 
bestaunt des Meeres Drohungen und der Erde Mühen.»
(Silius Italicus XII, V. 111 - 157)
 
 

Text 4
Erläuterungen

Es sind, wie man sieht, durchweg Ereignisse des Mythos, auf welche angespielt wird: Hierher, ins Land der Kimmerier, kam einst Odysseus, um am Eingang der Unterwelt die Toten zu befragen, und Baiae erhielt seinen Namen von einem seiner hier verstorbenen Gefährten. Hier kam Hercules mit den Rindern vorbei, die er dem Riesen Geryoneus abgenommen hatte, errichtete für sie die Ställe (buaulia), nach denen Bauli benannt ist, und schüttete zur Abkürzung des Weges den nach ihm benannten Damm auf. Hier liegt ganz dicht unter der Erdoberfläche die Unterwelt, und ihre sagenhaften Flüsse haben den hiesigen Lagunen ihren Namen gegeben. Hier hat der Schmiedegott Vulkan seine unterirdische Werkstatt. Hier liegen die von den olympischen Göttern mit Hercules' Hilfe besiegten Giganten unter Felsen begraben, versuchen stets von neuem, sich zu befreien. Und hier befindet sich auch der Grabhügel des Trojaners Misenus, eines Gefolgsmannes des Aeneas. [...]

Im 11. Buch der Odyssee erzählt Odysseus, wie er ins nebelverhangene Land der Kimmerier fuhr, um am dortigen Eingang zum Hause des Hades die Seele des Sehers Teiresias über seinen weiteren Weg zu befragen. Schauplatz dieses Abenteuers zu sein beanspruchte von alters her die nordwestgriechische Landschaft Thesprotís. Hier gab es nämlich bei Ephyra eine Orakelstätte, wo man die Geister der Toten beschwor, um sie über die Zukunft zu befragen. In der Nähe gab es nach Pausanias auch ein sogenanntes áornon, einen «vogellosen Ort»: eine Erdspalte, aus der giftige Gase aufstiegen, so dass Vögel, die auf ihrem Flug darüber gerieten, betäubt zu Boden fielen. Auch flossen hier zwei Flüsse - der Kokytos und, vom Acherusischen See her kommend, der Achéron - zusammen und ergossen sich in eine Meeresbucht, die vom Vorgebirge Cheimérion beherrscht wird. Pausanias meint nun zwar, dass Homer die betreffenden Namen von der Thesprotís in sein Gedicht übernommen habe. Es dürfte aber doch wohl eher umgekehrt sein: dass nämlich die Thesproter, um ihren Anspruch zu unterstreichen, die entsprechenden Namen übernommen hatten. Dass es eher dichterische Erfindungen sind, darauf deutet ja auch ihr durchgängig sprechender Charakter: kokyein heißt «jammern», stygeín «hassen», áchos «Schmerz, Leid» und cheimérios «winterlich»: So wurde schon durch die Namen ein höchst unheimlicher Ort suggeriert. Weiter südlich schloss sich an die Thesprotís übrigens Akarnanien an, in dessen westlichem Teil und auf den ihm vorgelagerten Inseln der Stamm der Teleboer siedelte.

Später aber erhob auch unsere Region den Anspruch, Schauplatz von Odysseus' Totenbuch zu sein. Infolgedessen übertrug man die betreffenden Namen auch hierher, sodass sich, wie wir gehört haben, schon Properzens Cynthia darüber wundert, sie hier wiederzufinden: Auch hier gab es von nun an einen Acherusischen See, und die heißen Quellen der Gegend wurden als Ausflüsse der dicht unterm Boden fließenden Unterweltströme Acheron, Kokytos, Styx und Pyriphlegeton gedeutet. Auch hier machte man ein «Áornon» aus und leitete davon den Namen des Avernersees ab, auch hier hatten angeblich in grauer Vorzeit jene Cheimerier oder Kimmerier gewohnt, die nie das Sonnenlicht erblickten. Dafür war dann allerdings der Grund nicht mehr, dass bei ihnen immerzu Dunst und Nebel herrschten - das ist am Golf eher selten der Fall -, sondern dass sie in unterirdischen Höhlen hausten. Sogar die Teleboer tauchten, wie wir gesehen haben, hier wieder auf, nämlich als die angeblichen Ureinwohner der weiter südlich gelegenen Insel Capri! Die neue Lokalsage zog noch weitere Kreise: Die Ortsnamen Baiae und Misenum wurden auf zwei angeblich hier bestattete Gefährten des Odysseus, Baios und Misenos, zurückgeführt, die Gründung des Athenatempels an der Spitze der Halbinsel von Sorrent dem Odysseus zugeschrieben, und die Klippen der Sirenen, an denen er vorbeigefahren war, wurden mit einer Gruppe von Felseninseln vor der Amalfiküste identifiziert, die heute den Namen I Galli tragen.

Aber auch noch ein anderer homerischer Held soll hier am Golf vorbeigekommen sein: der Trojaner Aeneas. Diese Sage existierte schon vor Vergil, er hat ihr nur die letztgültige Gestalt gegeben. Aeneas tritt schon in Homers «Ilias» mehr als einmal auf. Für uns wichtig ist die Szene, wo er dem Achill im Zweikampf zu unterliegen droht, aber von Poseidon im letzten Moment aus dem Schlachtgetümmel entrückt wird. Der Gott begründet sein Eingreifen mit folgenden Worten:

»... ihm ist's bestimmt, zu entkommen, 
auf daß nicht ohne Samen und spurlos vergehe das Geschlecht 
des Dardanos, den doch der Kronide am meisten von all den Kindern liebte, 
die er mit sterblichen Frauen gezeugt. 
Denn des Priamos Geschlecht ist inzwischen verhaßt dem Kronion.
Jetzt aber soll nun des Aineias Gewalt über die Troer herrschen 
und seiner Söhne Söhne, die künftig gebornen.»

Von den verschiedenen Deutungen, welche diese rätselhafte Voraussage im Laufe der Zeit erfuhr, hat sich am Ende die folgende durchgesetzt: Aeneas sei vom Schicksal zum Anführer derjenigen Troer bestimmt worden, welche sich nach dem Untergang ihrer Stadt in langer Irrfahrt auf die Suche nach einer neuen Heimat begaben. Dionysios von Halikarnassos, ein griechischer Historiker der frühen Kaiserzeit, beschreibt in seiner «Römischen Archäologie», älteren Darstellungen folgend, die Route des Aeneas: Sie führte ihn gegen Ende an die Westküste Italiens. Dort ging er zum ersten Mal bei einem Vorgebirge an Land, das nach einem seiner Gefolgsleute, der dort starb, den Namen Palínuron erhielt. Nach einer weiteren Zwischenlandung auf der Insel Leucosia (heute Licosa) kam er schließlich «zu einem tiefen und schönen Hafen im Land der Opiker» (griechische Bezeichnung der Osker), den er, als dort ein weiterer seiner Gefährten verstarb, nach diesem Misenón benannte. Die namengebende Person ist uns eben schon als Gefolgsmann des Odysseus begegnet, sie wird hier, wie man sieht, ohne viel Federlesens statt dessen dem Aeneas zugeordnet. jeder, der Vergils «Aeneis» kennt, erwartet nun, dass Aeneas wie Odysseus jetzt den nahen Eingang zur Unterwelt aufsuche und das dortige Totenorakel befrage. Doch davon steht bei Dionysios nichts, und auch die Sibylle, die bei Vergil eine so wichtige Rolle spielt, wird nicht erwähnt. In einer anderen vorvergilischen Darstellung der Aeneassage könnte sie jedoch vorgekommen sein, nämlich in dem Epos «Punica» des römischen Dichters Naevius (3. Jahrhundert v. Chr.). Aus einem der wenigen Fragmente, die sich daraus erhalten haben, geht hervor, dass im ersten Buch die Kimmerische Sibylle erwähnt wurde, und ein anderes bezeugt einen Aufenthalt des Aeneas auf Prochyte-Procida. Infolgedessen liegt es nahe, bei Naevius ein Zusammentreffen des Aeneas mit dieser Sibylle anzunehmen. Ob sie mit der Cumanischen Sibylle Vergils gleichgesetzt werden darf, ist allerdings nicht sicher: Bei Varro werden die beiden nämlich voneinander unterschieden.
(Christoff Neumeister: Der Golf von Neapel in der Antike. Ein literarischer Reiseführer. München: Beck 2005. S. 146 - 149.)
 
 

Text 5
Der Golf von Neapel als geistige Landschaft

Für mich ist das geistige Bild, das ich von Neapel habe, nicht allein das Bild der Stadt, sondern, untrennbar damit verbunden, auch das ihres landschaftlichen Rahmens. In keiner Stadt der Welt, außer vielleicht in Rio de Janeiro, gibt es mehr Natur als in Neapel. Daher sind auch seine Straßen, schwarz von Menschen, und das verworrene Knäuel der Altstadtgassen in meiner Vorstellung immer mit dem Meer-Neapel verbunden gewesen, mit der Sirene Parthenope, die sich zwischen den blauen Inseln und Halbinseln am Golf zu Füßen des Vesuvs hinstreckt. Unter seinem lieblichen äußeren Anschein ist Neapel für mich immer unbezähmbare Urnatur gewesen, im Widerspruch zu einer jahrhundertealten, unerlösten Geschichte. Und dieser Widerspruch ist mir zum Symbol geworden, zu einem Interpretationsschlüssel, um die Stadt und mein Verhältnis zu ihr besser zu verstehen.

Ich bin am Posillipo geboren und habe während meiner Jugend auch dort gewohnt. Schon im Namen Pausilypón (der auf griechisch »eine Pause dem Schmerz« bedeutet) liegt etwas, das an Vergil erinnert. Und tatsächlich ist der gesamte Golf vergilisch, auch im Sinne des Zauberers Vergil, wie ihn die populäre Tradition kennt: Die ganze Partie des Golfs vom Posillipo bis Capo Miseno, mit dem Averner See, der Solfatara, der Höhle der Sibylle von Cuma und den Inseln Procida, Vivara und Ischia. Diese vergilische Seite des Golfs erkennt man vor allem an der gelben Farbe des Tuffsteins. Aus Tuff sind die Ufer und die Felsen, auch die unter Wasser liegenden; aus Tuff ist der Palazzo Donn'Anna aus dem siebzehnten Jahrhundert, wo ich gewohnt habe, und der aus dem Wasser emporsteigt wie ein venezianischer Palazzo am Canal Grande; aus Tuff ist das Haus der Geister, der verfallene antike Palazzo degli Spiriti in Marechiaro; aus Tuff sind die Bucht von Trentaremi und die kleine Insel der Gaiòla, wo eine römische Villa stand; aus Tuff sind die Insel Nisida und die anderen schon genannten (Procida, Vivara, Ischia). Bearbeitet, glattgeschliffen, zernagt, gestaltet vom Meer und vom Wind, gibt der Tuff dem sanften, heiteren, von einer beinahe ländlichen Melancholie übergossenen Ufer die Farbe des Honigs. Denn die Campagna ist überall gegenwärtig, ja, sie erstreckt sich bis dorthin, wo sie von den Wellen umspült wird und ihr Grün sich mit dem Grün der Algen verbindet: wie vergilisch ist das alles! Wie oft habe ich, wenn ich in der Ferne an diese Ufer dachte, den wunderschönen Vers von Nerval wie einen Hymnus in mir wiederklingen hören: „Rends-moi le Pausilippe et la mer d'Italie!“, vor allem heute, wo „le Pausilippe et la mer d'Italie“ durch Bauspekulation und die Invasion des Massen-tourismus zerstört worden sind.

Dann gibt es aber noch einen anderen Teil des Golfs von Neapel, den man durchaus als homerisch bezeichnen könnte. Dieser Teil umfaßt das zerklüftete Capri und seine unzugänglichen Felsen; auch den äußersten Punkt der Halbinsel von Sorrent, wo sich einmal ein der Minerva geweihter Tempel erhob, und die gesamte amalfitanische Steilküste, die den Golf von außen wie eine mächtige Festung schützt. Die Beschreibungen der Odyssee passen sehr gut zu dieser zerklüfteten prometheischen Küste, zu den Sirenusischen Inseln, die im hellen Morgendunst vor Positano hin und her wogen; zum Felsen des Tiberius mit den Überresten der Villa, die wie ein Adlerhorst von oben her die Meerenge beherrscht; zu den Faraglioni?Felsen, die wie von einem wutschäumenden Zyklopen oder mit der Gewalt einer vorweltlichen Gottheit ins Meer geschleu-derte Blöcke wirken. Den homerischen Teil des Golfs erkennt man an der völligen und unvermittelt auftretenden geologischen und morphologischen Andersartigkeit, die sofort ins Auge fällt.

Das Gestein wird plötzlich zu etwas Kompaktem, Eisernem, und der Dolomitfels stürzt jäh ins Meer ab, das in den Grotten widerhallt. In dieser Landschaft gewahrt man so etwas wie eine Entfesselung tellurischer Kräfte und die ständige Bedrohung, die ungeheure Gewalttätigkeit der Vulkane. Die Farbe des Wassers ist keramikblau oder türkis, und zu bestimmten Stunden wird sie indigo- oder metallblau, denn das Meer nimmt die Färbungen und Reflexe der Felsen auf, von Chromgelb bis Rostviolett. Weiß sind die Strände mit ihren runden Steinen, glattgeschliffen wie Eier, und alles gewinnt im unerträglichen Licht des Mittags ein leuchtendes, ein funkelndes, ein „heroisches“ Aussehen.

Auf diese Weise teilen sich der göttliche Homer und der menschliche Vergil, der Anfang des Mythos und sein tragisches Ende, der epische, sonnenbeschienene Mittag und der romantisch ermattende Tag diese mediterrane Landschaft und feiern deren poetischen Zauber. Auch wenn der Niedergang unter seinen Verkrustungen alles weniger deutlich, alles weniger erkennbar werden läßt (wie es bei einer Amphore vorkommt, wenn sie nach Jahrhunderten vom Grund des Meeres heraufgeholt wird), entspringt mein geistiges Bild von Neapel dieser poetischen Ambivalenz seines Golfs - und sie behauptet sich auch heute noch, trotz allem, was geschehen ist.
(Raffaele La Capria: Neapel als geistige Landschaft. In: Dieter Richter (Hrsg.): Neapel. Eine literarische Einladung. Berlin: Wagenbach 1998. S. 7 - 9.)

 

Vorläufige Themen

1.   Tourismus: Schein und Wirklichkeit des Neapel-Mythos

2.   Parthenope: Der Gründungsmythos als Mittel zur Herrschaftsstabilisierung in der Renaissance

3.   Vulkanausbrüche: Faszination zwischen mythischer Verklärung und wissenschaftlicher Erklärung

4.   Antike Kunst: Der Mythos von der „edlen Einfalt und stillen Größe“ (Winckelmann) 

5.   Spaghetti: Pasta zwischen Grundnahrungsmittel und Designer-Food

6.   Die Blaue Grotte: Wie ein Mythos entsteht

7.   Deutsche auf Capri: Wie sich ein Mythos verändert

8.   S. Gennaro: Der Mythos vom Blutwunder

9.   Villa Jovis: Der Mythos Tiberius
 

[Wird fortgesetzt]

 
 

Weiter zu:   Inhaltsverzeichnis:  Der Golf von Neapel
Zurück zu:  Startseite   /   Studienfahrten: Konzeption II