Didaktischer Arbeitkreis Lübeck
 

Kurzbiographien


 
 

Kaiser Friedrich I. (Barbarossa)

1152 - 1190


 
 

Friedrich, Herzog von Schwaben, war fast 30 Jahre alt, als er überraschend König des Heiligen Römischen Reiches wurde: Auf dem Totenbett übergab Konrad II. nicht seinem eigenen sechsjährigen Sohn, sondern seinem Neffen die Herrschaftszeichen des Reiches und bestellte ihn damit zu seinem Nachfolger. Ihm traute Konrad die Lösung der Probleme zu, die er selbst nicht bewältigt hatte: den langen, blutigen Streit zwischen Staufern und Welfen beizulegen, die Macht des Königs in Deutsch- land und Italien zu stärken und seine Stellung gegenüber dem Papst zu behaupten. Friedrich war fromm, beherrschte alle kriegerischen Fähigkeiten, konnte gut reden (aber nicht in Lateinisch) und konnte aus Fehlern lernen. Bereits wenige Tage nach dem Tode Konrads wählten die Reichsfürsten ihn, dessen Vater ein Staufer und dessen Mutter eine Welfin war, fast einstimmig zum König. Am 9. März 1152 wurde er in der Pfalzkapelle in Aachen gekrönt und nahm auf dem Stuhl Karls des Großen Platz.

Friedrich regierte 38 Jahre lang, länger als viele andere deutsche Kaiser des Mittelalters. Bekannt ist er unter dem Namen "Barbarossa" (Rotbart). So nannten ihn die Italiener wegen seiner rotblonden Haare. Von seiner ersten Frau ließ er sich 1152 scheiden. Vier Jahre später heiratete er die erst 12jährige Beatrix von Burgund, die ihm zwölf Kinder gebar. Bekannter als andere Kaiser wurde er durch die vielen Sagen, die in späterer Zeit entstanden: Er sei gar nicht tot, sondern schlafe nur mit seinen bewaffneten Rittern im Kyffhäuserberg in Thüringen. Wenn die Zeit kommt, werde er erwachen und wiederkehren und ein mächtiges, einheitliches deutsches Reich schaffen.

Das sind natürlich blühende Wunschvorstellungen: Friedrich Barbarossa ertrank am 10. Juni 1190 auf seinem Kreuzzug im Fluß Saleph im Gebiet der heutigen Türkei. Trotz aller Warnungen seiner Begleiter hatte er sich nach einem beschwerlichen Ritt in das eiskalte Wasser gestürzt und wurde von der Strömung mitgerissen. Seine Knochen wurden in Antiochia in einem goldenen Schrein beigesetzt, aber konnten in den Kreuzzugswirren nicht mehr nach Deutschland gebracht werden. Sie gingen verloren. Und so wollte man an den Tod nicht glauben.

Wie hat der König die anstehenden Aufgaben und Probleme bewältigt?

Den verheerenden, bürgerkriegsähnlichen Streit zwischen Staufern und Welfen konnte er zunächst beilegen. Er überließ dem welfischen Sachsenherzog Heinrich dem Löwen, der ja sein Vetter war, auch das Herzogtum Bayern, ferner Gebiete in Italien und das Recht, die Bischöfe in Oldenburg, Ratzeburg und Mecklenburg zu ernennen. Friedrich nahm es hin, daß der Herzog in Norddeutschland wie ein König regierte. Auch mit den anderen großen Adelsfamilien arbeitete er von Anfang an zusammen. Er achtete ihre Rechte, denn er brauchte ihre Hilfeleistungen im Kriegsfall.

Er bemühte sich aber auch besonders darum, seine eigene Hausmacht auszubauen und zu stärken. Er gründete Städte und ließ viele Burgen errichten, so Trifels, Frankfurt, Nürnberg und Gera. Macht und Reichtum eines Herrschers wurden damals an der Zahl seiner Burgen gemessen. Die Burgen ließ er von ursprünglich unfreien Dienstmannen (Ministerialen) verwalten. Da der König keine Hauptstadt hatte, reiste er von Pfalz zu Pfalz. Besonders häufig weilte er in Regensburg, Nürnberg, Augsburg und Ulm. Die Bauern sollten vor adliger Willkür geschützt werden. So erließ er einen Landfrieden und verbot die Fehden.

14 Jahre seiner Regierungszeit, also mehr als ein Drittel, verbrachte Barbarossa in Italien. Sechsmal zog er an der Spitze eines Heeres nach Süden über die Alpen. Vier Gründe veranlaßten ihn dazu: Als erwählter "König der Römer" erlangte er das Herrschaftsrecht über Deutschland, Burgund und Italien und die Anwartschaft auf die Kaiserkrone. Diese vergab der Papst in der Peterskirche in Rom. Barbarossa erhielt sie am 18. Juni 1155.

Sein zweiter Grund für seine Italienzüge war die königlichen Rechte (Regalien) von den oberitalieni- schen Städten zurückzufordern. Mailand, Pavia, Genua Piacenza, Bologna u. a. waren in den letzten Jahrzehnten wohlhabend geworden. Oberitalien wurde zum reichsten Gebiet in Westeuropa. Die Städte wählten ihre Konsuln selbst und hatten die eigentlich dem König zustehenden Rechte wie die Gerichtsbarkeit, das Münz- und Zollrecht an sich gerissen, ohne dem König die ihm zustehenden Abgaben zu entrichten. Barbarossa ließ auf einem Reichstag die von Rechtsgelehrten zusammen- gestellten Rechte verkünden und setzte Beamte ein, die die Einkünfte aus den Städten verwalten sollten. Zwischen 1158 und 1164 erhielt er so ca. 30 000 Mark Silber. Aber Mailand widersetzte sich dem Kaiser. Friedrich bestraft die Stadt, die ein Jahr lang der Belagerung standgehalten hatte, erbarmungslos: Sie mußte sich demütig unterwerfen, eine Geldbuße zahlen, ihn als obersten Herrscher anerkennen. Dann ließ er die Stadt zerstören und plündern. Die Bevölkerung mußte umgesiedelt werden. Die Königsmacht in Italien schien gefestigt zu sein.

Aber wie andere mittelalterliche Kaiser vor ihm und später geriet er in einen langen Kampf mit dem Papsttum. Das war ein dritter Grund. Der Kaiser beanspruchte von Anfang an eine gleichberechtigte und eigenständige Stellung neben dem Papst. Der Papst sah sich als übergeordnete Macht an. Da Friedrich seine Reichsrechte auch im Kirchenstaat und in Rom geltend machen wollte, kam es zum Konflikt. Seine Gegner unterstellten ihm Weltherrschaftsgelüste, ein Beweis dafür schien ihnen, daß er Karl den Großen heiligsprechen ließ und die Wahl des Papstes Alexander III. nicht anerkannte, sondern den Gegenpapst Viktor IV. unterstützte. Die Kirche war gespalten. Der Kaiser wurde gebannt. Es gelang Barbarossa 1167, Rom zu erobern und den Gegenpapst in der Peterskirche krönen zu lassen. Aber eine Malariaseuche verwandelte den Sieg in eine furchtbare Niederlage. Fast 2000 Ritter starben. Der Kaiser erkrankte. Dem Papst Alexander gelang die Flucht aus Rom. Er verbündete sich mit den oberitalienischen Städten, die sich untereinander gegen die rücksichtslose Besteuerung der kaiserlichen Beamten vereinigt hatten. Seine Gegner sahen in der Seuche den Beweis, daß Gott selbst den Übeltäter Barbarossa gezüchtigt habe. Der Kaiser floh verkleidet über Burgund nach Deutschland.

Auch der nächste Feldzug nach Italien mit einem 8000 Mann starken Heer scheiterte. Heinrich der Löwe will ihm nicht die dringend benötigte militärische Verstärkung gewähren, wenn er nicht dafür die alte Kaiserstadt Goslar erhalte. Der Kaiser fällt vor seinem Herzog auf die Knie und bettelt, diese Forderung aufzugeben. Aber der Herzog bleibt unerbittlich. 20 Jahre hatte der Staufer den Welfen mit Freundschaft und Nachsicht behandelt. Nun zeichnete sich ein neuer Konflikt ab. Die oberitalienischen Städte konnten aber nicht mehr mit militärischer Gewalt niedergeworfen werden. Auch bestand keine Aussicht, mit rücksichtsloser Gewalt die Anerkennung des kaiserlichen Gegenpapstes durchzusetzen. Der Kaiser hat wohl eingesehen, daß er auf anderem Wege vorgehen mußte. Er erklärte sich insgeheim bereit, Alexander III. und die päpstlichen Rechte und Besitzungen anzuerkennen und mit den Städten einen Waffenstillstand zu schließen. Im Frieden von Venedig (1177) gab er sich mit dem Papst den Friedenskuß. In Konstanz wurde auf einem Reichstag 1183 der Streit mit den ober- italienischen Städten beigelegt. Der Kaiser überließ ihnen gegen eine Ablösesumme von 15000 Mark Silber und eine jährliche Entschädigung von 2000 Mark Silber das Recht, ihre Konsuln frei zu wählen und die königlichen Rechte wahrzunehmen. So wurde durch seine Kompromißbereitschaft endlich eine friedliche Lösung gefunden.

Der Konflikt mit Heinrich dem Löwen wurde allerdings mit Waffengewalt entschieden. Bischöfe und Grafen hatten sich wiederholt über dessen gewalttätiges Verhalten beschwert. Der Kaiser stellte sich nun nicht mehr wie früher hinter seinen Vetter, sondern berief einen Reichstag ein, der über die Klagen entscheiden sollte. Als Heinrich nicht erschien, sprachen die Reichsfürsten die Reichsacht über ihn aus: Er verlor beide Herzogtümer, die aufgeteilt wurden. Am 25. Juli 1180 setzte sich ein Reichsheer unter der persönlichen Führung des Kaisers in Marsch. Heinrichs Städte und Burgen ergaben sich. Nun mußte Heinrich der Löwe vor dem Kaiser auf die Knie fallen. Mit Mühe erreichte Friedrich, daß sein Vetter die Besitzungen in Lüneburg und Braunschweig behalten durfte.

Vier Jahr später, zu Pfingsten 1184, zeigte sich das Ansehen, das der Kaiser nun gewonnen hatte. Zur Schwertleite seiner Söhne Heinrich und Friedrich ließ er ein glänzendes Fest in Mainz veranstalten. 70000 Menschen, darunter 40 000 Ritter und Fürsten aus allen Staaten Europas waren erschienen. Bei der Prozession in die Kirche steht er ganz im Mittelpunkt: der Erste unter den Königen Europas, der Kaiser des Abendlandes. Dann brach er zu seinem letzten, friedlichen Zug nach Italien auf. Er schlloß Frieden mit dem König von Süditalien, dem Normannen Wilhelm II. Sein 19jähriger Sohn Heinrich heiratete die mögliche Thronerbin Konstanze in Mailand. Heinrich wurde als sein Nach-folger zum König von Italien gekrönt. Auf die Nachricht von der Eroberung Jerusalems (1187) nimmt er das Kreuz: Er will als Kaiser die Rückeroberung Jerusalems nicht dem englischen oder französischen König überlassen. Aber Jerusalem wird er nicht mehr sehen.

(Walter Knopp) 
 


 
 
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