Arbeitstechniken
 

Informationsweitergabe
 

Protokollieren


Das Protokoll mit seinen verschiedenen Ausprägungen ist die Textsorte, die am häufigsten zur Darstellung von Vorgängen, Verhandlungen und Handlungen benutzt wird. In ihm verwirklicht sich am stärksten die Darstellungsfunktion der Sprache, obwohl es auch Ausdruck eines Senders ist und sich an einen Empfänger richtet. Das Wort Protokoll ist griechischen Ursprungs und heißt übersetzt »das Davorgeleimte«. Um eine schnelle Übersicht über den Inhalt zu bieten, hat man in der Antike auf die gebräuchlichen Schriftrollen eine knappe Zusammenfassung geklebt. Zusammenfassung und Protokoll haben viele gemeinsame Merkmale.

Man unterscheidet die folgenden Protokollarten:

Das Sitzungsprotokoll einer Parlamentsdebatte enthält außer den einführenden Hinweisen zu Ort, Zeit und Gegenstand der Beratung auch Verweise auf Anlagen, die als Drucksachen vorher verteilt wurden, und auf die Anwesenheitsliste. Die Debattenbeiträge werden ebenso wie die Zwischenrufe wörtlich abgedruckt.

Ein Gerichtsprotokoll gibt den Verlauf einer Gerichtsverhandlung wieder, nimmt aber nur die entscheidenden Aussagen wörtlich auf.

Das Ergebnisprotokoll, das etwa bei Abschluß einer Geschäftsverhandlung erstellt wird, ist so knapp wie möglich, hält Ergebnisse fest, läßt aber keine Rückblicke auf die Verhandlung zu.

Das Stundenprotokoll hat Elemente des Ergebnisprotokolls und des Verlaufsprotokolls, wie es bei Gericht üblich ist. Dennoch unterscheidet es sich von beiden:

  1. Es ist nicht wichtig zu sagen, wer was wann gesagt und geantwortet hat; aber der Unterrichtsverlauf sollte in seiner logischen oder zeitlichen Strukturierung erkennbar sein; deshalb ist eine Binnengliederung notwendig.
  2. Wichtig sind die erzielten Ergebnisse und die Methoden, mit denen diese Ergebnisse gewonnen wurden; eingeschlagene Irrwege können verzeichnet, müssen aber als solche durchsichtig gemacht werden.
  3. Da das Protokoll vorzüglich Ergebnisse enthält, wird es im Präsens geschrieben; Vorzeitigkeit wird durch Perfekt gekennzeichnet.
  4. Das Unterrichtsprotokoll informiert knapp, sachlich, dem Empfängerkreis verständlich.
Es ist kaum möglich, die »Unterrichtswirklichkeit« in Form eines Gedächtnisprotokolls nachträglich zu rekonstruieren. Vielmehr sollte die Anfertigung auf der Grundlage verläßlicher Notizen erfolgen. Dazu empfiehlt es sich beim Mitschreiben

- den Verlauf der Stunde durch Ziffern zu gliedern,

- übergeordnete Fragestellungen zu unterstreichen,

- wichtige Beiträge ausführlich und namentlich zu notieren,

- Textstellen quellenmäßig nachzuweisen,

- Tafelanschriften und Zusammenfassungen wörtlich zu nehmen,

- Zusammenhänge graphisch zu verdeutlichen (Pfeile, Farben, schematische Zeichnungen),

- Abkürzungen zu verwenden.

Am leichtesten tut sich der Protokollführer, wenn er mit Papier nicht spart, die Blätter nur einseitig beschreibt und fortlaufend numeriert sowie einen breiten Rand für spätere Ergänzungen offen läßt. Kennzeichnend für den Stil des Protokolls sind Sachlichkeit und Kürze. Dazu trägt bei, daß die Niederschrift nicht im Präteritum, sondern im Präsens erfolgt. Außerdem empfiehlt es sich, den Konjunktiv zur Wiedergabe wörtlicher Aussagen nur sparsam zu verwenden.

Einigkeit sollte über den Kopf des Protokolls erzielt werden. Als Standardform hat sich bewährt:
 
 

Gymnasium am Mühlenberg, Bad Schwartau
Protokoll der Deutschstunde vom 10. Dezember 2001

Beginn:   07.45 Uhr
Ende:   08.30 Uhr
Klasse:   U II b
Fachlehrer:   OStR. Dr. Müller
Abwesend:   Sonja Meier, Anna Schmidt
Protokollführer:   Jens Braun
Thema:   Das Protokoll

...

Unterrichtsprotokolle sind besonders dann nützlich, wenn sie in einem Ordner gesammelt werden und allen Schülern zur Einsichtnahme zur Verfügung stehen.

(Rüdiger Wagner / Theodor Pelster: Colleg Deutsch. Bd. 1. München 1992. S. 54f.)


 
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