Kooperationstechniken
 

Moderation


Allgemein

Moderationstechnik ist ein Sammelbegriff für eine Reihe von Arbeits- und Lerntechniken für die Arbeit in und mit Gruppen. Die Moderation [...] integriert z. B. Aspekte der Visualisierung, der kreativen Ideenfindung und der themenzentrierten Gruppenarbeit.

Die Ethymologie des Wortes Moderation offenbart drei unterschiedliche Wurzeln. 

  • Zum einen ist dies das grundlegende Wort „Modus“. Es verweist auf Maß, Art und Weise
  • Zum anderen lässt sich die Moderation auch auf das Wort „moderare“ zurückführen: mäßigen, mildem. Ein Moderator wirkt in diesem Sinne mäßigend auf alle Beteiligten einer Zusammenkunft ein und achtet auf die Angemessenheit und die richtige Art des Umgangs miteinander. 
  • Im Begriff Moderation ebenfalls enthalten ist das Wort „Modalitäten“. Die Moderation als Methode könnte auch so verstanden werden, die Modalitäten eines Gesprächs festzulegen, den Rahmen zu bestimmen und einzuhalten [...]. Im diesem Sinne ist die Moderation als eine bereits sehr alte Kulturtradition anzusehen, die ein geregeltes Zusammenleben ermöglicht. Die jeweiligen Moderationstechniken haben sich dagegen über die Jahrhunderte immer wieder verändert. [...]
[D]ie Moderationsmethode [...] ist eine Mischung aus Planungs- und Visualisierungsverfahren sowie Regeln zur Gesprächsführung und Steuerung der Gruppendynamik. [...]

(Dieter Brinkmann: Moderne Lernformen und Lerntechniken in der Erwachsenenbildung. Formen selbstgesteuerten Lernens. Bielefeld: IFKA 200. S. 119.)
 


Grundelemente der Moderationstechniken

1. Der Ablauf einer Moderation

Die verschiedenen Phasen einer Moderation wie: Orientierungs-, Arbeits- und Abschlussphase mit den verschiedenen Einzelarbeitsabschnitten: Einstieg, Sammeln, Auswählen, Bearbeiten, Planen und Abschluss mit Ergebnissicherung und ggf. Arbeitsaufträgen sind auf dem folgenden Schema übersichtlich dargestellt.
 
 
 

1. Schritt
2. Schritt
 3. Schritt
4. Schritt 
5. Schritt 
6. Schritt 
7. Schritt 
 Vorbereitung
Einstieg 
Sammlung 
Auswahl 
Bearbeitung  
Planung 
Abschluss 
Materialien bzw. der Medien für die Moderation vorbereiten
Begrüßen, ggf. Kennen- lernen, Zeit- plan verab- reden
Themenvor- schläge, Ma- terial, Frage- stellungen usw. sammeln
aus Themen- vorschlägen, Materialien usw. auswählen
ausgewählte Themen in Teilgruppen  / zusammen bearbeiten
weitere, ggf. noch aus- 
stehende  Arbeiten 
planen
Weiteres Vorgehen 
und neues Treffen absprechen
Vorarbeiten
Orientieren
Arbeiten
Arbeiten
Arbeiten
Arbeiten
Abschließen
   
(Nach: Josef W. Seifert: Visualisieren, Präsentieren, Moderieren. 8. Aufl. Offenbach 1995)


2. Sammlung und Visualisierung von Ideen, Vorschlägen und thematischen Aspekten

Für die Themenfindung, Problemdefinition, Ursachenanalyse oder Maßnahmenplanung wurden im Rahmen der Moderation verschiedene Verfahren ausgearbeitet. Am bekanntesten ist wohl die Abfrage mit Hilfe von Moderationskarten. „Ziel ist es, spontane Ideen, Gedanken, Meinungen oder Standpunkte der einzelnen Gruppenmitglieder zu sammeln und sie der gesamten Gruppe zur Weiterbearbeitung anzubieten.“ (Neuland) Es gibt dabei eine Verbindung zur kreativen Technik des „Brainstorming“. Die Abfrage auf Karten kann schriftlich oder auch auf Zuruf erfolgen. Für alle Teilnehmenden ergibt sich dadurch ein gemeinsamer Ideenpool, auf den sich die weitere Arbeit beziehen kann.

Im Rahmen der Weiterentwicklung der Methode wurden Regeln für eine Optimierung erarbeitet, die bis in die Wahl von Schrifttyp, Farbe und Größe der Aufzeichnungen hineinreichen:

  • für jede Aussage nur eine Karte benutzen,
  • maximal drei Zeilen je Karte,
  • mit Moderations-Markern in schwarzer oder dunkelblauer Farbe schreiben,
  • Stift so halten, dass beim Schreiben eine Struktur in der Schrift entsteht,
  • Groß-/Kleinschrift (nicht nur Großbuchstaben) verwenden,
  • beim Schreiben nicht sprechen.


3.  Ordnung und Clusterung von Themen-Beiträgen

Der zweite wichtige Komplex der Moderationstechniken bezieht sich auf die Ordnung und Bewertung von thematischen Stichwortsammlungen. Hierzu werden Themengruppen (Cluster) gebildet. Die Themen werden gebündelt und mit Oberbegriffen versehen. „Durch die Sortierung gleicher oder ähnlicher Aussagen erhalten der Moderator und die Gruppe eine Übersicht darüber, welche Aspekte das Problem oder die Fragestellung beinhaltet. Zudem sind die Teilnehmer noch einmal dazu aufgefordert, ihre Äußerungen zu durchdenken, indem sie Oberbegriffe finden und Einsprüche markieren.“ (Neuland). Auch hierfür gibt es wieder eine Reihe von Regeln, damit alle Teilnehmer an der Zuord-nung der Beiträge beteiligt sind und der Prozess optimiert wird.
 

4.  Bewertung durch Punktfragen

Anschließend an die Ordnung der Themenbeiträge kann sich eine Bewertung durch die Lerngruppe anschließen. Eine Fragestellung könnte z. B. die Reihenfolge sein, in der die gefundenen Themenbereiche weiter bearbeitet werden sollen. Für die Durchführung solcher Gruppenbewertungen wurden im Rahmen der Moderation eigene Verfahren entwickelt. Ein einfaches und vielfach bekanntes Verfahren ist die „Punktfrage“. Bei dieser Methode beantworten die Grupppenteilnehmer eine Frage mit Hilfe von Selbstklebe-punkten auf einem Plakat. Bei der Auswahl aus einer Themenliste können z. B. von jedem Teilnehmer ein Punkt oder mehrere Punkte für das von ihm bevorzugte Thema vergeben werden. Aus der Verteilung der Punkte ergibt sich sehr schnell ein Bild der Gruppenmeinung. [...]
 

5.  Planung von Maßnahmen (Ziel- und Zeitpläne)

Die Moderationsphasen werden in der Regel durch eine konkrete Erarbeitung von Maßnahmen-, Ziel- und Zeitplänen abgeschlossen. Hierbei geht es um die Konkretisierung der gefundenen Lösungen und um die Festlegung von Eckpunkten für die Umsetzung (verantwortliche Personen, Beiträge, Kosten, Widerstände usw.) Hierbei kann sehr gut mit Analyse- und Planungsrastem gearbeitet werden. Nicht zuletzt geht es am Ende ei-ner Moderation auch um die kritische Bewertung des gesamten Prozesses durch alle Beteiligten.
 

5.  Die Rolle des Moderators

Der Erfolg einer Moderation wird ganz wesentlich vom Verhalten des Moderators bestimmt. Ein wichtiges Element der Moderationstechniken ist daher eine charakteristische „Philosophie“ und Grundhaltung des Moderators. Moderieren ist als ein spezifischer Führungsstil im Umgang mit Lerngruppen anzusehen. Die Rolle des Moderators lässt sich folgendermaßen umreißen:
„Der Moderator ist ein Mensch, der den Beteiligten auf der einen Seite Vorgehensweisen methodischer und technischer Art anbietet, um Probleme zu lösen oder um zu lernen. Auf der anderen Seite ist es seine Aufgabe, die sozialen Prozesse zu erkennen und situativ zu regeln. Hinsichtlich der Methoden und Techniken versteht er sich der Gruppe gegenüber als Dienstleister.“ (Neuland). Er vereinbart mit der Gruppe bestimmte Spielregeln, klärt die Art und Weise des Vorgehens, versucht Menschen zu motivieren und Aufgabenstellungen vorzubereiten. Er bleibt bezogen auf das Problem neutral, ist jedoch ein sensibler Beobachter und Lenker des Gruppenprozesses.

(Dieter Brinkmann: Moderne Lernformen und Lerntechniken in der Erwachsenenbildung. Formen selbstgesteuerten Lernens. Bielefeld: IFKA 200. S. 120 - 122.)
 

6.  Fragestil

Fragen ist das Werkzeug, mit dem wir Kommunikation in Gang setzen. Die Menschen bringen alles mit, was sie brauchen: ihr Wissen, ihren Willen, ihre Phantasie, ihre Fähigkeit, das, was ihnen fehlt, zu suchen und zu lernen. Die Aufgabe des Moderators ist es, den Austauschprozess zu organisieren, die Türen zu öffnen, die Blockaden wegzuräumen. Die Aufgabe ist, Bedürfnisse, Ziele und Meinungen sichtbar und besprechbar zu machen. Unterschiede und Gemeinsamkeiten müssen bewusst gemacht werden, um gemeinsames Handeln zu ermöglichen oder um sichtbar zu machen, wo die Grenzen gemeinsamer Verantwortung liegen.

Bestimmte Fragetypen sind geeignet, diese Ziele zu erreichen, andere ungeeignet.

Wenn ich frage, will ich etwas wissen, was ich noch nicht weiß: 

  • keine Lehrerfragen 
  • keine Fangfragen 
  • keine Suggestivfragen
Wenn ich frage, bin ich neugierig, will ich neugierig machen auf die Antwort: 
  • keine banalen, langweiligen Fragen 
  • keine Wissensfragen 
  • keine peinlichen Fragen
Wenn ich frage, will ich die Ohren öffnen, die Aufmerksamkeit wecken: 
  • keine "Killerfragen" 
  • keine Rechtfertigungsfragen
Wenn ich frage, interessieren mich die vielen, individuell unterschiedlichen Meinungen:
  • keine Ja-Nein-Fragen 
  • keine theoretischen Fragen
Wenn ich frage, will ich Vertrauen wecken, füreinander anwärmen, Mauern abbauen:
  • keine „Wer-ist-schuld-Fragen“ 
  • keine abwertenden / beschönigenden Fragen (Wortwahl!)
Wenn ich frage, wende ich mich an die Gruppe, will nicht Einzelne beschämen, verletzen, ausschließen: 
  • keine Fragen, die zu Gesichtsverlust führen 
  • keine Fragen, die Einzelne hervorheben
Die Kunst ist es, die richtige Frage im richtigen Augenblick zu stellen!

(Methodentraining für die Schule von morgen. Hrsgg. von der Bundesarbeitsgemein-schaft der Jungen Philologen im DPHV. Krefeld 1998. S. XI/7.)
 

Bedeutung der Moderationstechnik für das selbstgesteuerte Lernen

  • Moderationstechniken optimieren die selbstgesteuerte Arbeit von (Lern-)Gruppen. Dabei wird auch auf Elemente der Themenzentrierten Interaktion, auf Visualisierungstechniken und auch auf Elemente der kreativen Ideenfindung zurückgegriffen. 
  • Moderationstechniken ermöglichen es, dass selbstgesteuerte Lerngruppen produktiver werden und dass das Lerngeschehen transparenter gemacht wird. Die Abstimmung in der Gruppe wird intensiviert, und alle werden nach Möglichkeit an der Bearbeitung eines Themas beteiligt. Die Lösungen werden schriftlich für eine weitere Be-arbeitung fixiert. [...]
  • Im Kern sind Moderationstechniken Techniken zur Selbststeuerung der Arbeit von Gruppen. Die Rolle des Moderators ist dabei eine Spezialfunktion dieser selbstgesteuerten Lerngruppen. Die Verantwortung für den Lernprozess liegt sehr stark bei den Teilnehmern.
  • Zugleich sind moderierte Gruppen durch eine erhöhte Aktivität der Teilnehmenden und ein Verständnis der Teilnehmer als selbstorganisierte Akteure des Prozesses gekennzeichnet.


(Dieter Brinkmann: Moderne Lernformen und Lerntechniken in der Erwachsenenbildung. Formen selbstgesteuerten Lernens. Bielefeld: IFKA 200. S. 123f.) 


 
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