Didaktischer Arbeitkreis Lübeck
 

Kurzbiographien



 
 


 

Karl V.

(1500 - 1558)



 

"Römischer König, zukünftiger Kaiser, immer Augustus, König von Spanien, Sizilien, Jerusalem, der Balearen, der kanarischen und indianischen Inseln sowie des Festlandes jenseits des Ozeans, Erz- herzog von Österreich, Herzog von Burgund, Brabant, Steier, Kärnten, Krain, Luxemburg, Limburg, Athen und Neopatria, Graf von Habsburg, Flandern, Tirol, Pfalzgraf von Burgund, Hennegau, Roussillon, Landgraf im Elsaß, Fürst in Schwaben, Herr in Asien und Afrika" - Titel und Länder dieses zerstreuten Weltreiches, in dem die Sonne nicht unterging, hat Karl nicht durch Kriege erobert, sondern sie fielen ihm allesamt durch Erbschaft zu, als er kaum 19 Jahre alt war.

Am 12. Januar 1519 starb Kaiser Maximilian. Sein letzter Wunsch war, daß sein Enkel Karl sein Nach- folger und Erbe seiner habeburgisch-burgundischen Heiratspolitik werden sollte. Er hatte seinen Sohn Philipp, den Herzog von Burgund, mit der jüngeren Tochter des spanischen Königspaares verheiratet. Zu den beiden verbündeten spanischen Königreichen gehörten auch Sizilien, Neapel und die gerade von Kolumbus entdeckten Inseln in Amerika. Diese Heirat war gegen Frankreich gerichtet.

Karl wurde am 24. Februar 1500 in Gent in Flandern geboren, das zum Herzogtum Burgund gehörte, Er hatte, einen jüngeren Bruder (Ferdinand) und drei Schwestern. Als er sechs Jahre alt war, starb sein Vater plötzlich, seine Mutter wurde geisteskrank und zog nach Spanien zurück. Kaiser Maximilian bestimmte Karls Tante zu seiner Pflegemutter und zur Regentin von Burgund. Der schwächliche, verschlossene und kränkelnde Junge lernte zur Freude des Kaisers bald das Reiten, Fechten, Jagen und den Turnierkampf. Mit neun Jahren erhielt er einen angesehenen Gelehrten und Theologen (den späteren Papst Hadrian) als Lehrer für seine religiöse Erziehung. Als er zehn war, wurde er durch einen burgundischen Adligen in höfischer Sitte und Politik unterrichtet. Karls Muttersprache war Französisch. Fünfzehnjährig wurde en Herzog von Burgund. Ein Jahr später starb Ferdinand von Aragon, sein Großvater mütterlicherseits. Karl erbte die beiden spanischen Reiche. Er mußte allerdings den spanischen Ständen versprechen, kein Geld ins Ausland zu schicken, keine Ämter an Fremde zu vergeben, die spanische Sprache zu sprechen, was er anfangs nur schlecht konnte, und bald zu heiraten.

Hier in Spanien erhielt er dann die Nachricht vom Tode Kaiser Maximilians. Die Spanier waren nicht begeistert, als ihr junger König sich auch um die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches bewerben wollte.

Um die Kaiserkrone, die von den sieben deutschen Kurfürsten vergeben wurde, bewarb sich auch Franz I., der König von Frankreich, der sein Königreich durch Karl eingeschlossen sah. Der Papst wünschte die Wahl des Kurfürsten von Sachsen, Luthers Landesherrn. Er wollte verhindern daß der zukünftige Kaiser seine Macht auf Italien ausdehnen könnte. Aber der Kurfürst lehnte eine Kandidatur ab. Karl sparte ebensowenig mit Geld wie Franz, um die deutschen Kurfürsten zu bestechen. Er hat wohl fast eine halbe Million Golddukaten an Bestechungsgeldern ausgegeben. Den größten Teil der Summe lieh ihm das Bankhaus der Fugger. Einstimmig wurde er am 28. Juni 1519 gewählt.

Die Kurfürsten meinten, einen deutschen Fürsten aus dem Hause Habsburg gewählt zu haben. Man erwartete von ihm eine deutsche antipäpstliche Politik. Auch Luther gehörte zu denen, die hoffnungs- voll zu dem jungen Kaiser aufblickten. Sie übersahen aber, daß Karl kaum Deutsch verstand und für die besonderen Interessen der Deutschen kaum Verständnis hatte. Das zeigte schon der Titel, den er nun führte. Er sah sich als Nachfolger Karls des Großen, als christlicher Kaiser. Mächtiger als seine Vorgänger wollte er die Idee eines christlichen Weltreiches verwirklichen. Er fühlte sich als getreuer Sohn der tausendjährigen katholischen Kirche und als Kaiser verpflichtet, zur Verteidigung des katholischen Glaubens seine Königreiche, sein Leben und seine Seele einzusetzen. So empörte er sich auf seinem ersten Reichstag in Deutschland, als Luther sich 1521 in Worms öffentlich weigerte, seine reformatorischen Schriften zu widerrufen Luther war für ihn ein halsstarriger Ketzer. Als Kaiser hielt er sich zwar an seine Zusage des freien Geleits für Luther (angesichts der öffentliche Meinung in Deutschland hätte er eine Gewalttat auch nicht wagen können), aber er unterschrieb das Wormser Edikt, das Luther und dessen Lehre vernichten sollte.

In den folgenden 35 Jahren kämpfte der Kaiser unermüdlich für seine mittelalterliche Idee eines christlichen Weltreiches, vorübergehend sogar erfolgreich. Aber am Ende dankte er 1556 krank und enttäuscht ab und verzichtete freiwillig auf alle Ämter und Reiche. Er konnte seine Idee nicht verwirklichen, weil sich in der Wirklichkeit zu viele Gegner gegen ihn erhoben, die er zwar vorübergehend. schlagen, aber nicht endgültig besiegen konnte,

Sein Hauptgegner war Franz I. von Frankreich. Mit ihm stritt er um den Besitz Mailands, Neapels und die Oberherrschaft eines Teils seines burgundischen Stammlandes. Trotz mehrfacher militärischer Siege scheiterten alle Versuche einer friedlichen Regelung. Karl verheiratete seine Schwester mit dem König der Franzosen und bot ihm sogar einen ritterlichen Zweikampf an. Immer fand Franz I. neue Bündnispartner, die sich wie er vor einer Stärkung der Macht des Kaisers fürchteten. Ein weiterer Gegner waren die Türken. die ab 1526 unerwartet die habsburgischen Lande seines Bruders Ferdinand bedrohten. Um die deutschen Reichsstände zur Abwehr zu gewinnen, mußte er Zugeständnisse an die protestantischen Fürsten machen und konnte so die lutherischen Ketzer nur halbherzig verfolgen. Zwar konnten die Türken abgewehrt werden, aber zu dem geplanten Kreuzzug unter seiner Führung mit Unterstützung der Könige von Frankreich und England kam es nicht. Sogar die Päpste waren häufig unter seinen Gegnern. Sie lehnten eine innere Reform der Kirche lange ab und verzögerten die Einberufung eines Konzils, das Karl forderte, um den Wünschen der Deutschen entgegenzukommen. Auch der protestantische Teil der deutschen Reichsstände hatte sich gegen den eigenen Kaiser erhoben. Karl besiegte sie zwar 1547 bei Mühlberg, machte sich aber auf dem Höhepunkt seiner Macht alle zu Gegnern, als er die Verfassung des Reiches ändern und die Rechte und Freiheiten der Kurfürsten einschränken wollte. Damit verstieß er gegen die Wahlkapitulation, die er 1520 vor seiner Krönung durch einen Eid einzuhalten gelobt hatte.

Deutsche Fürsten verbündeten sich mit dem König von Frankreich, Karl mißachtete alle Warnungen, entging 1552 nur knapp einen Gefangennahme und mußte mit seinen protestantischen Feinden einen Waffenstillstand schließen. Trotz aller militärischen Anstrengungen gelang es ihm nicht, das von den Franzosen besetzte Metz zu erobern, das die aufständischen deutschen Fürsten an Frankreich abgetreten hatten. Für Karl war es aber ein Eckstein seiner burgundischen Besitzungen. Als gar sein Bruder Ferdinand 1555 auf dem Reichstag in Augsburg das Wormser Edikt aufhob und den lutherischen Glauben als gleichberechtigt anerkannte, verweigerte der Kaiser seine Zustimmung und zog sich freiwillig aus der Politik zurück: Es liege in Gottes Hand, zu geben und zu nehmen, er sei am Ende seiner Kraft. Das Reich übergab er seinem Bruder Ferdinand, seine spanischen und burgundischen Länder erhielt sein Sohn Philipp. Bis zu seinen Tod lebte er abgeschieden in einem Landhaus neben einem Kloster in Spanien.

(Walter Knopp)
 

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