Didaktischer Arbeitskreis Lübeck

Kurzbiographien


Hammurabi

1728 - 1668 v. Chr.



 

Als Hammurabi 1792 v. Chr. die Macht in Babylon übernimmt, wird er ein kleiner König wie etliche andere im Gebiet von Euphrat und Tigris auch. In den ersten Jahren seiner Regierungszeit widmet er sich der Verwaltung seines Stadtstaates. Ein Auftrag an einen seiner Beamten zeigt, um welche Einzelheiten sich der König bekümmert: "Wenn du die Grabarbeiten am Kanal, die du jetzt unter- nommen hast, beendigt hast, so lasse im Euphrat von Larsa bis Ur die Wasserpflanzen ausreißen, entferne das Schilf und bringe ihn in Ordnung." Wenn man die beiden Städte auf der Karte sucht,  wird man feststellen, daß Hammurabi seinen Machtbereich im Verlauf seiner Regierung erheblich ausgeweitet haben muß - immerhin handelte es sich um zwei ehemals selbständige Königreiche. 

Um 1763 v. Chr. hatte Hammurabi begonnen, sein politisches Augenmerk auf andere Königreiche zu richten: seine Politik wird aggressiver. Um 1760 v. Chr. hatte er schließlich das größte Reich in Mesopotamien errungen. Den Stadtgott von Babylon - Marduk - machte er zum Herrn aller Götter in seinem Reich - und sich selbst zum Stellvertreter Marduks auf Erden. Damit unterscheidet sich Hammurabi von allen anderen Königen im Zweistromland, die sich selbst als Gottheit verehren lassen. Auf der Abbildung sieht man, wie Hammurabi in Gebetshaltung, also nicht gleichberechtigt, vor dem Sonnengott, Schamasch, steht. Schamasch ist auch der Gott der Gerechtigkeit. Auf der Abbildung erhält Hammurabi von ihm die Gesetzestexte, deretwegen er uns so bekannt ist. Am unteren Bildrand erkennt man noch einen Teil dieser Gesetzessammlung - die - in Stein gemeißelt - in allen Städten seines Reiches aufgestellt war, so daß jeder Bürger, der einen Rechtsstreit hatte, sofort erkennen konnte, was Recht war. 

Geprägt war der "Kodex Hammurabi" vom Grundsatz der differenzierten Vergeltung nach dem Wahlspruch: "Auge im Auge, Zahn um Zahn", wie wir ihn auch in der Bibel wiederfinden. Nicht Gefängnis als Vergeltung für Diebstahl, Geldstrafe als Vergeltung für Körperverletzung, sondern: "'Wenn ein Bürger den Zahn eines ihm gleichstehenden Bürgers ausschlägt, so schlägt man seinen Zahn aus" (§ 200). Ebenso hier wie daran, daß Hammurabi glaubt, einen Rechtsstreit um dreißig Sack Gerste selbst entscheiden zu müssen, zeigen sich sein Interesse am Detail und seine Furcht, selbst nebensächliche Entscheidungen aus der Hand zu geben. 

Die Übertragung der Regierungspraxis eines Stadtstaates auf ein Großreich ist offensichtlich schwierig, wenn nicht unmöglich. Hammurabi ist diese Übertragung nicht gelungen, sein Großreich hat keinen Bestand gehabt. Dennoch ist die Wirkungskraft Hammurabis so stark, daß Babylon über Jahrhunderte als politisches und über fast zwei Jahrtausende als religiöses Zentrum lebendig bleibt. Und obwohl Hammurabis Gesetzestexte in ihrer Gesamtheit die herrschende Schicht der Bürger bevorzugen, überliefern sie gleichzeitig der Nachwelt die Idee des gerechten Herrschers, dessen Gesetzestafel mit folgenden Worten endet: "Um vom Starken den Schwachen nicht entrechten zu lassen, um auch der Witwe und den Waisen Recht zu verschaffen, habe ich in Babylon meine Worte auf meinen Gedenkstein geschrieben."

(Peter Rosanowski)
 


 
 
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