Das elsässische Idyll

Sesenheimer Lyrik



 
 

Text 1

Johann Wolfgang Goethe

Ohne Titel

1775

Mir schlug das Herz; geschwind zu Pferde, 
Und fort, wild, wie ein Held zur Schlacht!
Der Abend wiegte schon die Erde, 
Und an den Bergen hieng die Nacht; 
Schon stund im Nebelkleid die Eiche, 
Ein aufgethürmter Riese, da, 
Wo Finsterniß aus dem Gesträuche 
Mit hundert schwarzen Augen sah.

Der Mond von seinem Wolkenhügel, 
Schien kläglich aus dem Duft hervor; 
Die Winde schwangen leise Flügel, 
Umsausten schauerlich mein Ohr; 
Die Nacht schuf tausend Ungeheuer 
Doch tausendfacher war mein Muth; 
Mein Geist war ein verzehrend Feuer, 
Mein ganzes Herz zerfloß in Gluth.

Ich sah dich, und die milde Freude 
Floß aus dem süßen Blick auf mich. 
Ganz war mein Herz an deiner Seite, 
Und ieder Athemzug für dich. 
Ein rosenfarbes Frühlings Wetter' 
Lag auf dem lieblichen Gesicht, 
Und Zärtlichkeit für mich, ihr Götter! 
Ich hoft' es, ich verdient' es nicht.

Der Abschied, wie bedrängt, wie trübe! 
Aus deinen Blicken sprach dein Herz. 
In deinen Küßen, welche Liebe, 
0 welche Wonne, welcher Schmerz! 
Du giengst, ich stund, und sah zur Erden, 
Und sah dir nach mit naßem Blick; 
Und doch, welch Glück! geliebt zu werden, 
Und lieben, Götter, welch ein Glück!

Text 2

Johann Wolfgang Goethe

Willkommen und Abschied

1789

Es schlug mein Herz, geschwind zu Pferde! 
Es war getan fast eh gedacht.
Der Abend wiegte schon die Erde,
Und an den Bergen hing die Nacht;
Schon stand im Nebelkleid die Eiche, 
Ein aufgetürmter Riese, da,
Wo Finsternis aus dem Gesträuche 
Mit hundert schwarzen Augen sah.

Der Mond von einem Wolkenhügel 
Sah kläglich aus dem Duft hervor, 
Die Winde schwangen leise Flügel, 
Umsausten schauerlich mein Ohr; 
Die Nacht schuf tausend Ungeheuer, 
Doch frisch und fröhlich war mein Mut: 
In meinen Adern welches Feuer! 
In meinem Herzen welche Glut!

Dich sah ich, und die milde Freude
Floß von dem süßen Blick auf mich; 
Ganz war mein Herz an deiner Seite 
Und jeder Atemzug für dich.
Ein rosenfarbnes Frühlingswetter 
Umgab das liebliche Gesicht,
Und Zärtlichkeit für mich - ihr Götter! 
Ich hofft es, ich verdient es nicht!

Doch ach, schon mit der Morgensonne 
Verengt der Abschied mir das Herz:
In deinen Küssen welche Wonne!
In deinem Auge welcher Schmerz!
Ich ging, du standst und sahst zur Erden 
Und sahst mir nach mit nassem Blick:
Und doch, weich Glück, geliebt zu werden! 
Und lieben, Götter, welch ein Glück!


 
 
 
 
 
Text 3

Klaus Günzel

Mädchen, das wie ich empfindet

[...] Wer aber war sie, der Goethe in Dichtung und Wahrheit so innig und doch so unbekümmert zugleich gedenkt - und der er einst in seiner Jugend die schönsten Liebesverse widmete? [...] 

Die schöne, junge, die geheimnisvolle Elsässerin Friederike Brion, geboren in diesem Frühling, am 19. April, vor genau 250 Jahren.

Nicht ein Brief von ihrer Hand ist überliefert, auch kein authentisches Porträt. Die wenigen bekannten Bildnisse, meistens aus dem 19. Jahrhundert, sind frei stilisiert. Wo aber exakte Berichte und sonstige Quellen schweigen, konnten sich früh Mythen bilden, Kitsch in Wort und Öl, und Franz Lehár macht 1928 noch eine Operette daraus: Friederike.

Bleibt die Geschichte selbst, in Goethes Perspektive. Einundzwanzig ist er, Student der Rechts- gelehrsamkeit in Straßburg, als er der Achtzehnjährigen zum ersten Mal begegnet. In Dichtung und Wahrheit klingt das so: "Schlank und leicht, als wenn sie nichts an sich zu tragen hätte, schritt sie, und beinahe schien für die gewaltigen blonden Zöpfe des niedlichen Köpfchens der Hals zu zart. Aus heiteren blauen Augen blickte sie sehr deutlich umher, und das artige Stumpfnäschen forschte so frei in die Luft, als wenn es in der Welt keine Sorgen geben könnte; der Strohhut hing ihr am Arm, und so hatte ich das Vergnügen, sie beim ersten Blick auf einmal in ihrer ganzen Anmut und Lieblichkeit zu sehn und zu erkennen."

Es war an einem Oktobertag des Jahres 1770, als der weltläufige und heiter aufgelegte Frankfurter Patrizierspross, eingeführt durch einen Straßburger Kommilitonen, die Schwelle des Pfarrhauses von Sessenheim, eines Dorfes im Unterelsass (von Goethe beharrlich Sesenheim geschrieben), überschritt. Dort waltete der Pfarrherr Johann Jakob Brion seines Amtes, umgeben von Ehefrau, zwei noch unverheirateten Töchtern und einem Sohn. Er laborierte just an den Plänen für den Bau eines neuen Pfarrhauses. Goethe ging ihm dabei zur Hand und gewann so schnell das Vertrauen des konzilianten Mannes. Ein ländliches Idyll schien sich um Pfarrhaus und Familie zu breiten -und es ist fast mehr dieser heiter-friedvolle Zauber als die Persönlichkeit Friederikes selbst, den Goethes Erinnerung bewahrt.

Denn unmittelbar vor seiner ersten Begegnung mit der Pfarrerstochter war der empfängliche Student durch Herder mit der "Poesie des Volkes", mit Volkslied und Barden-sang, vertraut gemacht worden. So musste ihm Sesenheim geradezu als Inkarnation dieser ihm ganz neuen, von der Kraft elementarer Gefühle durchwalteten Welt erscheinen Als die heitere Jahreszeit anbrach, tanzte er mit dem Mädchen ausgelassen unter freiem Himmel und durchstreifte wilden Wegs mit ihm den nahen Oberwald. Zusammen unternahmen sie Bootspartien zu den Inseln im Rhein, der damals noch floss, wie er wollte, frei und unreguliert, und noch nicht zur schnellen Wasserstraße durchkanalisiert. Was tat es, dass die Liebenden mehr als einmal von den zudringlichen Mücken in die Flucht geschlagen wurden? Auch sie waren nur Teil einer Natur, die den Liebesfrühling so leuchtend überwölbte: "Ernsthafter jedoch und herzerhebender war der Genuß der Tag- und Jahreszeiten in diesem herrlichen Lande. Man durfte sich nur der Gegenwart hingeben, um diese Klarheit des reinen Himmels, diesen Glanz der reinen Erde, diese lauen Abende, diese warmen Nächte an der Seite der Geliebten oder in ihrer Nähe zu genießen. Monatelang beglückten uns reine ätherische Morgen, wo der Himmel sich in seiner ganzen Pracht wies, indem er die Erde mit überflüssigem Tau getränkt hatte."

Von den etwa dreißig Briefen, die Goethe in jenen knapp zehn Monaten an die Freundin geschrieben hat, ist nur das Konzept des allerersten erhalten: "Liebe neue Freundinn, Ich zweifle nicht Sie so zu nennen; denn wenn ich mich anders nur ein klein wenig auf die Augen verstehe, so fand mein Aug, im ersten Blick, die Hoffnung zu dieser Freundschafft in Ihrem, und für unsre Herzen wollt ich schwören; Sie, zärtlich und gut wie ich Sie kenne, sollten Sie mir, da ich Sie so lieb habe, nicht wieder ein Bissgen günstig seyn? ... "

Geblieben aber ist vor allem eine Hand voll Gedichte, die zu den schönsten deutscher Sprache gehören, so bewegt, so stürmisch und drängend, kühn und innig wie am ersten Tag. Mit einem gemalten Band ("Kleine Blumen, kleine Blätter / Streuen mir mit leichter Hand ..."), Willkommen und Abschied ("Es schlug mein Herz. Geschwind zu Pferde!...") sowie das Maifest ("Wie herrlich leuchtet / Mir die Natur! ...") gehören dazu; 1775 hat Goethe sie in Friedrich Heinrich Jacobis Düsseldorfer Literaturzeitschrift Iris veröffentlicht. Und selbst in dem wohl zur selben Zeit entstandenen, viel geliebten, viel zitierten Heidenröslein, diesem Kunstvolkslied, scheint noch Friederikens Gegenwart nach: "Sah ein Knab' ein Röslein stehn ..."

Der mutwillige Knabe Goethe, der nimmt und zerbricht. Ein dauerndes, gar lebenslanges Dasein an der Seite des Mädchens hat er sich wohl selbst auf dem Höhepunkt seiner Leidenschaft kaum vorstellen können. Gehörten doch die beiden jungen Menschen ganz unterschiedlichen Gesellschaftssphären an. Und so anrührend, so ewig maienhaft Friederike dem jungen Poeten auch in ihrem Sesenheimer Pfarrhaus-Idyll erschien - in der Stadt, im eleganten Straßburg, wirkte sie auf den jungen Juristen eher anachronistisch, wie er sich selbst gestehen musste, als sie ihn dort zusammen mit Mutter und Schwester besuchte.

War es daher eine Überraschung, dass sich die Briefe, die Goethe aus Sesenheim an seinen Straßburger Vertrauten, den Aktuar Johann Daniel Salzmann, schrieb, immer öfter Anflüge von Ratlosigkeit und einem schlechten Gewissens mischten? "In meiner Seele ists nicht ganz heiter", ließ er Mitte Mai 1771 den Freund ein wenig orakelhaft wissen, "ich binn zu sehr wachend, als dass ich nicht fühlen sollte, dass ich nach Schatten greife."

Einen reichlichen Monat später, während seines längsten, insgesamt fünf Wochen dauernden Aufenthalts in Sesenheim, teilte der nachdenklich gewordene Liebhaber mit: "Sind nicht die Träume deiner Kindheit alle erfüllt? frag ich mich manchmal, wenn sie mein Aug in diesem Horizont von Glückseeligkeiten herumweidet: Sind das nicht die Feengärten nach denen du dich sehntest? - Sie sinds, Sie sinds! Ich fühl es lieber Freund, und fühle dass mann um kein Haar glücklicher ist wenn man erlangt was man wünschte."

Anfang August 1771 nimmt Goethe, gerade zum Lizentiaten der Rechte promoviert, Abschied - ohne zu sagen, dass es für immer ist. "Als ich ihr noch die Hand vom Pferde reichte, standen ihr die Tränen in den Augen, und mir war sehr übel zumute." In Willkommen und Abschied hat er die Szene poetisch verwandelt: "Ich ging, du standst und sahst zur Erden / Und sahst mir nach mit nassem Blick ..."

Das Geständnis, dass die ganze bewegende Geschichte nun an ihr Ende gelangt war, offenbarte Goethe seiner Geliebten erst von Frankfurt aus. Ihre Antwort darauf habe ihm das Herz zerrissen: "Ich fühlte nun erst den Verlust, den sie erlitt, und sah keine Möglichkeit, ihn zu ersetzen, ja ihn nur zu lindern." In der Autobiografie folgt dann sogleich der Schlüsselsatz, den man ein schnörkelloses Geständnis nennen darf: "Hier war ich zum ersten Mal schuldig; ich hatte das schönste Herz in seinem Tiefsten verwundet, und so war die Epoche einer düsteren Reue, bei dem Mangel einer gewohnten erquicklichen Liebe, höchst peinlich, ja unerträglich."

Der Weislingen im Götz von Berlichingen sowie Clavigo, die beide an ihren Geliebten treulos handeln, sind ohne diesen frühen Gewissenskonflikt nicht zu verstehen, und vielleicht rumort ein letzter, nicht zu beschwichtigender Nachklang davon noch in der Gretchen-Tragödie des Faust. Ein Exemplar des soeben erschienenen Götz ließ der Verfasser ins Sesenheimer Pfarrhaus schicken: "Die arme Friedrike wird sich einigermaßen getröstet finden, wenn der Untreue vergiftet wird." [...]

Die kuriose Zumutung, der Verlassenen den abtrünnigen Geliebten zu ersetzen, hat dann, genau ein Jahr später, ein unruhig schweifender junger Mann übernommen, der zuletzt Goethes Straßburger Bekanntenkreis angehörte. Es war der 21-jährige Jakob Michael Reinhold Lenz aus dem fernen Livland, der jetzt als Hofmeister zweier Barone in dem nahen Garnisonsstädtchen Fort Louis kampierte und da ein erbärmliches Dasein frisiere; sein furioses Drama Der Hofmeister erzählt davon in makabrer Komik.

Eine seltsame, etwas geisterhafte Affäre: In Friederike verliebte sich der junge Mann mit allem Gefühlsüberschwang, den er seiner verehrenden Freundschaft zu Goethe schuldig zu sein glaubte. Im Sesenheimer Pfarrhaus ging er einen Sommer lang aus und ein und hielt einmal sogar, als Kandidat der Theologie, eine Predigt in der Kirche. Die Gedichte, zu denen auch ihn das Mädchen inspirierte, wurden zeitweise für Verse Goethes gehalten.

Merkwürdigerweise tritt aus ihnen das Bildnis der Verlassenen viel deutlicher hervor als bei Goethe. Über Lenz' Friederike liegt freilich die Melancholie einer unglücklichen Frau, die den Ersten und Einzigen nicht vergessen kann: "Denn immer, immer, immer doch / Schwebt ihr das Bild an Wänden noch, / Von einem Menschen, welcher kam / Und ihr als Kind das Herze nahm. / Fast ausgelöscht ist sein Gesicht, / Doch seiner Worte Kraft noch nicht. / Und jener Stunden Seligkeit, / Ach jener Träume Würklichkeit ..."

Einmal noch, auf der Rückkunft von seiner zweiten Reise in die Schweiz, hat Goethe, der Unver- gessene, die ledig Gebliebene besucht, in den letzten Septembertagen des Jahres 1779. Der Brief, den er darüber an Frau von Stein nach Weimar schreibt, lässt die Erinnerungen in einen friedlichen Abgesang ausschwingen, obwohl, wie er im gleichen Brief einräumt, seine Flucht einst der Geliebten "fast das Leben kostete": "Nachsagen muss ich ihr dass sie auch nicht durch die leiseste Berührung irgend ein altes Gefühl in meiner Seele zu wecken unternahm. Sie führte mich in iede Laube, und da musst ich sizzen und so war's gut. ... Ich blieb die Nacht und schied den andern Morgen bey Sonnenaufgang, von freundlichen Gesichtern verabschiedet dass ich nun auch wieder mit Zufriedenheit an das Eckgen der Welt hindencken, und in Friede mit den Geistern dieser Ausgesöhnten in mir leben kan."

Friederikes ferneres Leben ist von Gerüchten verschleiert, die undurchdringlich bleiben. Ein junger Theologe namens Gambs soll ein Verhältnis mit ihr unterhalten, ein katholischer Priester gar ihr eine Niederkunft eingetragen haben, die vertuscht worden sei. Dergleichen Klatsch begann sich an sie zu heften, als sie schon nicht mehr lebte und zu einer Person von öffentlichem Interesse, ja schließlich zur Legende geworden war.

Nach dem Tod ihrer Eltern war sie in mehreren elsässischen und badischen Pfarrhäusern als Wirtschafterin und Gehilfin tätig, meistens zusammen mit ihrer ebenfalls unverheiratet gebliebenen Schwester Sophie. Den kargen Lebensunterhalt suchte die junge Frau durch einen kleinen Handel mit Töpfer- und Webwaren aufzubessern, was ihrer oft gerühmten Mildtätigkeit zugute kam. Allein das Kirchenbuch von Rothau in den Mittelvogesen nennt sie fünfmal als Taufpatin.

Sie starb, einundsechzigjährig, im Haus ihres Schwagers zu Meißenheim bei Lahr im Badischen: am 3. April 1813, einem Samstag, just dem Tag, an dem Goethe in Weimar den dritten Teil seiner Auto- biografie beendete, der auch Friederike Brion ein Denkmal setzte. Der Stein auf ihrem badischen Grabhügel erhielt erst 1866 die von dem Wiener Literaten Ludwig Eckardt verfertigte Inschrift: "Ein Strahl der Dichtersonne fiel auf sie, / So reich, daß er Unsterblichkeit ihr lieh."

Die Schwester Sophie hielt es allerdings für richtig, die einst von Goethe geschriebenen Briefe den Flammen zu übergeben. Dem Studenten Heinrich Kruse zeigte sie jedoch 1835, drei Jahre nach dem Tod des Dichters, ein handschriftliches Büchlein, das zehn anonyme Gedichte enthielt; ein elftes sagte sie ihm aus dem Gedächtnis auf. Goethes vor mehr als einem halben Jahrhundert hingestreuten Verse standen darin, auch Lenzens poetische Huldigungen.

Doch seltsam: Diese "Urtexte" klären nichts. Im Gegenteil, das Sesenheimer Liederbuch verwirrt alles nur noch mehr. Denn plötzlich lautet manch vertrauter Vers ganz anders. Statt "Fühle, was dies Herz empfindet, / Reiche frei mir deine Hand" [...] steht da nun: "Mädchen, das wie ich empfindet, / Reich mir deine liebe Hand." Es scheint, als hätte Goethe im späteren Gedicht aus zwei gleich Liebenden, gleich Entflammten (wie sie auch im Maifest erscheinen: "O Mädchen, Mädchen, / Wie lieb' ich dich! / Wie blinkt dein Auge, / Wie liebst du mich!") nun einen sehnsuchtsvollen Bräutigam und eine keusche Braut machen wollen.

Auch das berühmte Willkommen und Abschied, von dem das kleine Sesenheimer Album nur ein Fragment enthält, wurde nach dem Erstdruck 1775 in der Iris 1789 noch einmal in zwei entschei- denden Zeilen verändert. Aus "Du gingst, ich stund und sah zu Erden, / Und sah dir nach mit nassem Blick" wurde "Ich ging, du standst und sahst zur Erden / Und sahst mir nach mit nassem Blick..." Ja, wer weint denn nun: Sie oder er? Wer verlässt wen? Schämte er sich später seiner Tränen? War gar sein Schuldeingeständnis in Dichtung und Wahrbeit nur der Versuch, den eigenen Schmerz in männliche Entschlossenheit umzustilisieren?

Oder hatten sie, ganz einfach, beide geweint?

All das macht deutlich, dass Friederike Goethe mitnichten als "Projektionsfigur" diente, wie es eine nüchtern gestimmte Literaturwissenschaft heute gerne sieht. Ihre Begegnung war wohl für beide große, doppelte Erfahrung - des Liebens und Geliebtwerdens, des Verlassens und Verlassenwerdens. Des Frühlings und der Schuld.

(Klaus Günzel: Mädchen, das wie ich empfindet. So viel Frühling war nie: Friedrike Brion liebt Goethe, Goethe liebt Friederike Brion. In: Die Zeit Nr. 14 vom 27. März 2002, S. 94.)
 


 
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