Lerntechniken

Wiederholen



 
 

Gedächtnisstrategien

Wiederholen. Eine einfache [...] Strategie ist das laute oder leise Wiederholen der Elemente, die man sich einprägen soll. Sie hat nur Erfolg, wenn es sich um wenige Gedächtniseinheiten handelt.

Gruppieren und Organisieren. Eine wichtige Methode des Einprägens und Wiederfindens besteht in der Umstrukturierung des Materials nach logischen oder anderen Prinzipien der Zusammengehörigkeit. Wenn es sich um viele Elemente handelt, ist eine hierarchische Gruppierung vorteilhaft.

Kodieren. Die Art und Weise, wie Gedächtniselemente im Speicher festgehalten werden, umfaßt viele Möglichkeiten. In jedem Falle aber muß es Etikette geben, mit denen das Material gekennzeichnet ist. Die wichtigsten sind [...] offenbar lautsprachliche und semantische (nach Bedeutungsfeldern vorgenommene) Kodierungen. [...] Das Kodieren ist die zentrale Leistung für das Festhalten im Gedächtnis. [...]

Nutzung von Prinzipien. Wenn man das Prinzip speichert, nach dem Gedächtniselemente zu gliedern sind, so lassen sich beliebig viele weitere Elemente, die nicht dargeboten wurden, bei der Wiedergabe reproduzieren. Wer etwa bei der Reihe 2 - 6 - 18 - 54 das Prinzip der Reihe (Faktor 3) und das Anfangsglied speichert, kann später beliebig viele Elemente produzieren. [...]

Herausfiltern und Speichern der Hauptidee. Herauszufinden, was das Wesentliche an einer Geschichte ist, bildet eine ökonomische Strategie für das Einprägen, denn dann muß man sich nicht alle Details merken, sondern benötigt wenig Speicherplatz und wenig Aufwand zum Einspeichern. Kleine Kinder (Vorschulalter) haben größere Schwierigkeiten, den Kern einer Geschichte oder Aussage zu erfassen, sie hängen oft an Details. Beim Erzählen von Märchen, die sie oft gehört haben, kritisieren sie häufig jede kleine Abweichung, weil sie darin eine Veränderung der Geschichte sehen. Mit wachsendem Alter verbessert sich die Herausarbeitung des Kerngedankens. [...]

Elaboration. Elemente, die zunächst sinnlos sind und mechanisch erworben werden müssen, können leichter eingeprägt werden, wenn man sie mit vertrauten Begriffen verknüpft, wobei letztere sachlich überhaupt nichts mit den neuen Elementen zu tun haben müssen. [...] Im Alltag verwendet man vielerlei Formen von Gedächtnisstützen (mnemotechnische Hilfsmittel). Seit altersher nimmt man die Hände zu Hilfe, wenn man sich die Monate mit 30 und 31 Tagen in ihrer Aufeinanderfolge vergegenwärtigen will. [... ]

Bildung von Superzeichen. Daher kommt es sehr darauf an, mit dem vorhandenen Speicher- und Arbeitsplatz sparsam umzugehen. Die wichtigste Methode ist dabei die Zusammengruppierung von Einzeldaten zu einer umfangreicheren Informationseinheit. [...] Ein Grund für die schlechtere Gedächtnisleistungen kleinerer Kinder besteht darin, daß sie noch nicht solche Superzeichen bilden können.

(R. Oerter/L. Montada: Entwicklungspsychologie. München 1982. S. 484ff.)
 
 

Ratschläge für das Einprägen und Wiederholen

  1. Je besser ein Inhalt beim ersten Lernen begriffen wird und je intensiver der Lernvorgang abläuft, desto besser kann man ihn einprägen, desto genauer und dauerhafter läßt er sich merken.
  2. Die erste Wiederholung sollte möglichst frühzeitig, spätestens nach 2 - 3 Tagen stattfinden, weil die Vergessensrate in der ersten Zeit besonders hoch ist; spätere Wiederholungen können in wachsenden Abständen erfolgen.
  3. Man sollte sich aller Möglichkeiten bedienen, die Lerneindrücke zu verstärken, und darum kräftige zusätzliche Gedächtnisreize ins Spiel bringen: lautes Hersagen, mit Bewegung verbundenes Aufschreiben, das Anfertigen bildlich-figürlicher Skizzen sind wertvolle Gedächtnisstützen.
  4. Es empfiehlt sich, den Merk- und Wiederholungsstoff aktiv zu bearbeiten; man entwerfe eigene Stoffgliederungen, Übersichten, Schemata, Texte, Merk- und Schlüsselwörter. Je aktiver man mit dem Gegenstand umgeht, desto nachhaltiger prägt er sich ein.
  5. Von höchster Wichtigkeit ist, daß man den Gegenstand von unterschiedlichen Seiten beleuchtet, die Perspektiven und Fragestellungen wechselt, ‚Umstrukturierungen‘ vornimmt. Man versuche beispielsweise, den Stoff nach den Grundbereichen Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur zu gruppieren, trage unterschiedliche Zugriffe an ihn heran, betrachte ihn wechselweise aus der Sicht unterschiedlicher Betroffener.
  6. Hilfreich ist eine Gewichtung des Stoffes nach Kern- und Ergänzungswissen, Minimal- und Maximalbestand. Das Kernwissen (Daten, Namen, Begriffe) muß intensiver als das Ergänzungs- wissen eingeprägt und wiederholt werden. Das Basiswissen sollte man ggf. auswendig lernen, für das Erweiterungswissen genügt ein sinngemäßes Behalten.
  7. Außerordentlich klärend kann die Lektüre eines zuvor unbekannten Textes, möglichst zusammenfassend-resümierender Art (etwa aus einem Handbuch), wirken; sie zwingt zu aktiver Auseinandersetzung mit dem eigenen Wissen und legt ‚Umstrukturierungen‘ nahe.
  8. Wiederholen sollte man in der Regel nicht die ganze Fülle des einmal Gelernten, sondern seine tragenden Begriffe und Aussagen, seinen wesentlichen Kern. Diese Quintessenz sollte man möglichst in schriftlicher Form (sprachlich oder figürlich) festhalten, damit man jederzeit darauf zurückgreifen kann.
  9. Bei aller notwendigen Verdichtung und Abstraktion des Merkstoffes muß man fähig bleiben, ihn zu veranschaulichen und zu konkretisieren. Zu jeder Verallgemeinerung sollte man möglichst ein Beispiel parat haben, zu jeder Definition ihre Anwendung, zu jedem Überblick den charakteristischen Einzelfall. Andernfalls verlieren die eigenen Vorstellungen leicht ihren Rückhalt in der Wirklichkeit.

  10.  

     

    (Joachim Rohlfes: Wiederholen. In: Bernd Hey u. a.: Umgang mit Geschichte. Stuttgart: Klett 1992. S. 228 - 231.)

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