Fachmethoden Wirtschaft/Politik
 

Politische Karikaturen analysieren 1 

 

Begiffsbestimmung

Die Karikatur ist eine visuelle Form der Satire und als solche einer Komik verpflichtet, die auf einem ideell oder materiell bedingten gesellschaftlichen Konflikt beruht. Sie ist eine parteiliche Kritik, deren Bedeutung von der aktuellen Betroffenheit des Betrachters abhängt. Ziel der karikaturistischen Kritik ist, wesentliche Fehler und Mängel des dargestellten Objektes aufzudecken und es so und durch die Art und Weise der Präsentation der Lächerlichkeit preiszugeben. 

(Dieter Grünwald: Die Karikatur im Unterricht. In: Kunst und Unterricht Nr. 43 (1977) S. 16.)
 

Als konstitutives Stilmerkmal der Karikatur kann dabei das der Verfremdung festgemacht werden. Das ins Auge gefaßte politische Handlungsfeld mit dem ihm eigenen sachlichen oder moralischen Problem wird in ein anderes allgemein bekanntes und vertrautes Handlungsfeld übertragen, bleibt aber in diesem erkennbar durch Porträtähnlichkeit, durch die Bildsymbolik oder durch den Text. [...] Der die Karikatur veranlassende Sachverhalt wird durch seine Verfremdung auf eine neue und intensivere Weise im Sinne der grundlegenden Intention, eine zentrale Wahr heit aufzudecken, fragwürdig gemacht, indem Gegenwärtig-Zeitbedingtes mit gleichsam Zeitlosem verknüpft wird. Das in der Karikatur ausgesprochene Urteil über ein gegenwärtiges Geschehen verstärkt sich, indem es in der Verfremdung Sachverhalte heranzieht, denen "zeitlose" Wahrheiten zu eigen sind [...].

Alle übrigen Stilmittel der Karikatur haben neben dem der Verfremdung nur additiven Charakter, können auftreten, sind aber nicht unabdingbar. Die Verknüpfungen von Bild und Text, auf deren wechselseitiger Bedingtheit häufig der zündende Gedanke beruht, ist zwar die Regel, aber es gibt auch viele Karikaturen, die auf einen Text verzichten. Auch die Übertreibung im Sinne des ursprünglichen Wortsinnes von "caricatura" (ital. Zerrbild, Spottbild) ist für ihr modernes Erscheinungsbild nicht konstitutiv [...]. Auch die Komik ist nur ein additives Stilmittel. Sie kann gewollt sein, um Schein zu zerstören und Wahrheit aufzudecken, hohle Ansprüche zu entlarven, Verfehlungen bloßzustellen. Sie kann sich mittelbar durch Verfremdung und Überzeichnung ergeben, weil bekannte Akteure in ungewöhnlicher Kostümierung und in ungewöhnlichen Ausdrucksformen und Handlungszusammenhängen erscheinen, ist dann oft weniger Ziel als vielmehr Folge der Verfremdung. Viele Karikaturen aber wollen kein Lachen auslösen, sondern im Gegenteil erschrecken oder sogar schockieren. [...] 

Die Bereiche, die "zeitlose" Wahrheiten repräsentieren und die in der Karikatur der Verfremdung politischen Geschehens dienen, sind vielgestaltig, dem Prinzip nach fast unerschöpflich. Sie setzen jedoch voraus, daß sie dem Betrachter vertraut sind, er könnte sonst der Karikatur die Aussage nicht entnehmen. Eine wichtige Rolle spielt der jeder- mann vertraute Alltag mit der Arbeits- und Berufswelt, mit Liebe, Ehe, Familie, Wohnung, Versorgung, Schule, Sport u. ä. m. Großer Beliebtheit erfreut sich auch die Kunst, die Musik ebenso wie Malerei und Bildhauerei, besonders aber die Literatur - die gehobene ebenso wie die Kinder- und Jugendliteratur, wie Sage und Märchen: Faust, Gretchen und Mephisto, Götz von Berlichingen, der Zauberlehrling, der Erlkönig, die Glocke, Wilhelm Tell, Biedermann und die Brandstifter; geflügelte Worte, die sich aus ihrem literarischen Umfeld gelöst haben, aus der mythologischen Welt Herkules, Siegfried und Hagen, nicht zuletzt auch Robinson, Struwwelpeter, Suppenkasper, Max und Moritz, Rotkäppchen, Hänsel und Gretel, Hans im Glück. Oft wird die religiöse und kirchliche Welt als normgebender Hintergrund für aktuelles politisches Geschehen herangezogen: das Paradies, der Sündenfall, Sintflut und Arche Noah, die Gesetzes- verkündigung auf dem Sinai, das goldene Kalb, die Durchschreitung des Roten Meeres; Kloster, Predigt, Beichte. Auch der antike und - früher mehr als heute - der germanische Götterhimmel treten in Erscheinung. Politisches Geschehen der Gegenwart drängt naturgemäß zu historischen Parallelen. Diese werden gesucht von der antiken und germanischen Welt bis an den Rand der Gegenwart: Von der Belagerung und Eroberung Trojas (das trojanische Pferd) über die Ermordung Cäsars, die Völkerwanderung, den Gang nach Canossa, die Kreuzzüge, Luthers Thesenanschlag, Ludwig XIV. ("Der Staat bin ich"), Napoleon (besonders Rußlandfeldzug und Verbannung), Bismarck bis hin zum NS-Reich. Auch die natürliche Umwelt wird zur Verfremdung herangezogen. Besonders Tiere werden gern zu politischen Bedeutungsträgern gemacht: Fuchs, Lamm, Schlange, Schnecke, Taube, Wolf, Esel, Kamel, Strauß repräsentieren bestimmte Eigenschaften und Verhaltensweisen oder auch Abläufe (Hase und Igel). Na- turgemäß wechseln die Verfremdungsbereiche mit der sich wandelnden Bildungswelt. Die Karikaturen des 19. Jahrhunderts konnten auf ein anderes Bildungswissen zurückgreifen als die der Gegenwart.

(Wolfgang Marienfeld: Politische Karikaturen. In: Geschichte lernen 3. Jg. (1990) H. 18, S. 18f.)


 
Typologie

In dem weiten Feld der politischen Karikaturen sind mannigfache Variationen anzutreffen. Versucht man, unterschiedliche strukturelle Merkmale zu erfassen, um damit Ordnung in die Vielfalt hineinzubringen, so bietet sich für den Aufbau einer Typologie an, einmal von der formalen Darstellungsstruktur und zum anderen von der inhaltlichen Objektstruktur auszugehen. Hinsichtlich der grundlegenden Darstellungsstruktur lassen sich apersonale Sachkarikatur, personale Typenkarikatur und personale Individualkarikatur unterscheiden. 


 
Typologie Formale Struktur I. Apersonale
Sachkarikatur
II. Personale
Typenkarikatur
III. Personale
Individualkarikatur
Inhaltliche Struktur . . . .
A. Ereigniskarikatur . . . .
B. Prozesskarikatur . . . .
C. Zustandskarikatur . . . .

 
Die Sachkarikatur bedient sich - obwohl sie auf politisches, also im letzten immer personales Handeln abzielt - keiner Personen, sondern stellt ihre Aussagen auf Sachen oder Gegenstände ab, die sich für den Betrachter jedoch personal übersetzen. Die Sachkarikatur tritt verhältnismäßig selten auf.

Dasselbe gilt für die personale Typenkarikatur, in der handelnde Einheiten - Staaten, Völker, soziale Gruppen, Institutionen und Verbände - auf einen Individualtypus hin stilisiert werden, dessen Ausstattungsmerkmale zum Rückschluß auf die gemeinte Einheit veranlassen: Die Figur des Michel repräsentiert die Deutschen oder Deutschland, Marianne die Franzosen oder Frankreich, der Yankee die Amerikaner oder die USA, vornehme Kleidung und Zylinder den Unternehmer, Latzhose und Schutzhelm den Arbeiter usw. Der die handelnde Einheit repräsentierende Individualtypus kann auch Tiergestalt annehmen: Der britische (auch der bayerische) Löwe, der russische (auch der Berliner) Bär, der amerikanische Weißkopfadler, der chinesische Drache, das australische Känguruh. Die personale Typenkarikatur hatte früher, als die Kenntnis individueller Gesichtszüge wenig verbreitet war, eine deutlich größere Verbreitung als heute.

Unter den Bedingungen moderner Massenkommunikation mit ihrer Bilderflut hat die personale Individualkarikatur die größte Verbreitung gewonnen. Der hohe Bekanntheitsgrad der politisch Verantwortlichen sichert zu, daß individuelle Gesichtszüge, Gestalt- oder Kleidungsmerkmale wiedererkannt werden, die dargestellte Person also eindeutig identifizierbar ist, so daß es zumeist überflüssig wird, sie durch ein Namensschild zu kennzeichnen. Die der Identifikation dienenden Merkmale können durch ständige Wiederholung eine so unmittelbare Signalwirkung gewinnen, daß sie sich verselbständigen: Die berühmten drei Haare Bismarcks machten diesen eindeutig erkennbar, auch wenn von der Darstellung des Gesichtes oder der Gestalt abgesehen wurde.

Zu einer gänzlich anderen Einteilung der Karikaturen gelangt man, wenn man von der formalen Struktur absieht, vielmehr ihre Inhaltlichkeit ins Auge faßt. Auch hierbei lassen sich drei Typen unterscheiden: die Ereigniskarikatur, die Prozeßkarikatur und die Zustandskarikatur.

Die Ereigniskarikatur bezieht sich auf ein punktuelles Geschehen im historischen Prozeß, ein Tagesereignis, ein Ereignis von unmittelbarer, aber zeitlich begrenzter Aktualität. Das kann das Ergebnis einer Wahl sein, die Bildung oder der Sturz einer Regierung, ein politischer Zwischenfall, eine bedeutsame Rede, eine politische Konferenz, eine Staatsbesuch, der Ausbruch eines Konfliktes u. ä. mehr.

Die Prozeßkarikatur hebt auf geschichtliche Verläufe ab, will Wandel zum Ausdruck bringen, Wendepunkte hervor- heben, Aufstieg und Abstieg kennzeichnen, Vorher und Nachher, Intention und Ergebnis, Idee und Wirklichkeit gegenüberstellen. Sie bedient sich dabei oft der zwei- oder mehrgliedrigen Bildfolge. Die meisten Prozeßkarikaturen haben eine regressive Blickrichtung, schauen von der jeweiligen Gegenwart in die Vergangenheit zurück. [...] Einige nehmen auch von der Gegenwart ihren Ausgang und projektieren die vermutete Zukunft [...].

Der dritte Typus - die Zustandskarikatur - kann aktuelle Anlässe aufnehmen, ist aber darum bemüht, von ihnen aus dauerhafte Strukturen zu kennzeichnen, wenig wandelbare Grundverhältnisse aufzuzeigen: Herrschafts-, Gesellschafts-, Wirtschaftsordnungen. Hierhin gehören auch die Panoramakarikaturen, die eine über die Tagespolitik hin- ausreichende, allgemeine und längerfristige politische Lage kennzeichnen wollen.

Es liegt auf der Hand, daß die Grenzen zwischen den verschiedenen Karikaturengruppen fließend sind: Jedes historische Ereignis kann über sich selbst hinausweisen und entweder zeitliche Abläufe oder dauerhafte Strukturen zum Ausdruck bringen. [...] Ungeachtet der bestehenden Einordnungs- schwierigkeiten (die man vermindern kann, wenn man nach der Hauptintention des Karikaturisten fragt) erscheint es möglich, auf der Grundlage der beiden Klassifikationsverfahren eine Matrix zu erstellen, die jede Karikatur nach formalen und nach inhaltlichen Strukturmerkmalen einordnungsfähig, das weite Feld der Karikaturen damit gliederungsfähig macht.

(Wolfgang Marienfeld: Politische Karikaturen. In: Geschichte lernen 3. Jg. (1990) H. 18, S. 16 18.)


 
Stilmittel

Übertreibung (Hyperbel)
Zur Hyperbel (Übermaß) greift der Karikaturist, wenn er durch übertriebene, überdeutliche Darstellung in der Form und im Inhalt das Charakteristische und Wesenhafte des Karikierten darstellen will. Typische Attribute werden übermäßig vergrößert. [...] Die Typendarstellung ist nicht persönlich gemeint, sondern hat die Funktion eines allgemeinen Straf- und Spottbildes. Die überdeutliche Pose zeigt als ein typisch-charakteristisches Signum Wesenhaftes des Karikierten. Sie wird bis zum unwirklich Lächerlichen übertrieben und kritisiert so, daß für den Dargestellten die Äußerlichkeit seiner "Schau" im Grunde wichtiger ist als, seine inhaltliche Leistung. [...] Das inhaltlich Bedeutende wird auch, abweichend von der naturalistischen Darstellung, graphisch bedeutend, d. h. auffallend übergroß hervorgehoben. [...] Die Darstellung des Karikierten beschränkt sich auf das Wesentliche, das wiederum stark übertrieben verdeutlicht werden kann. Komplizierte Zusammenhänge werden komprimiert, bildlich vereinfacht und so durchschaubar. [...] [D]ie Karikatur [hebt] gleichsam wie ein Zerrspiegel Charakteristisches hervor und [macht] so durch die Verzerrung die verzerrte Wirklichkeit sichtbar: die herabgesetzten Kleinen dienen den snobistischen Großen. Verzerrte Physiognomie wird in ihrer Häßlichkeit zum Symbol des charakterlich bzw. rollenmäßig Häßlichen. Die Analyse hat die Aufgabe, zu untersuchen, ob die Häßlichkeit des Dargestellten lediglich äußerlicher Vorwand einer rein ideell begründeten Verspottung ist oder ob sie [...] tatsächlich symbolisch zu verstehen ist. 

Verallgemeinerung und Typisierung (Synekdoche)
Die Synekdoche (Mitverstehen bzw. Mitaufnehmen eines Ausdrucks durch einen anderen) stellt einen engen Begriff durch einen umfassenden oder umgekehrt dar. Am häufigsten ist die Form des pars-pro- toto. Reichtum wird durch einen Beutel mit Geld, Hunger durch eine Fischgräte symbolisiert. Auf der Synekdoche beruhen die vielen "Typen" der Karikatur. Einzelne Attribute werden herausgestellt und verallgemeinert. Der "deutsche Michel" steht für "die" Deutschen bzw. für Deutschland, eine verlauste, bärtige Gestalt in Pelzbekleidung für "die" Russen. Auch hier muß die Analyse Klischee- vorstellungen und Vorurteile zurechtrücken, denn mit der automatischen Rezeption dieser Typen werden unbefragt Werturteile übernommen.

Ironische Hervorhebung (Litotes) 
Die Litotes (Einfachheit) ist eine stark ironische Technik. Im Sprachbereich verstärkt sie einen Begriff durch die Ver- neinung des Gegenteils, z. B.: "Das ist nicht übel!". Die Karikatur hat sich diese "uneigentliche" Sprechweise auch zu eigen gemacht, wenn sie auch nur selten in Reinform vorkommt.

Metapher und Allegorie
Die bedeutendste Technik der karikaturistischen Kritik ist die Metapher. Sie ist der wörtlich genommene, gezeichnete Vergleich, die Veranschaulichung des Wesentlichen eines Prozesses, einer Situation oder Person. Ihre Möglichkeiten sind unerschöpflich, ihre Grenzen liegen lediglich in Stimmigkeit des gewählten Vergleichs und seiner Verständlichkeit.

Die Allegorie personifiziert abstrakte Inhalte. In der Gestalt des Knochenmannes wird der Tod darstellbar, der Krieg betritt als blutvergießender Riesen-Ritter die Welt. Die Karikatur ist bemüht, anschauliche, formal und inhaltlich einleuchtende Analogien (Übereinstimmung, Ähnlichkeit) herzustellen. Sie entlarvt politische, kulturelle, allgemein-menschliche kritisierwürdige Sachverhalte oder Personen, indem sie sie in ein fremdes Kostüm kleidet. Im Vergleich werden Sport, Zirkus, Theater zur Bühne, Pflanzen, Mineralien oder Maschinen zum charakteristischen Symbol.

Zitat
Ebenfalls großer Beliebtheit erfreut sich die Technik der Zitation. Dabei dient als Vorbild das ganze Spektrum kulturell-künstlerischer Produktion: Bildende Kunst, Plastik, Film, Plakatkunst, Oper, Operette, Liedgut, Schlager, Litera- tur aller Gattungen, die historische Karikatur selbst usw. Voraussetzung ist, daß ein Bezug einsichtig wirkt und daß das Vorbild der implizierten Zielgruppe bekannt ist. Dabei kann die Verwertung des Vorbildes unterschiedlich sein. Mit der Parodie sollen das Vorbild, eine Aussage, die künstlerische Richtung, der Künstler selbst getroffen werden. Zum anderen wird die inhaltliche Aussage des Vorbildes als kritische Aussage auf das karikierte Objekt übertragen. [...] Die meistzitierte Karikatur, deren Aussage, im Personenspiel modifiziert, jeweils historisch aktualisiert wird, ist J. Tenniels "Der Lotse geht von Bord" (1890), mit der der Engländer die Ablösung Bismarcks durch Wilhelm II. kommentiert. 

Wort-Bild-Verknüpfung
Als letzter großer Bereich der karikaturistischen Technik soll das Wort-Bild-Verhältnis angesprochen werden, zumal gerade hier große Möglichkeiten für die praktische Eigenarbeit der Schüler liegen. Die Anwendung des Wortes in der Aussage der Karikatur ist vielseitig. In der einfachsten Anwendung dient die Schrift zur Erleichterung der Rezeption durch Namenszüge u. ä.; oft wird erst durch die treffende Unterschrift eine Zeichnung, ein Foto in der Gesamtaussage zum Witz bzw. zur Satire; eine entsprechende Typographie kann zur Satire werden (der Schriftsatz bekommt eine seinem Inhalt widersprechende gegenständliche Form); Buchstaben werden als graphische inhaltliche Elemente benutzt; Worte (Sprichworte, Redensarten, Redewendungen) werden wörtlich ins Zeichnerische übersetzt [...].
(Dieter Grünwald: Die Karikatur im Kunstunterricht. In: Kunst + Unterricht Nr. 43 (1977) S. 22 25.)


 
Interpretation

Der Denkprozeß, der der Analyse einer Karikatur zugrundeliegt, kann in fünf Phasen unterteilt werden:

1.   Erkennen und Erfassen der bildlichen Darstellung der Karikatur (Beschreiben)
Grundvoraussetzung für das Verständnis einer Karikatur ist, daß die bildliche Darstellung genau erkannt und in ihren Details (Aussehen, Haltung, Mimik usw.) präzise beschrieben wird.

2.   Erkennen und Entschlüsseln der in der Karikatur verwendeten Symbole (Verstehen)
Die Symbole müssen nicht nur erkannt werden, sie müssen auch in ihrer Bedeutung bekannt sein. Ikonische Zeichen sind aufgrund ihrer Darstellung normalerweise aus sich selbst heraus verständlich (z. B. Fessel für Unfreiheit, Pfer- degeschirr für Lenkung und Unterdrückung). Die Bedeutung arbiträrer Zeichen beruht auf gesellschaftlicher Konvention, die man kennen muß (z. B. Michel für die Deutschen bzw. Deutschland, Hahn für Frankreich, Waage für Gerechtigkeit).

3.   Übertragung des Dargestellten auf die historisch-politisch-soziale Situation, auf die sich die Karikatur bezieht (Anwenden)
Der Sachverhalt, auf den sich die Karikatur bezieht, muß zumindest in den Grundzügen bekannt sein (Wissen). Probleme ergeben sich bei Karikaturen, die sich auf historische Ereignisse beziehen; denn die politische Wirkung einer Karikatur beruht gerade auf der unmittelbaren Verknüpfung der Darstellung mit der angesprochenen Situation durch den Betrachter. 

4.   Erfassen der Aussage der Karikatur und Erkennen der aufgezeigten Widersprüche, der Kritik und der Intention des Autors (Erklären)
Die Karikatur geht über das Aufdecken charakteristischer Wesenszüge einer Situation hinaus, sie wertet und kom- mentiert das Geschehen.

5.   Beurteilen der Qualität der Karikatur (Urteilen)
Die ästhetische Qualität einer Karikatur hängt entscheidend davon ab, inwieweit es dem Autor gelungen ist, seine Kritik visuell angemessen umzusetzen. Auch wird an dieser Stelle gegebenenfalls über die Grenzen der Satire zu diskutieren sein. 

(Zusammengestellt und ergänzt nach: Manfred Faust: Politische Karikaturen im Geschichtsunterricht der Sekundarstufe I. In: GWU (1980) H. 12, S. 739 753; Alfred Krause: Zur Arbeit mit Unterrichts- mitteln. Berlin (DDR) 1984. S. 72 75.) 


 
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