Thomas Gransow
 

Athen und die Halbinsel Attika
 

2. Topographie und Geschichte



 
 

Von zahlreichen antiken Autoren - so einem der berühmtesten Redner der Kaiserzeit, Dion von Prusa (40 – 111 n. Chr.), dem römische Historiker und Geograph Strabon (64 v. Chr. – 23 n. Chr.) und dem griechische Philosophen Platon (427 – 347 v. Chr.) – sind sehr anschauliche Darstellungen der Topographie des antiken Athen überliefert.
 
 

Text 1

Dion von Prusa

Nachdem Diogenes von Sinope aus seiner Heimatstadt verbannt worden war, hielt er sich, in Griechenland angekommen, mal in Korinth, mal in Athen auf. Er gab an, daß er die Lebensführung des Perserkönigs nachahme; denn auch der hielt sich im Winter in Babylon und Susa und bisweilen in Baktrien auf Asiens mildesten Plätzen, im Sommer in Ekbatana im Medergebiet, wo die Luft stets am kühlsten ist und der Sommer dem babylonischen Winter ähnelt. Genau so wechsele auch er selbst seine Bleibe entsprechend den Jahreszeiten.

Attika habe nämlich weder hohe Gebirge, noch durchflössen es Ströme, wie beispielsweise die Peloponnes und Thessalien; der Boden bestehe aus einer dünnen Schicht, und die Luft sei leicht, so daß es weder häufig regne, noch der Niederschlag in der Erde aufgesogen bleibe, und das Land sei fast ganz vom Meer umgeben; woher es ja auch seinen Namen (Attika) trage, weil es gewissermaßen ein Vorgebirge (Akté) sei; die Stadt wiederum liege niedrig und nach Süden hin. Der Beweis dafür ist: Wer von Sunion aus im Piraeus anlandet, kann nur bei Südwind ansegeln. Wie also nicht anders zu erwarten, sei der Winter mild.

In Korinth dagegen sei der Sommer gut durchlüftet, weil durch die landeinwärts reichenden Meeresbuchten ständig Winde dort hineinwehten. Auch überschatte die Akropolis die Stadt, welche mehr Richtung Lechaion (Nordhafen Korinths) nach Norden liegt.

Diese Städte seien aber viel schöner als Ekbatana und Babylon; und viel besser ausgestattet als die dortigen Königspaläste seien das (korinthische) Kraneion bzw. die athenische Akropolis und die Propyläen. Nur an Größe stünden sie ihnen nach; und doch belaufe sich der Umfang Athens auf 200 Stadien, wenn man den Piraeus und die dazwischen bis zu den Stadtmauern gezogenen Mauern hinzurechne. Es sei nicht lange her, daß auch dies alles bewohnt gewesen sei, so daß Athen die Hälfte von Babylon bedecke, falls die Kunde über die dortigen Verhältnisse überhaupt zuträfe.
Die Schönheit der Häfen freilich, und dazu die Statuen und Gemälde, Gold, Silber, Bronze, die Münzen und die Gebrauchsgegenstände sowie die Herrichtung der Bauten überträfen die dortigen Verhältnisse.
(Zit. n. Hans Rupprecht Goette, Jürgen Hammerstedt: Das antike Athen. Ein literari-scher Stadtführer. München: Beck 2004. S. 11f.)
 
 

Text 2

Strabon

Attika ist ein meerumflossenes Vorgebirge, zunächst noch schmal, verbreitert es sich dann in Richtung Binnenland und nimmt zugleich eine mondartige Biegung nach Oropos in Boiotien, wobei es seine Wölbung bei der Meeresküste hat, der zweiten, östlichen Flanke Attikas. Das Übrige bildet schon die Nordflanke, die sich von der Gegend um Oropos nach Westen bis zum Gebiet der Megarer erstreckt, das gebirgige Attika mit vielen Namen, welches Boiotien von Attika trennt. [...] Man sagt, daß die Landschaft, die heute zum Namen „Attika“ verballbornt sei, einst Akte (Vorgebirge) und Aktike (vorgebirgige) genannt worden sei, weil der größte Teil von ihr am Fuß der Gebirge als schmaler Streifen am Meer liegt, aber bemerkenswert lang ist und bis Sunion reicht. [...]

Die namhaftesten Gebirgszüge sind der Hymettos, der Brilessos und der Lykabettos, dazu der Parnes und der Korydallos. Von dem hymettischen und dem pentelischen Marmor gibt es herrlichste Steinbrüche in Stadtnähe; der Hymettos bringt zudem den besten Honig hervor. Die Silberbergwerke in Attika waren anfänglich bedeutend, sind nun aber erschöpft; so haben die Arbeiter, als die Metallsuche schwache Erträge erbrachte, den alten Stein?Auswurf und die Schlacke geschmolzen und aus ihr noch reines Silber gewonnen, weil die Alten die Schmelzöfen ohne die rechte Erfahrung betrieben hatten. Von allem attischen Honig, der besten aller Honigsorten, sagt man, sei der bei weitem vorzüglichste derjenige, der in der Gegend der Silberminen gefunden werde. Man nennt ihn nach seiner Zubereitungsart den „rauchlosen“. [...]

Flüsse (Attikas) sind der Kephissos, der im Gebiet von Trinemeia beginnt und sich durch die Ebene zieht, [...] er fließt durch die beiden Mauerschenkel, die sich von der Stadt nach Piraeus hinabziehen, und mündet in die Bucht von Phaleron. Meist ist er wie ein Bach, im Sommer aber schwindet er völlig. Noch mehr in diese Art schlägt der Ilissos, der von der anderen Seite der Stadt aus dem Gebiet jenseits von Agrai und dem Lykeion von der Quelle, die Platon im Phaidros rühmte, zu derselben Meeresküste hinfließt. 
(Zit. n. Hans Rupprecht Goette, Jürgen Hammerstedt: Das antike Athen. Ein literari-scher Stadtführer. München: Beck 2004. S. 13f.)
 
 

Text 3

Platon

Bei Hera, dies ist ein schöner Aufenthaltsort, denn diese Platane ist sehr ausladend und hoch und die Flußweide in ihrer Stattlichkeit und dem dichten Schatten wirklich reizend; weil sie in höchster Blüte steht, wird sie den Ort wohl besonders gut duften lassen. Unter der Platane fließt die allerlieblichste Quelle mit recht kühlem Wasser, wenn man seinem Fuß trauen darf. Auch scheint hier, nach den Mädchen und Statuen Zu schließen, ein Heiligtum der Nymphen und des Acheloos zu sein. Und, wenn mir gestattet ist: der milde Luftbauch an diesem Ort, wie lieblich und höchst angenehm! Sommerlich und durchdringend hallt er vom Chor der Zikaden wider. Das Herrlichste von allem aber ist das Gras, weil es an einem sanften Hang dicht genug gewachsen ist, daß man beim Liegen sein Haupt bestens bettet. [...]

An Ertragskraft werde jeder andere Boden von dem damaligen übertroffen, so daß das Gebiet damals auch ausreichte, eine große Heerschar, die sich nicht am Ackerbau beteiligte, zu ernähren. Es gibt aber einen gewichtigen Beweis für die Ertragskraft: Das jetzige Überbleibsel davon ist jedem anderen Boden ebenbürtig, weil er jede Bepflanzung erlaubt, fruchtbar und für alle Tiere eine gute Nahrung ist. Damals aber erbrachte er, zusätzlich zur Schönheit, auch noch in riesiger Menge Ertrag.
Ganz Attika liegt zum Meer bin weit vor das übrige Festland vorgestreckt wie ein Vorgebirge da; das Meeresbecken aber ist ringsum durchgehend bereits in Küstennähe tief Da sich nun viele große Überflutungen in den 9000 Jahren ereigneten - so viele Jahre sind nämlich von damals bis heute verstrichen - hat der Erdboden in all diesen Jahrtausen-den und durch die Naturkatastrophen beim Abrutschen aus höheren Lagen nicht, wie an anderen Plätzen, ein Schwemmland angeschüttet, sondern er ist, da er immer ringsum (mit der Strömung um Attika) fließt, in der Tiefe des Meeres verschwunden. Wie auf den kleinen Inseln ist jetzt - verglichen mit dem damaligen Zustand - gleichsam das Gerippe eines erkrankten Körpers übrig, weil die Erde ringsherum abgespült ist, soweit sie fett und locker war, und es blieb nur der ausgemergelte Körper der Landschaft übrig. [...]

Damals aber, als die Landschaft noch unversehrt war, hatte sie Berge wie hohe Erdhügel und besaß die nun „Steinbodengebiet“ genannten Ebenen voller fetten Ackerbodens, und über viel Holz verfügte sie in den Bergen, wofür es noch jetzt sichtbare Beweise gibt: Es gibt nämlich Gebirge, die jetzt nur noch den Bienen Nahrung bieten, doch ist es nicht allzu lange her, als Überdachungen aus ebendort für die größten Bauten abgebolzten, zum Dachbau geeigneten Baumstämmen [angefertigt wurden, und daher] noch immer erhalten sind. Und es gab viele weitere hohe Nutzbäume und für das Vieh schier unermeßlichen Weidegrund. [...]

Das Jahresaufkommen an Wasser nun bezog die Landschaft von Regenfällen, indem sie es nicht wie jetzt verlor, da es vom kahlen Boden ins Meer abfließt, sie hatte viel Boden und nahm es in ihn auf, da sie es dauerhaft in der abdeckenden Tonerde speicherte; und nachdem sie das aus der Oberfläche aufgesaugte Wasser in ihre Hohlräume hatte hinabrinnen lassen, spendete das Land an allen Orten reichliches Naß mit Quellen und Flüssen, wovon noch jetzt bei den vormaligen Quellen Heiligtümer zurückgeblieben sind als Anzeichen dafür, daß wahr ist, was jetzt über die damalige Landschaftsbeschaffen-heit gesagt wird. [...]

Das Umland war also von Natur aus so gut beschaffen und wurde kultiviert, wie es angemessen war, von wirklichen, auf ebendiese Tätigkeit spezialisierten Ackerleuten, die das Schöne und Wohlgewachsene zu schätzen wußten und die beste Erde und reichlich Wasser und über ihrem Land gemäßigt temperierte Jahreszeiten hatten. [...]

Jetzt hat das Ereignis einer einzigen, besonders regnerischen Nacht die Akropolis rings-herum abgeschwemmt und von der Erde entblößt, da zugleich Erdbeben geschahen und die dritte Sintflut vor der zu Deukalions Zeiten. Vorher, in einer anderen Zeit, hatte  [die Akropolis] eine Ausdehnung, die sich bis zum Eridanos und zum Ilissos erstreckte und die Pnyx und den der Pnyx gegenüberliegenden Lykabettos umfaßte, und sie war ganz erdig und auf der Oberfläche bis auf wenige Ausnahmen eben. [...] Und es gab eine einzige Quelle im Bereich der jetzigen Akropolis; nach deren Verschüttung durch das Erdbeben blieben nur die jetzigen kleinen Wasserstellen rings um die Akropolis übrig; den damaligen Bewohnern aber bot sie reichliches Naß, wohltemperiert für Winter wie Sommer.
(Zit. n. Hans Rupprecht Goette, Jürgen Hammerstedt: Das antike Athen. Ein literari-scher Stadtführer. München: Beck 2004. S. 15 – 18.)
 
 

Text 4

Geschichte der antiken Stadt

Spuren früher Besiedlung gehen bis in die Zeit uni 5000 v. Chr. zurück. Die nach attischer Überlieferung als Pelasger bezeichneten Ureinwohner wurden um 2000 von indogermanischen Einwanderern unterworfen. Unter ihnen entwickelte sich Athen zum dynastischen Zentrum der Landschaft.

Die Befestigung der Akropolis im 13. Jahrhundert v. Chr. zeigt die Bedrohung von außen durch die Dorische Wanderung an, die den Zustrom weiterer Ionier bewirkte, als diese den von Norden eindringenden Dorern auswichen. Der Zustrom stärkte die Bedeutung von Athen. Ganz Attika wurde zum athenischen Staatsgebiet, und alle seine freien Be-wohner wurden zu Bürgern von Athen. Um den Königssitz auf der Akropolis scharten sich die Stadtresidenzen des Landadels. Der Mythos hat diesen als Synoikismos (Zusammensiedlung) bezeichneten Akt dem König Theseus zugeschrieben. Der Zusam-menschluß schwächte auf die Dauer die Macht des Königtums, das 683 v. Chr. gänzlich abgeschafft wurde.

Mit der Einführung der Geldwirtschaft in der 2. Hälfte des 7. Jahrhunderts v. Chr. und der damit verbundenen Ausweitung des Handels gewannen neben den adligen Grundbesitzern neue Schichten Einfluss, doch waren die Umstrukturierungen von erheblichen inneren Spannungen begleitet, die 594 v. Chr. zu einer Verfassungsreform führten. Der Gesetzgeber Solon teilte die attischen Stände nach Vermögensklassen neu ein und hob die Verschuldung und Versklavung des Kleinbauerntums auf. Neben dem Areopag, der Versammlung der ehemaligen Archonten, die nach der Aufhebung der Monarchie die Aufgaben des Königs übernommen hatten, wurde aus dem Kreis der Waffenfähigen der „Rat der 400“ gebildet. Die sozialen Spannungen waren damit aber nicht ausgeräumt. Gestützt auf die Schicht der Kleinbauern und Handwerker gelang es 561/560 v. Chr. dem Adligen Peisistratos, sich zum Tyrannen aufzuschwingen. Nach seinem Tod ging die Herrschaft auf dessen Söhne über. Ein Anschlag auf die Peisistratiden gelang 514 v. Chr. nur zum Teil, doch wurden sie 510 von den einflussreichen Adelshäusern mit spartanischer Hilfe vertrieben.

Mit der Verfassungsreform des Kleisthenes begann 507 v. Chr. der Prozess der Demokratisierung Athens. Kleisthenes passte die alte Solonische Verfassung den veränderten Umständen an. Attika wurde in drei Zonen aufgeteilt: Stadt, Binnenland und Küste. Diese Zonen gliederte man in 10 Bezirke, aus denen wiederum die 10 Phylen gebildet wurden, indem man jeweils 3 Trittyen, je eine Trittys der verschiedenen Zonen, zusammenfasste. Damit war sichergestellt, dass bereits auf unterer politischer Ebene verschiedenartige Interessen aufeinander trafen. Jede der 10 Phylen stellte eine Truppe Reiterei und Fußvolk sowie einen Heerführer, einen Strategen, der bis 487 v. Chr. dem Polemarch, dem Kriegsführer, unterstand. Den Rat der 400 ersetzte ein „Rat der 500“ mit je 50 Vertretern einer Phyle, der Anträge an die Volksversammlung vorbereitete. Die Archonten wurden nun nicht mehr gewählt, sondern unter den Abgeordneten der Phylen ausgelost. Der Areopag verlor 461 v. Chr. seine politische Funktion und blieb auf die Blutgerichtsbarkeit beschränkt.

Mit seiner demokratischen Verfassung zeigte sich Athen auch gegen die Gefährdung durch die Expansion des persischen Großreiches gewappnet. 499/498 hatte Athen den Aufstand der lonier in Kleinasien unterstützt. 490 v. Chr. fiel die persische Flotte in Attika ein und wurde von den Athenern bei Marathon zurückgeschlagen. Für den zweiten persischen Einfall hatte man sich durch die Verstärkung der Flotte und den Ausbau des Piräus zum Kriegshafen gerüstet. Dennoch musste die Stadt nach der Niederlage an den Thermopylen 480 und 479 v. Chr. preisgegeben werden. Die Bevölkerung wurde evakuiert. Auch die mit Palisaden zusätzlich befestigte Akropolis war nur kurz zu halten. Die ganze Stadt wurde zerstört. Als nach den Siegen von Salamis und Platää (480 und 479 v. Chr.) die Bevölkerung zurückgekehrt war, ummauerte man gegen den Einspruch Spartas in aller Eile die ganze Stadt und sicherte sich für den Fall einer Belagerung durch den Bau der „Langen Mauern“ den Zugang zum Meer.

Da sich Sparta nach der Abwehr der unmittelbaren Gefahr nicht in geographisch weit gespannte Konflikte verwickeln lassen wollte, fiel die Führung im Befreiungskampf der Griechen in Kleinasien und auf den Inseln Athen zu. 478/477 gründete man den delisch-attischen Seehund, der sich schnell zu einem attischen Seereich wandelte und Athen weitgehend die Kontrolle der Meere und des Handels in der Ägäis eintrug. Der Bundesschatz wurde 454 v. Chr. von Delos nach Athen übertragen.

Konsequent wurde in dieser Zeit die Demokratie in Athen ausgebaut. Den letzten Einfluss des Adels mit seiner überregionalen familiären Verflechtung brach 451 v. Chr. ein Gesetz, welches das athenische Bürgerrecht auf Personen beschränkte, die sowohl einen attischen Vater als auch eine attische Mutter hatten. Die Einführung von Tagegeldern für alle Beamten ermöglichte es auch ärmeren Bürgern, ihre demokratischen Rechte wahrzunehmen.

Auch in anderen Städten unterstützte Athen demokratische Strömungen und untermauerte damit seinen Einfluss. Diese politische Expansion führte zum Konflikt mit Sparta, während sich die Handelsmetropole Korinth wirtschaftlich bedrängt sah. Der Krieg brach 431 v. Chr. offen aus. Unter der Führung des Perikles gab man das flache Land preis. Die Landbevölkerung zog sich hinter die Langen Mauern zurück. Nur durch beschränkte Operationen, mit denen man v. a. die Seewege blockierte, suchte man den Frieden zu erzwingen.

Unter der hinter den Langen Mauern zusammengepferchten Bevölkerung brach im Sommer 430 eine verheerende Seuche aus, die vier Jahre lang Athen heimsuchte. Ihr fiel auch Perikles zum Opfer. Nach seinem Tod hielt man zunächst an der defensiven Taktik fest, ließ sich dann jedoch von dem Demagogen Kleon zu gewagteren Operatio-nen hinreißen. Erst nach Kleons wie auch des erfolgreich operierenden spartanischen Feldherrn Brasidas Tod ließen sich 421 v. Chr. beide Seiten zum Frieden bewegen.

Der Konflikt war indessen nicht ausgetragen. Den Umschwung brachte 413 v. Chr. die Vernichtung eines 415 zur Unterwerfung Siziliens nach Syrakus entsandten attischen Expeditionskorps. Indem die Spartaner die kleinasiatischen Griechen preisgaben, gewannen sie die finanzielle Unterstützung der Perser, die ihnen den Aufbau einer Flotte ermöglichte. Nach wechselnden Erfolgen gelang es Sparta, Athen mehr und mehr zurückzudrängen und die Stadt schließlich einzuschließen, so dass ihr 404 v.Chr. nur mehr die Kapitulation übriglieb. Zwar konnte der Attische Seebund 378/377 nochmals erneuert werden, gewann aber nie mehr seine alte Bedeutung zurück. Indessen wurde Athen mehr und mehr zum kulturellen Zentrum Griechenlands.

Von neuem wurde Athen unter der Führung des Demosthenes zur Vorkämpferin der Freiheit der griechischen Stadtstaaten, als die Makedonen unter Philipp II. und Alexan-der d. Gr. ihre Macht nach Süden ausdehnten. Zusammen mit den Thebanern wurden die Athener jedoch 338 v. Chr. bei Chaironeia entscheidend geschlagen.

Ein Aufstand gegen die Makedonen nach dem Tod Alexanders d. Gr. führte mit der Niederlage in der Seeschlacht von Amorgos (322 v. Chr.) zum Ende der attischen Seemacht. Mehrfach musste die Stadt von nun an fremde Besatzungen ertragen. Im Mithridatischen Krieg schloss sie sich dem Aufstand gegen Rom an und wurde 86 v. Chr. von Sulla eingenommen und zerstört. Auch in römischer Zeit blieb Athen jedoch formal eine freie Stadt und wurde zum wichtigsten Bildungszentrum des Imperiums. 267 n. Chr. wurde die in aller Eile befestigte Stadt von den Herulern eingenommen und geplündert.
(Peter C. Bol, Wolf-Dietrich Niemeier und Robert Strasser: Griechenland. Ein Führer zu den antiken Stätten. Stuttgart: Reclam 1998. S. 78 – 84.)


 
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