Didaktischer Arbeitkreis Lübeck
 

Kurzbiographien


 
 

Gaius Julius Caesar

(100-44 v. Chr.)


Caesar entstammt einem der ältesten römischen Patriziergeschlechter, den Juliern. Sein Vater war nicht reich, in der Politik hatte er es nicht weit gebracht, und er starb, als der Sohn gerade 16 Jahre alt war. Seine Tante war mit Marius verheiratet, dem mehrmaligen Konsul und Anhänger der Volkspartei. Wie konnte ein solcher junger Adliger in der Zeit der Bürgerkriege in Rom politische Karriere machen? 

Mit 16 Jahren heiratete er Cornelia, die Tochter des Konsuls Cinna, der wie Marius ein Gegner Sullas war. Aber diese Verwandtschaft brachte den jungen Caesar in Gefahr, denn Sulla verfolgte rücksichtslos alle Feinde. Caesar verließ für mehrere Jahre Rom, ließ sich auf Rhodos in der Redekunst ausbilden und kannte bald als schlagfertiger Gerichtsredner auftreten. Die Ämterlaufbahn benutzte der politische Außenseiter, um auf sich aufmerksam zu machen und Anhänger für die Wahlen zu finden: Als einer der 20 Quästoren - dem untersten Amt - hielt er 68 auf dem Forum eine Totenrede auf seine Tante. Dabei pries er die Abstammung seiner Familie von der Göttin Venus und den römischen Königen. Als Ädil richtete er zu Ehren des verstorbenen Vaters Gladiatorenspiele aus, bei denen die Kämpfer alle in silbernen Rüstungen auftraten. Er wurde bekannt und provozierte den Senat, indem er herkömmliche Regeln verletzte. Am Ende des Jahres 65 war er hoch verschuldet. Als zufällig das Amt des Pontifex Maximus frei wurde, bewarb er sich. Gewöhnlich wählte man den ältesten und würdigsten Kandidaten. Aber Caesar setzte alles auf eine Karte, er bestach die Wähler und hatte Erfolg - und noch mehr Schulden. 

Von seiner zweiten Frau Pompeja, mit der er 6 Jahre verheiratet war, ließ er sich scheiden, denn es gab Gerüchte, sie habe ihn betrogen. Im Jahre 62 bewarb er sich um das Amt des Prätors, denn nur so konnte er im folgenden Jahr Statthalter einer Provinz werden mit Aussicht auf Eroberungen und Kriegsbeute. Aber wegen seiner riesigen Schulden durfte er Rom erst verlassen, als Crassus, der reichste Mann, mit einem Achtel seines ganzen Vermögens (830 Talente) für Caesar bürgte. Nach seiner Amtszeit in Südspanien konnte er seine Schulden bezahlen und sich um das höchste Staatsamt, das Konsulat bewerben. 

Was sich Caesar als Konsul leistete, hatte man in Rom noch nicht erlebt: Seinen Mitkonsul von der gegnerischen Senatspartei, hinderte er, gegen ein Gesetzesvorhaben Einspruch zu erheben. Bezahlte Banden schütteten einen Korb Mist auf dessen Kopf. Gegen die Verfassung ließ er über ein Gesetz abstimmen, das seine Freunde, vor allem Pompejus und Crassus, und seine Anhänger belohnte. Um nicht am Jahresende wegen seiner Vergehen angeklagt zu werden, ließ er sich für 5 Jahre die Provinz im südlichen Gallien und Illyrien mit 4 Legionen zusprechen. Der Senat hatte ihm nicht den Auftrag gegeben, von sich aus Krieg zu beginnen. Aber das tat Caesar. In 7 Jahren (58 - 51) eroberte er ganz Gallien und dehnte die Grenzen des Römischen Reiches bis zum Atlantik, zur Nordsee und zum Rhein aus. Dieser Krieg, in dem er ein großer Feldherr wurde, hat ihn auch zu einem berühmten Schriftsteller gemacht. Sein Buch darüber wird noch heute an Gymnasien im Lateinunterricht gelesen.

Im Jahre 49 wollte der siegreiche Feldherr sich erneut um das Amt des Konsuls bewerben. Aber während seiner Abwesenheit aus Rom hatte sich sein früherer Verbündeter Pompejus seinen Gegnern, der Senatspartei, angeschlossen. Man forderte Caesar auf, zuvor sein 11 Legionen starkes, kampf- erprobtes und ergebenes Heer bis zu einer bestimmten Frist zu entlassen. Aber Caesar mißachtete den Senatsbefehl. Er wollte der Erste in Rom sein und die Macht nicht einfach abgeben. Mit nur einer Legion begann er den Bürgerkrieg. "Dieser wahnsinnige, elende Kerl, der niemals auch nur den Hauch des Guten verspürt hat! Und da sagt er noch, er tue dies alles um seiner Ehre willen!" So entrüstete sich Cicero, Philosoph und Verteidiger der Republik. Verängstigt flohen viele Senatoren und Beamte aus Rom. Aber Caesar überraschte seine Gegner schon nach seinem ersten Sieg: Es gab unter den Gefangenen kein großes Morden wie unter Sulla. Er zeigte seine große Milde, ließ Gegner frei, nahm Soldaten, die sich ergeben hatten, in sein Heer auf und machte Pompejus ein Friedensangebot. Aber Pompejus lehnte ab, denn noch beherrschte er den größten Teil des Römischen Reiches, während Caesar nicht einmal eine Flotte hatte.

Vier Jahre dauerte der Bürgerkrieg. Am 25. Juli 46 feierte Caesar in Rom seine Triumphe über Gallien, Ägypten, Pontus und Africa. 50 Schlachten hatte er geschlagen und eine Million Gegner getötet. Als Triumphator saß er auf einem von vier Schimmeln gezogenen Wagen, einen Lorbeerkranz auf dem Haupt, ein Adlerszepter in der Hand, das Gesicht rot gefärbt - ein Abbild des Jupiters. In der durch großartige Bauwerke erneuerten Stadt ließ er Gladiatorenspiele und Theateraufführungen veranstalten. An 22 000 Tischen gab es ein Festessen. Auf dem Marsfeld wurde ein künstlicher See angelegt, auf dem zwei Flotten gegeneinander kämpften. Das Volk von Rom sollte sehen, was er geleistet hatte. Seinen Soldaten teilte er Land zu und belohnte sie aus seiner riesigen Kriegsbeute. Den eingeschüchterten Senat hatte er durch seine Anhänger erweitert. Außerordentliche Vollmachten und immer neue Ehrungen wurden für ihn beschlossen. Caesar war Alleinherrscher. Rastlos plante er einen neuen Krieg gegen die Parther. Welche Ziele er noch verfolgte, wußte niemand genau. Es gab Gerüchte, er wolle König werden. Darauf stand in der Republik die Todesstrafe. Am 15. März 44 wurde er von einer republikanischen Verschwörergruppe um Brutus und Cassius vor einer Senatssitzung durch 23 Dolchstiche getötet. Aber die Republik konnten sie nicht wiederherstellen. In dem folgenden Bürgerkrieg siegte sein Großneffe Octavian, den Caesar in seinem Testament als Erben seines Namens und seines Vermögens eingesetzt hatte.

(Walter Knopp)
 


 
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