Thomas Gransow
 

London und Westminster

 

Geschichte der Stadt London


 
 
Text 1
Die Entstehung der Stadt

Wann und wie London entstand, ist ungewiß. Einige Autoren sind der Meinung, daß es dort, wo sich die Stadt heute befindet, in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung bereits eine Siedlung gab, bevor die Römer das Land eroberten. Dies ist nicht wahrscheinlich; jedenfalls war sie, wenn es sie gegeben hat, von so geringer Bedeutung, daß ihr mögliches Vorhandensein keinerlei Interesse beansprucht. Andererseits gibt es viele Spuren einer mit starken Mauern befestigten römischen Stadt, deren Grundriß unbekannt ist. Eine Rekonstruktion wäre vielleicht mit Hilfe von Funden und Gutachten möglich und vom archäologischen Gesichtspunkt aus reizvoll, doch die oft wiederholten Versuche, die Umrisse der alten Siedlung aus der Lage des modernen London abzuleiten, wären für uns, die wir nur die gegenwärtige Stadt besser verstehen wollen, ohne Belang. Mit Ausnahme der Mauern gibt es nichts im Bereich des späteren London, dessen Entwicklung mit Notwendigkeit eine römische Ansiedlung voraussetzen würde. Was die Römer schufen und was lebenswichtig wurde, ist der große Verkehrsknotenpunkt: er bestimmte den Ort der Stadtgründung, denn die Bedeutung Londons beruhte, damals wie heute, auf seiner Stellung als Zentrum der Handelspolitik. Die Stadt war nicht Regierungssitz. Es gab fünf Städte, die so bezeichnet werden konnten, aber London gehörte nicht zu ihnen. Die nächstgelegene war Verulamium, wo nun St. Albans liegt, etwa 20 Meilen nördlich der Themse.

Die Karte läßt unschwer erkennen, worin die Bedeutung der Lage Londons bestand. Die Themse fließt auf ihrem Weg zur Nordsee durch ein breites lehmiges Tal, das auf beiden Seiten von Anhöhen umgeben ist. Das nördlich gelegene Hügelgelände, das Weald heißt, erstreckt sich bis zur Küste und setzt sich auf dein Kontinent fort im Artois und der Picardie. Es wird vom Kanal durchschnitten, von dem es durch steile Klippen abgetrennt ist, die von Dover bis nach Beachy Head reichen. Südlich dieses Punktes beginnen wieder die Tiefebene und die ungeschützten Küstenstreifen, die leicht zu befahren sind. Sie liegen nahe der Seinemündung, und dieses Gebiet war von frühen Zeiten an besiedelt. Die Themse, deren Mündung dem Rheindelta entspricht, nahm mit offenen Armen die Völkerschaften auf, die in Richtung Norden entlang den großen Wasserstraßen zogen.

Die Britischen Inseln hatten eine beachtliche Anziehungskraft für die verschiedenen Stämme des Kontinents. Trotz seiner Lage im Norden hatte das Land ein überraschend mildes Klima. Große Flächen waren mühelos urbar zu machen, und das feuchte, milde Wetter schuf günstige Voraussetzungen für primitiven Ackerbau. Unter solchen Umständen wurde die Lage Londons sozusagen zum Schlüssel für das Land der Hoffnung. Die Lage war nicht nur durch die natürlichen geographischen Bedingungen bestimmt; ihre Bedeutung wurde verstärkt durch das System der römischen Straßen. Den Römern war es gelungen, das Land völlig unter ihre Kontrolle zu bekommen und zu befrieden. Viele Römer lebten ohne Furcht vor Überfällen in ungeschützten Häusern auf dem Lande. Die Sicherheit, die erst Jahrhunderte später wieder erreicht wurde, war das Ergebnis der stark zentralisierten römischen Herrschaft. Die Truppen waren stets kampfbereit - wie einst auch die Flotte -, und sie dienten als Garant des Friedens. Doch die diszipliniertesten und bestausgerüsteten Armeen hätten in den undurchdringlichen Waldgebieten, die sich vor den Römern ausbreiteten, als sie kamen, nichts vermocht. Deshalb legten sie breite und hervorragend konstruierte Straßen an, deren wichtigste Abschnitte durch Kastelle geschützt waren, von denen aus bewaffnete Kräfte vergleichsweise rasch überallhin geschickt werden konnten, wo sie gebraucht wurden. Einer der am stärksten befestigten Punkte war London. Die Stadt bildete nicht nur den Knotenpunkt einiger Hauptverkehrsstraßen, sondern sorgte auch für deren Schutz an der Stelle, wo sie die Themse überquerten. Ihre Möglichkeiten als Handelszentrum waren einzigartig. Sie war ein großer Seehafen und gleichzeitig wichtigster Verbindungspunkt aller Straßen, die ins Landesinnere führten.

Eigentlich gab es zwei Ansiedlungen von großer Bedeutung, die eng beieinander lagen und die man später London und Westminster nannte. Es kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, welcher von beiden anfänglich die größte Bedeutung zukam. Eine Straße, die später Watling Street genannt wurde, führte aus der Gegend um Dover zu diesem Knotenpunkt, nördlich der Themse weiter in nordwestlicher Richtung bis Verulamium, das damals einer der Hauptorte war, und von dort weiter nach Nordwesten. Man muß sich den Verlauf der Straße als eine ziemlich gerade Linie vorstellen, welche die Themse überquerte und auf dem nördlichen Ufer an der vorspringenden Halbinsel Westminster vorbeiführte. Mit einiger Wahrscheinlichkeit befand sich hier der erste Übergang über den Fluß, vielleicht lediglich in Form einer Fähre oder einer Pontonbrükke - von einer festen Verbindung zwischen beiden Ufern kann man wohl nicht sprechen. Der andere wichtige Verkehrsweg, Stane Street, der von einem durch die Isle of Wight geschützten Hafen im Südwesten kam, führte nach Norden in einer Straße weiter, die später Ermine Street genannt wurde. Diese Route verlief über eine feste Brücke, London Bridge, die bis 1729 die einzige feste Verbindung über den Fluß blieb. Am nördlichen Ende dieser Brücke lag London. Ihre strategische Bedeutung war offensichtlich, und es war notwendig, sie zu schützen. Man tat dies durch Mauern rund um die Stadt. Eine andere Straße verlief nördlich der Themse, und zwar vom Nordosten zum Südosten Englands, durchquerte London von Ost nach West und verband Ermine Street mit Watling Street. Die entscheidenden Faktoren für die Stadt waren also: die Themse, die Straßen, die Stadtmauern und die Dörfer London und Westminster. 

(Stephen E. Rasmussen: Über die Entstehung der Stadt (1934). In: Norbert Kohl (Hrsg.): London. Eine europäische Metropole in Texten und Bildern. Frankfurt a. M.: Insel 1979. S. 16 - 19.)

 

Text 2
London und Westminster -
Regierungshauptstadt contra Handelshauptstadt

London ist keine "kompakte" Stadt. Es ist eine "scattered city", eine zerstreute und verstreute Stadt. Und die Verstreutheit hat ihren Ursprung in der Kompaktheit. Das alte, ursprüngliche London, die "City of London", besaß auf engstem Raum, eingeschlossen in seine römischen Wälle und mittelalterlichen Stadtmauern, die Struktur eines geschlos senen städtischen Organismus. Innerhalb dieser Mauern war die Stadt dicht gedrängt, zum Bersten überfüllt, aber gegliedert und geordnet. Vergleicht man dieses mauerumschlossene Stadtgebiet von just einer Meile im Quadrat etwa mit Paris oder Köln, so sieht man sofort, wie klein seine Grundfläche war. Köln besaß innerhalb seiner Stadtmauern so viel Platz, daß diese Mauern bis zum Jahr 1882 unverrückt stehen bleiben konnten, und dies bewirkte, daß die Stadt ein konzentriertes Gefüge erhielt. Auch Paris bewahrte sich durch seine Folge von Ringmauern und Verteidigungsgräben seinen kompakten Charakter. Sein letzter, 1841 - 1845 von Louis-Philippe gebauter und 1922 niedergerissener Mauerring schränkte die Ausbreitung von Paris just zu der Zeit gewaltsam ein, zu der London sich mit ungeheuerlicher Schnelligkeit ausbreitete. Während London in die Breite ging, strebte Paris in die Höhe: hier das kleine, zweistöckige, höchstens dreistöckige Wohnhaus für eine einzige Familie, in Paris das große, sieben- bis achtstöckige Wohnhaus mit Etagenwohnungen für fünfzehn bis zwanzig Familien.

Obwohl die Grundfläche des mittelalterlichen London im Vergleich zu Köln oder Paris winzig klein war, rührte London nicht an seine Stadtmauern, verrückte sie nicht. Diese gewaltigen alten Mauern waren eine so kostspielige und so unschätzbar wertvolle Sache, daß niemand auf den Gedanken kam, es sei auch nur möglich, sie zu verrücken oder einen zweiten und dritten Ring um sie zu legen. Die Stadt sprengte ihre Umfassung nicht, sondern fand für ihre Überfüllung eine andere Lösung: zu den inneren Stadtvierteln, den "wards within", gesellten sich mit der Zeit auf dem unbebauten Land außerhalb der Mauern die äußeren Stadtviertel, die "wards without", hinzu. Doch über diese sogenannten "liberties" oder "out-parishes" - Außensprengel - hinaus dehnte die mittelalterliche Stadt sich nicht aus, und auch dieser Kranz von Außensprengeln, der sich um die Stadtmauern herumlagerte, blieb schmal. Denn das alte London war [...] von einem Ring von Klöstern und Abteien eingeschlossen, und dieser ausgedehnte kirchliche Grundbesitz in ihrer unmittelbaren Umgebung hinderte die Stadt, gleich anderen mittelalterlichen Städten, uni den ursprünglichen Kern Ring um Ring anzusetzen.

Dieses aus der römischen Festungssiedlung entstandene, mauerumschlossene London war bereits annähernd tausend Jahre alt, als drei Kilometer entfernt, unterhalb des knieartigen Knicks im Flußlauf, ein zweites Zentrum zu entstehen, ein zweites Herz zu schlagen begann. Dies war die Siedlung, die von der Mitte des 11. Jahrhunderts ab, unter König Eduard dem Bekenner und seinen Nachfolgern, sich um die Abtei von Westminster, den Königspalast und die Klostergebäude gruppierte. Dieser Ort Westminster war freilich keine "Stadt" im Sinn des alten, flußabwärts gelegenen London. Er war jahrhundertelang nicht viel mehr als ein Dorf draußen vor den Toren von London, mit einigen Gäßchen rings um die Kathedrale und den Königspalast und nur zwei wirklichen Straßen - der King Street, die nach London im Osten führte, und der Tothill Street, der Ausfahrt nach Westen und Norden -, ohne Handel und Gewerbe, umgeben von freiem Feld und Liegenschaften, die in weitem Umkreis Lehns- besitz der Abtei waren, ohne Privilegien oder Freibrief, ohne Stadtmauern. Urkunden aus der Zeit Eduards I. (1272-1307) sprechen zwar von »unserer Stadt Westminster«, aber dieses Stadt-Dorf besaß keine zentrale Organisation und Verwaltung wie die "City"; erst der "London Government Act" von 1899, der Groß-London zusammenfaßte, erhob Westminster überhaupt zu einem Stadtbezirk, und obwohl man seit Jahrhunderten von einer "City of Westminster" sprach, erhielt diese Stadt erst 1900 ihre "Royal Charter", ihren Freibrief.
 

Abb. 1
Westminster um 1550
(Adam Fox, Enid Nixon: Westminster Abbey. Andover: Pitkins 1984. S. 26.)
Macht und Einfluß von Westminster waren nicht an seinem Reichtum, an seiner Bevölkerungszahl abzulesen. Mit der Verlegung der königlichen Residenz aus der alten Königsstadt Winchester nach Westminster begann hier das politische Herz Englands zu schlagen, so wie das wirtschaftliche in London schlug. Hier residierte der König, der in der Handelsmetropole nur den außerhalb der Stadtmauern und der Jurisdiktion der City gelegenen Tower als Residenz besaß, hier war der Sitz des Parlamentes, des Regierungs- und Verwaltungsapparates, des Schatzamtes, der Rechtsprechung.

Es war ein Glück, daß die Handelshauptstadt und die Regierungshauptstadt nicht miteinander identisch waren, sondern Seite an Seite beieinander lagen. Aus diesem mittelalterlichen Gleichgewicht und Ausgleich der Kräfte entsprang der neuzeitliche englische Freiheitsbegriff. Aber diese Sonderung der beiden Kraftzentren ist auch der Grund für die "Gestaltlosigkeit" der heutigen britischen Haupt- stadt. Wäre die alte, mauerumschlossene City of London Sitz der Regierung geworden, so besäße London heute eine Struktur, es wäre kompakt, anstatt zerstreut. So aber wuchsen die beiden Städte aufeinander zu, denn sie konnten ja nicht ohne einander sein, waren in wachsendem Maße aufeinander angewiesen, mußten sich in ihren Funktionen ergänzen und endlich zusammenschließen. So reichten sie sich entlang dem heutigen "Strand" die Hände. Doch was zwischen ihnen und in ihrem Umkreis lag, war eine Welt für sich, und als die Schranken fielen, war die Eigenart dieser Weit fest geprägt.

Die Schranken fielen mit der Abschaffung der Klöster und der Säkularisierung des kirchlichen Grund- besitzes. Jetzt dehnten sich nicht nur die Außensprengel Londons rapid aus. Auch die zahlreichen kleinen Bauerndörfer, die auf den einstigen Kirchengütern standen, wuchsen rasch zu Marktflecken oder "Boroughs" und kleinen Landstädten an. Von  den insgesamt 28 "Boroughs" oder Stadtbezirken, in die das neuzeitliche London durch das schon erwähnte Verwaltungsgesetz für Groß-London 1899 eingeteilt wurde, stand die gute Hälfte auf vormals kirchlichem Grundbesitz. [...] Als dies alles jetzt zu wachsen begann, wuchs es in seiner vorgeprägten Eigenart weiter, und indem es immer dichter und dichter aneinander rückte, wurde es nicht zu einem einheitlichen Organismus, sondern zu einer Ansammlung zahlloser kleiner Städte, Flecken und Dörfer, in denen die Menschen weiter in kleinen, festgefügten Gemeinschaften in ihren eigenen Häusern mit ihren eigenen Gemeindeverwaltungen so weiterlebten, wie sie es im Mittelalter getan hatten.

Nach der Abschaffung der Klöster wuchs die Stadt London in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in beängstigender Weise. Beim Tod Mary Tudors, der ersten Tochter Heinrichs VIII., im Jahr 1558, hatte es annähernd hunderttausend Einwohner; als seine zweite Tochter Elisabeth 1603 starb, hatte es zweihunderttausend. Königin Elisabeth versuchte, dem Wachstum dieser selbständigen und selbstherrlichen Stadt Einhalt zu gebieten. Sie erließ 1580 eine Proklamation, aus der 1592 ein Parlamentsgesetz wurde: alle Häuserneubauten im Umkreis von drei Meilen von den Stadttoren waren hinfort verboten, in jedem Haus durfte nur eine Familie wohnen, und Untermiete war untersagt. Dieses Gesetz schuf einen breiten landwirtschaftlichen Grüngürtel rings um die Stadt und bewirkte, daß der Wohnbau an dem herkömmlichen dörflichen und kleinstädtischen Einfamilienhaus festhielt und die heranwachsende Großstadt keinen großstädtischen Wohnhaustyp entwickelte. [...]
 

Abb. 2
London 1547
The coronation procession of King Edward VI in 1547.
(Hugh Clout (Ed.): The Times London History Atlas. London: Times Books 1997. S.54f.)
Um die Mitte des 17. Jahrhunderts, zur Zeit der großen Pest von 1665 und Feuersbrunst von 1666, hatten die Außensprengel sich wie ein wuchernder Ausschlag von Holzhütten und Baracken, den man sich ungefähr so wie die "Shanty towns" Amerikas vorstellen darf, über das ganze Grünland ausgebreitet. In diesen Vorstädten lebte jetzt über eine Viertelmillion Menschen, und zwar wesentlich dichter zusammengedrängt, als in der eigentlichen, mauerumschlossenen Stadt selbst. [...]

Von nun an war das Wachstum dieses ungeheuerlichen Konglomerats von Städten, Kleinstädten, Marktflecken und Dörfern unaufhaltsam. Um 1700 zählte dieses Gebilde bereits eine Bevölkerung von 700000 Menschen. Hundert Jahre später war sie - im Umkreis von acht Meilen von der St. Pauls- Kathedrale gerechnet - auf weit über eine Million angewachsen, und während der folgenden dreißig Jahre stieg sie auf zwei Millionen. [...]

Vor hundert Jahren hatte London noch die Gestalt eines ziemlich schmalen, langgestreckten Rechtecks. Seine Längsachse war wesentlich länger als seine Querachse: ein ungewöhnliches Phänomen. Es hatte einen simplen Grund. Bis 1750 besaß London nur eine einzige Brücke über die Themse, die schon von den Römern geschlagene London Bridge. Infolge der mangelnden Verbindung entwickelte die Besiedlung des Südufers sich nicht. Erst als mit der zweiten Brücke, der Westminster Bridge, und den darauf folgenden - Blackfriars Bridge, Tower Bridge, Waterloo Bridge - die Stadt vom Süden her wirklich zugänglich wurde, begann London sich auch jenseits des Flusses auszubreiten, in der gleichen Weise wie die nördliche Hälfte, nämlich durch das Wachstum und Zusammendrängen zahlloser Dörfer, Marktflecken und Kleinstädte, nur unvergleichlich viel rascher, denn jetzt half die Eisenbahn nach - so rasch, daß die Gestalt des Stadtgebietes sich in weniger als hundert Jahren aus dem einstigen Rechteck in das heutige Quadrat verwandelte.

Dieses Wachstum Südlondons ist der Hauptgrund für den neuerlichen enormen Bevölkerungszuwachs. In den vierzig Jahren von 1831 bis 1871 [...] stieg seine Bevölkerung von 1,8 auf 3,8 Millionen, und in den folgenden vierzig Jahren von 1871 bis 1911 verdoppelte sie sich nochmals auf 7,2 Millionen. Seither hat das Wachstum sich verlangsamt. Heute hat das Großlondoner Stadtgebiet eine Million fest ansässiger Einwohner und eine halbe Million Industriearbeitsplätze weniger als im Jahr 1939. Aber dafür strömt allmorgendlich über eine Million Büroangestellte nach London hinein und am Abend wieder hinaus, von der mehrere hunderttausend zweimal am Tag eine Fahrtstrecke von achtzig bis hundert Kilometern zurücklegt. Die Ursache dieses Phänomens sind die seit dem Zweiten Weltkrieg geschaffenen "New Towns" oder Satellitenstädte. Der Bevölkerungszuwachs dieser "neuen Städte" jenseits des Grüngürtels beträgt das Fünffache des gesamtenglischen Durchschnitts. [...] Die Fachleute rechnen damit, daß ganz Südostengland bis hinunter zu den Küsten von Sussex, Kent und Essex in den nächsten zwei Jahrzehnten vollständig zugebaut sein wird. Und wenn auch vielleicht diese riesige Ausbreitung auf den Karten und Stadtplänen nicht London heißen wird, so wird sie doch unweigerlich London sein.
 

(Peter de Mendelssohn: Die Geschichte der Stadt. In: David Piper: London. Ein Führer. München: Prestel 1977. S. 12 - 21.)

 
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